Der Fachwirt für Informationsdienste ist 2026 weiterhin eine reale Aufstiegsfortbildung für Beschäftigte in Bibliotheken, Archiven, Dokumentationsstellen und anderen Informationseinrichtungen. Anders als viele bekannte Fachwirtabschlüsse ist diese Weiterbildung jedoch nicht bundesweit einheitlich geregelt.
Je nach Bundesland und zuständiger Stelle existieren unterschiedliche Prüfungsordnungen und teilweise auch unterschiedliche Abschlussbezeichnungen. Besonders gut dokumentiert ist aktuell das hessische Modell: Dort führt das Regierungspräsidium Gießen die Fortbildungsprüfung, während die Verwaltungsakademie Hessen einen berufsbegleitenden Vorbereitungslehrgang anbietet.
Kurzüberblick:
- Abschluss: regional geregelte Aufstiegsfortbildung
- bundesweite Prüfungsverordnung: nein
- aktuelles Beispiel: Hessen
- zuständige Stelle in Hessen: Regierungspräsidium Gießen
- Lehrgang in Hessen: 640 Unterrichtsstunden
- Dauer: etwa 2 bis 2,5 Jahre
- schriftliche Prüfung in Hessen: 5 Klausuren à 180 Minuten
- praktische Prüfung: Projektarbeit, Präsentation und Fachgespräch
- Schwerpunkte: Bibliothek, Archiv, Dokumentation, Informationsmanagement
Gibt es den Fachwirt für Informationsdienste 2026 noch?
Ja. Der Abschluss wird 2026 weiterhin angeboten, insbesondere in Hessen.
Wichtig ist aber die richtige Einordnung: Es gibt keine bundeseinheitliche Fortbildungsordnung. Stattdessen beruhen die Abschlüsse auf regionalen Regelungen zuständiger Stellen.
Das bedeutet, dass sich Zulassung, Bezeichnung, Prüfungsaufbau und Lehrgangsorganisation je nach Region unterscheiden können.
Informationsdienste oder Medien- und Informationsdienste?
Bei diesem Fachwirt tauchen unterschiedliche Bezeichnungen auf. Das ist kein redaktioneller Fehler, sondern Folge der regionalen Regelungen.
Das Bundesinstitut für Berufsbildung dokumentiert unter anderem die Bezeichnung Fachwirt für Medien- und Informationsdienste für Regelungen im öffentlichen Dienst, darunter eine Regelung des Regierungspräsidiums Gießen.
Gleichzeitig verwenden das Regierungspräsidium Gießen und die Verwaltungsakademie Hessen im laufenden Verfahren beziehungsweise Lehrgang häufig die Kurzbezeichnung Fachwirt/-in für Informationsdienste.
Daneben existierten beziehungsweise existieren weitere regionale Varianten, etwa ältere IHK-Regelungen unter der Bezeichnung Fachwirt für Informationsdienste.
Für Interessenten ist deshalb weniger die Kurzbezeichnung entscheidend als die Frage: Welche Prüfungsordnung gilt bei der zuständigen Stelle?
Wo wird die Weiterbildung aktuell angeboten?
Hessen
Für Hessen ist 2026 ein konkreter Qualifizierungsweg dokumentiert.
Die zuständige Stelle ist das Regierungspräsidium Gießen. Der Vorbereitungslehrgang wird von der Verwaltungsakademie Hessen beziehungsweise dem Verwaltungsseminar Frankfurt angeboten.
Der Lehrgang umfasst:
- 640 Unterrichtsstunden,
- eine Dauer von etwa 2 bis 2,5 Jahren,
- überwiegend digitalen Unterricht,
- ergänzende Präsenztage in Frankfurt.
Der Kurs wird eingerichtet, sobald genügend Anmeldungen vorliegen.
Nordrhein-Westfalen
Auch für Nordrhein-Westfalen ist beim BIBB weiterhin eine regionale Prüfungsregelung dokumentiert.
Ein regulär neu startender Vorbereitungslehrgang für 2026 ist öffentlich jedoch nicht so klar belegt wie in Hessen. Interessenten sollten deshalb direkt bei der zuständigen Stelle beziehungsweise dem jeweiligen Bildungsträger nachfragen.
Frühere IHK-Regelungen
Daneben sind ältere regionale IHK-Regelungen dokumentiert. Ein aktuelles flächendeckendes IHK-Lehrgangsangebot lässt sich daraus aber nicht ableiten.
Der Fachwirt für Informationsdienste sollte deshalb 2026 nicht als typische bundesweite IHK-Fortbildung dargestellt werden.
Für wen eignet sich die Fortbildung?
Die Weiterbildung richtet sich vor allem an Beschäftigte, die bereits im Bibliotheks-, Archiv-, Dokumentations- oder Informationsbereich arbeiten und anspruchsvollere Fach-, Projekt- oder Führungsaufgaben übernehmen möchten.
Typische Arbeitsfelder sind:
- öffentliche Bibliotheken,
- wissenschaftliche Bibliotheken,
- Archive,
- Dokumentationsstellen,
- Medienarchive,
- Spezialbibliotheken,
- Forschungs- und Informationseinrichtungen,
- Unternehmen mit Informations- und Dokumentationsabteilungen.
Zulassung in Hessen
Die folgenden Angaben beziehen sich ausdrücklich auf die hessische Regelung.
Grundvoraussetzung ist in der Regel ein Abschluss als Fachangestellte/r für Medien- und Informationsdienste oder ein anderer einschlägiger Abschluss aus Archiv, Bibliothek beziehungsweise Information und Dokumentation.
Zusätzlich ist einschlägige Berufspraxis erforderlich. Die Dauer richtet sich in Hessen nach der Abschlussnote:
| Abschlussnote | Erforderliche einschlägige Berufspraxis |
|---|---|
| sehr gut oder gut | 2,5 Jahre |
| befriedigend | 3,5 Jahre |
| ausreichend | 4,5 Jahre |
Außerdem ist die regelmäßige Teilnahme am Vorbereitungslehrgang vorgesehen.
Für Teilzeitbeschäftigte bestehen besondere Anrechnungsregeln. Tätigkeiten mit mindestens der Hälfte der regelmäßigen Arbeitszeit werden grundsätzlich voll berücksichtigt; geringere Beschäftigungsumfänge können anteilig angerechnet werden.
Auch einschlägige ausländische Abschlüsse und Berufstätigkeiten können unter bestimmten Voraussetzungen berücksichtigt werden.
Die konkrete Zulassung entscheidet die zuständige Stelle.
Dauer und Lehrgangsform in Hessen
Der aktuelle hessische Vorbereitungslehrgang dauert etwa 2 bis 2,5 Jahre und umfasst 640 Unterrichtsstunden.
Der Unterricht findet überwiegend digital statt. Ergänzend gibt es einzelne Präsenztage in Frankfurt am Main.
Das Modell ist damit ausdrücklich auf Berufstätige zugeschnitten, verlangt aufgrund der langen Laufzeit aber eine kontinuierliche Lernorganisation.
Kosten 2026
Die Verwaltungsakademie Hessen nennt für den aktuellen Vorbereitungslehrgang folgende Gebühren:
| Teilnehmergruppe | Lehrgangsgebühr |
|---|---|
| Mitglieder | 7.008 € |
| Nichtmitglieder | 8.704 € |
Stand: Oktober 2026.
Die günstigere Mitgliedergebühr gilt nicht automatisch für jede Privatperson. Nach der Gebührenordnung der Verwaltungsakademie Hessen sind damit insbesondere Teilnehmer gemeint, die von Mitgliedern beziehungsweise angeschlossenen öffentlichen Arbeitgebern oder Einrichtungen zu Lehrgängen entsandt werden.
Wer sich direkt anmeldet, sollte deshalb vorab klären, welcher Gebührensatz im eigenen Fall gilt.
Zusätzlich sollten mögliche Prüfungsgebühren, Fahrtkosten zu Präsenztagen und weitere Nebenkosten vor der Anmeldung geprüft werden.
Wie ist die Prüfung in Hessen aufgebaut?
Die staatliche Fortbildungsprüfung besteht aus einem schriftlichen und einem praktischen Prüfungsteil.
Fünf schriftliche Prüfungen
Es werden insgesamt fünf schriftliche Aufsichtsarbeiten mit jeweils 180 Minuten geschrieben.
| Prüfungsbereich | Dauer |
|---|---|
| Aspekte der Volks- und Betriebswirtschaft, Recht und Steuern | 180 Minuten |
| Organisation, Informationsmanagement, Rechnungswesen und Controlling | 180 Minuten |
| Personalwirtschaft, Führung und Kommunikation | 180 Minuten |
| Informationsprozesse und Informationssysteme, berufsspezifisches Recht | 180 Minuten |
| Archivieren, Erhalten, Sichern und Vermitteln von Informationen und Dokumenten | 180 Minuten |
Insgesamt ergeben sich damit 900 Minuten schriftliche Prüfung.
Die schriftlichen Prüfungen sind auf zwei Prüfungsabschnitte verteilt.
Projektarbeit, Präsentation und Fachgespräch
Zusätzlich gibt es einen praktischen Prüfungsteil.
Dabei erstellt der Prüfling eine Projektarbeit zu einer Problemstellung oder einem Sachverhalt aus der eigenen beruflichen Praxis.
Anschließend wird das Projekt vor dem Prüfungsausschuss präsentiert. Daran schließt sich ein Fachgespräch an.
Ein mögliches Projektthema könnte beispielsweise sein:
Einführung eines digitalen Dokumentenmanagementsystems in einer kommunalen Verwaltung oder öffentlichen Bibliothek.
Damit wird deutlich, dass die Fortbildung nicht nur theoretisches Wissen abfragt, sondern die Fähigkeit, komplexe Informationsprozesse praktisch zu analysieren, zu planen und umzusetzen.
Welche Inhalte werden vermittelt?
Wirtschaft, Recht und Verwaltung
- Volks- und Betriebswirtschaft,
- Recht und Steuern,
- öffentliche Haushalts- und Wirtschaftsplanung.
Organisation und Informationsmanagement
- Unternehmensführung,
- Organisation,
- Informationsmanagement,
- Projektmanagement,
- Rechnungswesen,
- Controlling.
Personal, Führung und Kommunikation
- Personalrecht,
- Personalwirtschaft,
- Mitarbeiterführung,
- Kommunikation,
- Präsentation.
Informationsprozesse
- Informationsbedarf analysieren,
- Quellen auswählen,
- Informationen beschaffen,
- Informationssysteme auswählen und einsetzen,
- Informationen erschließen und vermitteln.
Archivierung und Bestandserhaltung
- analoge und digitale Informationsträger archivieren,
- Bestände erhalten und sichern,
- digitale Informationen speichern,
- Datensicherung und Datensicherheit,
- Informationsprodukte und Dienstleistungen entwickeln.
Berufsspezifisches Recht
Ein besonders wichtiger Bereich sind rechtliche Fragen rund um Informationsdienste, beispielsweise:
- Datenschutz,
- Persönlichkeitsrechte,
- Urheberrecht,
- Medienrecht,
- Regelungen für Archive, Bibliotheken und Dokumentationseinrichtungen.
Digitalisierung im Informationswesen
Das Berufsbild hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Der Fachwirt für Informationsdienste hat heute deutlich mehr mit digitalen Informationssystemen zu tun als mit der früher oft verwendeten Vorstellung vom „papierlosen Büro“.
In der heutigen Praxis spielen beispielsweise folgende Themen eine Rolle:
- digitale Bibliotheken und Archive,
- Dokumenten- und Records-Management,
- Repositorien,
- Datenbanken und Discovery-Systeme,
- digitale Bestandserschließung,
- Metadatenmanagement,
- digitale Langzeitarchivierung,
- Open Access,
- Forschungsdatenmanagement,
- digitale Benutzer- und Ausleihsysteme.
Einige dieser Themen finden sich bereits in heutigen Lehrplänen, etwa Informationssysteme, technische Schnittstellen, Ausleih- und Benutzerverwaltungssysteme sowie digitale Informationsangebote.
KI in Bibliothek, Archiv und Dokumentation
Künstliche Intelligenz verändert auch Informationsberufe.
Mögliche Einsatzgebiete sind beispielsweise:
- KI-gestützte Recherche,
- Dokumentklassifikation,
- automatische Verschlagwortung,
- Metadatengenerierung,
- Texterkennung,
- semantische Suche,
- Zusammenfassungen und Informationsaufbereitung.
Diese Entwicklungen gehören zur heutigen Berufspraxis. Sie sind aber nicht automatisch jeweils eigenständige verbindliche Prüfungsinhalte älterer regionaler Prüfungsordnungen.
Datenschutz, Urheberrecht und digitale Inhalte
Mit der Digitalisierung gewinnen rechtliche Fragen zusätzlich an Bedeutung.
Dazu gehören heute beispielsweise:
- DSGVO und personenbezogene Daten,
- Archivrecht,
- Urheberrecht,
- Nutzungs- und Lizenzrechte,
- digitale Medien,
- Open-Access-Modelle,
- rechtssicherer Umgang mit geschützten Dokumenten und Beständen.
Karriere und Tätigkeitsfelder
Mit dem Fachwirt können sich neue Fach-, Projekt- und teilweise Führungsaufgaben eröffnen.
Mögliche Tätigkeitsfelder sind:
- Bibliotheksmanagement,
- Archiv- und Dokumentationswesen,
- digitale Bestandserschließung,
- Informationsmanagement,
- Projektmanagement,
- Bestandserhaltung,
- Benutzer- und Informationsdienste,
- digitale Informationsangebote,
- Team- und Fachkoordination.
Fachwirt und Eingruppierung im öffentlichen Dienst
Viele Interessenten arbeiten bei Kommunen, Ländern, Hochschulen oder anderen öffentlichen Einrichtungen.
Wichtig ist deshalb: Der Fachwirtabschluss führt nicht automatisch zu einer bestimmten Entgeltgruppe nach TVöD oder TV-L.
Für die tarifliche Eingruppierung sind in erster Linie die tatsächlich übertragenen Tätigkeiten und die jeweiligen Tätigkeitsmerkmale entscheidend.
Der Abschluss kann den Zugang zu anspruchsvolleren Aufgaben verbessern, garantiert aber weder eine bestimmte Stelle noch ein bestimmtes Einkommen.
Fachwirt oder Studium?
Für Beschäftigte aus Bibliothek, Archiv und Informationswesen kann alternativ auch ein Studium infrage kommen.
| Fachwirt Informationsdienste | Studium Bibliotheks-/Informationswissenschaft |
|---|---|
| berufspraktische Aufstiegsfortbildung | akademischer Studiengang |
| starker Bezug zur vorhandenen Berufspraxis | stärker wissenschaftlich und theoretisch ausgerichtet |
| häufig berufsbegleitend | je nach Hochschule Vollzeit oder berufsbegleitend |
| regionale Prüfungsordnung | Hochschulprüfungsordnung |
| kein Hochschulabschluss | Bachelorgrad |
Welcher Weg besser passt, hängt von Berufsziel, bisheriger Qualifikation und gewünschtem Einsatzgebiet ab.
Förderung
Die alte pauschale Aussage, der Lehrgang werde über „Meister-BAföG“ gefördert, sollte heute nicht mehr übernommen werden.
Bei regional geregelten Fortbildungen sollte vor der Anmeldung geprüft werden, ob der konkrete Lehrgang die Voraussetzungen für Aufstiegs-BAföG oder andere Förderprogramme erfüllt.
Weitere Informationen findest du in unserem Ratgeber Weiterbildung finanzieren.
Fazit
Der Fachwirt für Informationsdienste ist 2026 weiterhin eine aktuelle Aufstiegsfortbildung, allerdings nicht bundesweit einheitlich geregelt.
Besonders gut dokumentiert ist derzeit Hessen: Dort gibt es einen berufsbegleitenden Lehrgang mit 640 Unterrichtsstunden, einer Dauer von 2 bis 2,5 Jahren sowie fünf schriftlichen Prüfungen à 180 Minuten und einer praktischen Prüfung mit Projektarbeit, Präsentation und Fachgespräch.
Die unterschiedlichen Bezeichnungen „Fachwirt für Informationsdienste“ und „Fachwirt für Medien- und Informationsdienste“ sollten immer im Zusammenhang mit der jeweiligen regionalen Prüfungsordnung betrachtet werden.
Wer in Bibliothek, Archiv oder Dokumentation anspruchsvollere Fach- und Projektaufgaben übernehmen möchte, findet hier einen spezialisierten Aufstiegsweg. Als Alternative kann – abhängig vom Berufsziel – auch ein Studium der Bibliotheks- oder Informationswissenschaft sinnvoll sein.
Weitere Fachrichtungen findest du in unserem Überblick Fachwirt: Fachrichtungen, Weiterbildung, Prüfung & Karriere sowie in Fachwirt A–Z.
