Der Fachwirt für Logistiksysteme (IHK) ist eine bundesweit geregelte Aufstiegsfortbildung für Fachkräfte, die logistische Prozesse analysieren, gestalten und optimieren möchten. Seit der neuen Fortbildungsverordnung von 2023 lautet die vollständige Abschlussbezeichnung Geprüfter Fachwirt für Logistiksysteme / Geprüfte Fachwirtin für Logistiksysteme – Bachelor Professional in Logistiksysteme.
Der Abschluss richtet sich besonders an Beschäftigte aus Logistik, Lager, Produktion, Einkauf und Supply Chain Management, die stärker in Prozessgestaltung, Projektarbeit und Führung einsteigen möchten. Im Unterschied zum Fachwirt für Güterverkehr und Logistik steht weniger die externe Transportdienstleistung im Mittelpunkt, sondern stärker die Optimierung betrieblicher Logistiksysteme und Wertschöpfungsketten.
Kurzüberblick:
- Abschluss: Geprüfter Fachwirt für Logistiksysteme – Bachelor Professional in Logistiksysteme
- Abschlussart: bundesweit geregelter IHK-Fortbildungsabschluss
- Rechtsgrundlage: neue Fortbildungsverordnung von 2023
- DQR-Niveau: 6
- Prüfung: zwei schriftliche Aufgaben à 300 Minuten sowie Präsentation und Fachgespräch
- Fernlehrgänge: unter anderem bei ILS und Fernakademie verfügbar
- typische Dauer im Fernstudium: etwa 18 Monate
- Förderung: Aufstiegs-BAföG kann grundsätzlich infrage kommen
Ist der Fachwirt für Logistiksysteme 2026 noch aktuell?
Ja. Der Fachwirt für Logistiksysteme ist 2026 ein aktueller und bundesweit geregelter IHK-Abschluss. Die bisherige Verordnung wurde 2023 durch eine neue Fortbildungsordnung ersetzt. Seitdem trägt der Abschluss zusätzlich die Bezeichnung Bachelor Professional in Logistiksysteme.
Der Abschluss ist dem DQR-Niveau 6 zugeordnet. Damit liegt er auf derselben Kompetenzstufe wie andere Fachwirt- und Meisterabschlüsse dieser Fortbildungsebene. Ein akademischer Bachelorabschluss ist damit jedoch nicht verbunden.
Die Übergangsfrist für nach der alten Verordnung begonnene Prüfungen endete am 28. September 2026. Für neue Prüfungsverfahren gilt damit die aktuelle 2023er-Verordnung.
Was macht ein Fachwirt für Logistiksysteme?
Fachwirte für Logistiksysteme beschäftigen sich mit der Frage, wie Waren-, Material- und Informationsflüsse effizienter organisiert werden können.
Typische Aufgaben sind beispielsweise:
- logistische Anforderungen von Kunden und internen Bereichen analysieren,
- Wertschöpfungsketten bewerten,
- Logistiksysteme und Prozesse entwickeln,
- Lager-, Materialfluss- und Produktionsprozesse optimieren,
- Logistikprojekte planen und umsetzen,
- Kosten und Kennzahlen bewerten,
- Qualitätsanforderungen berücksichtigen,
- Mitarbeitende führen und weiterentwickeln,
- Veränderungsprozesse begleiten.
Einsatzmöglichkeiten bestehen unter anderem in Industrie, Handel, Lagerlogistik, Kontraktlogistik, Produktionsunternehmen, Distributionszentren und größeren Logistikdienstleistungsunternehmen.
Für wen eignet sich die Weiterbildung?
Die Fortbildung ist besonders interessant für Beschäftigte, die bereits praktische Erfahrung in der Logistik besitzen und künftig stärker koordinierende, analytische oder leitende Aufgaben übernehmen möchten.
Typische Ausgangsberufe sind zum Beispiel:
- Kaufleute für Spedition und Logistikdienstleistung,
- Industriekaufleute,
- Kaufleute für Groß- und Außenhandelsmanagement,
- Schifffahrtskaufleute,
- Fachkräfte für Lagerlogistik,
- andere kaufmännische oder technische Fachkräfte mit einschlägiger Logistikerfahrung.
Zulassung zur IHK-Prüfung
Die neue Verordnung sieht mehrere Zugangswege vor.
| Vorbildung | Zusätzliche Berufspraxis |
|---|---|
| Kaufmann/Kauffrau für Spedition und Logistikdienstleistung, Industriekaufmann/-frau, Kaufmann/-frau für Groß- und Außenhandelsmanagement oder Schifffahrtskaufmann/-frau | keine zusätzliche Berufspraxis ausdrücklich vorgeschrieben |
| anderer dreijähriger kaufmännischer oder verwaltender Ausbildungsberuf oder Fachkraft für Lagerlogistik | mindestens 1 Jahr |
| anderer anerkannter dreijähriger Ausbildungsberuf | mindestens 2 Jahre |
| mindestens 90 ECTS in einem fachverwandten Studium | mindestens 2 Jahre |
| ohne entsprechenden Abschluss | mindestens 5 Jahre |
Die erforderliche Berufspraxis muss wesentliche Bezüge zu den Aufgaben eines Fachwirts für Logistiksysteme haben. Zusätzlich gibt es eine Öffnungsklausel für Personen, die eine vergleichbare berufliche Handlungsfähigkeit auf andere Weise nachweisen können.
Die endgültige Entscheidung über die Prüfungszulassung trifft immer die zuständige IHK.
Prüfungsstruktur seit 2023
Die Prüfung besteht aus einem schriftlichen und einem mündlichen Teil.
Schriftliche Prüfung
Ausgangspunkt ist eine betriebliche Situationsbeschreibung. Daraus werden zwei komplexe Aufgabenstellungen abgeleitet.
| Prüfungsteil | Dauer |
|---|---|
| Schriftliche Aufgabenstellung 1 | 300 Minuten |
| Schriftliche Aufgabenstellung 2 | 300 Minuten |
Die Aufgaben sind miteinander abgestimmt und sollen alle Prüfungsbereiche abdecken. Gefragt sind keine isolierten Einzelkenntnisse, sondern eigenständig entwickelte Lösungen für komplexe betriebliche Situationen.
Mündliche Prüfung
Die mündliche Prüfung besteht aus einer Präsentation und einem unmittelbar anschließenden Fachgespräch.
| Prüfungsteil | Dauer |
|---|---|
| Präsentation | max. 10 Minuten |
| Fachgespräch | max. 20 Minuten |
Das Präsentationsthema wird selbst gewählt und muss einen der fachlichen Prüfungsbereiche mit dem Bereich Kommunikation, Führung und Zusammenarbeit verbinden.
Wie wird die Prüfung bewertet?
Die beiden schriftlichen Aufgaben werden einzeln bewertet und anschließend gemittelt.
In der mündlichen Prüfung gilt:
- Präsentation: 1/3
- Fachgespräch: 2/3
Zum Bestehen müssen sowohl in der schriftlichen als auch in der mündlichen Prüfung mindestens 50 Punkte erreicht werden.
Die vier Prüfungsbereiche
1. Logistische Anforderungen ermitteln, analysieren und bewerten
Hier geht es um die Analyse von Kundenanforderungen und Wertschöpfungsketten.
Dazu gehören beispielsweise:
- Logistiksystemanalysen,
- Bewertung logistischer Abläufe,
- betriebswirtschaftliche Bewertung von Wertschöpfungsketten,
- Berücksichtigung rechtlicher, technischer, sozialer und ökologischer Rahmenbedingungen.
2. Logistische Lösungen entwickeln und planen
In diesem Bereich werden auf Basis der Analyse konkrete Logistikkonzepte entwickelt.
Typische Themen sind:
- Lager- und Materialflusskonzepte,
- Produktions- und Distributionslogistik,
- Bestandsmanagement,
- Transport- und Beschaffungslogistik,
- Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen,
- Projekt- und Ressourcenplanung.
3. Logistische Lösungen umsetzen, bewerten und weiterentwickeln
Hier steht die Umsetzung im Unternehmen im Mittelpunkt.
Dazu gehören unter anderem:
- Logistikprojekte steuern,
- Kennzahlen auswerten,
- Qualität sichern,
- Abweichungen erkennen,
- Prozesse kontinuierlich verbessern,
- Veränderungsprozesse begleiten.
4. Kommunikation, Führung und Zusammenarbeit sicherstellen
Der vierte Bereich umfasst Führungs- und Personalthemen wie:
- Mitarbeiterführung,
- Personaleinsatzplanung,
- Konfliktmanagement,
- Kommunikation und Präsentation,
- Berufsausbildung,
- Personalentwicklung,
- Arbeits- und Gesundheitsschutz.
AEVO: Befreiung vom schriftlichen Teil
Nach erfolgreichem Abschluss des Fachwirts kann eine Befreiung vom schriftlichen Teil der Ausbildereignungsprüfung nach AEVO erfolgen.
Das bedeutet nicht, dass die komplette Ausbildereignungsprüfung automatisch entfällt. Der praktische beziehungsweise mündliche Teil ist gesondert zu berücksichtigen.
Dauer der Weiterbildung
Die Vorbereitungslehrgänge unterscheiden sich je nach Lernmodell. Fernlehrgänge werden häufig über rund 18 Monate angeboten.
Die Fernakademie nennt aktuell 18 Monate bei einem Lernaufwand von etwa acht Stunden pro Woche. Auch ILS führt den Fachwirt für Logistiksysteme als 18-monatigen Fernlehrgang.
Die Teilnahme an einem Vorbereitungslehrgang ist für die IHK-Prüfung grundsätzlich nicht zwingend vorgeschrieben, in der Praxis aber der übliche Weg.
Fernstudium zum Fachwirt für Logistiksysteme
Ein Fernlehrgang kann besonders für Berufstätige interessant sein, weil sich Lernzeiten flexibel mit dem Job verbinden lassen. Aktuell führen sowohl ILS als auch die Fernakademie Klett Vorbereitungskurse auf die IHK-Prüfung.
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Fernlehrgänge zum Fachwirt für Logistiksysteme vergleichen
Beide Anbieter bereiten auf die externe IHK-Prüfung vor. Vor der Anmeldung solltest du aktuelle Studiengebühren, Fördermöglichkeiten und die persönliche IHK-Zulassung prüfen.
Zum ILS-Angebot
Zur Fernakademie
Hinweis: Die Links sind Affiliate-Links. Wenn du darüber einen Lehrgang buchst, kann fachwirt-blog.de eine Provision erhalten. Für dich entstehen dadurch keine zusätzlichen Kosten. Die genannten Anbieter sind Beispiele und keine abschließende Empfehlung.
Kosten
Die Kosten hängen vom Anbieter und vom gewählten Lehrgangsmodell ab. ILS weist in aktuellen Anmeldeunterlagen für den 18-monatigen Fernlehrgang beispielsweise einen Gesamtpreis von rund 4.356 € aus. Da Fernlehrgangspreise und Rabattaktionen regelmäßig verändert werden, sollten Interessenten die aktuellen Gebühren direkt beim Anbieter prüfen.
Zusätzlich können IHK-Prüfungsgebühren anfallen. Diese unterscheiden sich je nach Kammer. Die IHK Schwaben nennt für die Erstprüfung beispielsweise 460 €, die IHK Mittlerer Niederrhein seit 2026 420 €.
Prüfungstermine 2026
Für 2026 gelten bundeseinheitliche schriftliche Prüfungstermine. Die Herbstprüfung findet statt am:
- 22. Oktober 2026: Aufgabenstellung 1
- 23. Oktober 2026: Aufgabenstellung 2
Die mündlichen Prüfungen werden von den einzelnen IHKs separat terminiert. Nicht jede IHK bietet jeden Prüfungstermin an. Deshalb sollte die konkrete Anmeldung immer mit der zuständigen Kammer abgestimmt werden.
Aufstiegs-BAföG und Förderung
Der Fachwirt für Logistiksysteme ist eine anerkannte Aufstiegsfortbildung. Eine Förderung über das Aufstiegs-BAföG kann grundsätzlich möglich sein.
Auch ILS führt den Lehrgang unter den grundsätzlich förderfähigen Aufstiegsfortbildungen. Ob und in welcher Höhe eine Förderung tatsächlich gewährt wird, hängt von den persönlichen Voraussetzungen und dem konkreten Lehrgang ab.
Weitere Informationen findest du in unserem Ratgeber Weiterbildung finanzieren.
Digitalisierung in Logistiksystemen
Die moderne Logistik ist stark daten- und technologiegetrieben. In der Praxis gehören heute beispielsweise folgende Themen dazu:
- Warehouse-Management-Systeme,
- Transport- und Supply-Chain-Management-Systeme,
- Automatisierung und Robotik,
- RFID und Track & Trace,
- digitale Bestandsführung,
- Predictive Analytics,
- KI-gestützte Prognosen,
- digitale Zwillinge von Logistikprozessen.
Die Fernakademie nennt Automatisierung und Digitalisierung ausdrücklich als Lehrgangsinhalt. Einzelne aktuelle Technologien sind jedoch nicht automatisch jeweils eigenständige Prüfungsfelder der Fortbildungsverordnung.
Nachhaltigkeit und effiziente Wertschöpfungsketten
Nachhaltigkeit spielt auch in Logistiksystemen eine immer größere Rolle.
Dazu gehören beispielsweise:
- Bestände reduzieren, ohne die Lieferfähigkeit zu gefährden,
- Materialflüsse effizienter gestalten,
- Energieverbrauch in Lager und Produktion senken,
- Transportwege optimieren,
- Verpackungen und Ressourcen reduzieren,
- Kreislaufwirtschaft und Entsorgungslogistik berücksichtigen.
Die neue Verordnung verlangt ausdrücklich, bei der Analyse und Gestaltung logistischer Prozesse auch ökologische Rahmenbedingungen einzubeziehen.
Karriere und Tätigkeitsfelder
Der Fachwirt für Logistiksysteme kann für anspruchsvollere Fach-, Projekt- und Führungsaufgaben qualifizieren.
Mögliche Tätigkeitsfelder sind zum Beispiel:
- Supply Chain Management,
- Lager- und Bestandsmanagement,
- Produktionslogistik,
- Beschaffungslogistik,
- Distributionslogistik,
- Logistikcontrolling,
- Prozessmanagement,
- Projektmanagement,
- Logistikplanung,
- Optimierung von Material- und Informationsflüssen.
Eine bestimmte Führungsposition oder ein festes Gehaltsniveau ergibt sich aus dem Abschluss nicht automatisch.
Fachwirt Logistiksysteme oder Fachwirt Güterverkehr und Logistik?
| Fachwirt Logistiksysteme | Fachwirt Güterverkehr und Logistik |
|---|---|
| logistische Systeme und Prozesse | Transport- und Logistikdienstleistungen |
| Lager, Materialfluss und Produktion | Spedition und Verkehrsträger |
| innerbetriebliche Abläufe | Kunden und externe Dienstleister |
| Prozessanalyse und Optimierung | Angebote und Transportverträge |
| System- und Prozessgestaltung | transportwirtschaftliche Steuerung |
Vereinfacht gesagt: Wer Logistiksysteme innerhalb von Unternehmen analysieren und verbessern möchte, ist beim Fachwirt für Logistiksysteme häufig richtig. Wer stärker in Spedition, Transport, Fracht und externen Logistikdienstleistungen arbeitet, sollte den Fachwirt für Güterverkehr und Logistik vergleichen.
Fazit
Der Fachwirt für Logistiksysteme (IHK) ist 2026 ein aktueller bundesweit geregelter Fortbildungsabschluss auf DQR-Niveau 6. Seit 2023 trägt er zusätzlich die Bezeichnung Bachelor Professional in Logistiksysteme.
Die Weiterbildung eignet sich besonders für Fachkräfte, die logistische Prozesse nicht nur ausführen, sondern Wertschöpfungsketten analysieren, Logistiklösungen entwickeln und Veränderungsprojekte steuern möchten.
Mit ILS und Fernakademie stehen aktuell auch berufsbegleitende Fernlehrgänge zur Verfügung. Wer sich dagegen stärker auf Transportdienstleistungen, Spedition und Verkehrsträger konzentrieren möchte, sollte den Fachwirt für Güterverkehr und Logistik als eigenständige Alternative betrachten.
Weitere Fachrichtungen findest du in unserem Überblick Fachwirt: Fachrichtungen, Weiterbildung, Prüfung & Karriere sowie in Fachwirt A–Z.
