Der staatlich geprüfte Betriebswirt ist eine berufliche Aufstiegsweiterbildung für Menschen, die nach einer kaufmännischen Ausbildung und entsprechender Berufserfahrung zusätzliche betriebswirtschaftliche Kenntnisse erwerben möchten. Die Weiterbildung findet an einer Fachschule für Wirtschaft oder einer vergleichbaren landesrechtlich geregelten Bildungseinrichtung statt und endet mit einem staatlichen Abschluss.
Der Abschluss ist dem Niveau 6 des Deutschen Qualifikationsrahmens (DQR) zugeordnet. Je nach Bundesland und geltender Abschlussregelung kann außerdem die Bezeichnung Bachelor Professional in Wirtschaft geführt werden. Damit wird das berufliche Kompetenzniveau beschrieben. Ein akademischer Bachelorabschluss wird durch die Fachschulweiterbildung jedoch nicht erworben.
Die Weiterbildung dauert häufig zwei Jahre in Vollzeit oder drei bis vier Jahre berufsbegleitend. Welche Aufnahmevoraussetzungen gelten, wie der Unterricht organisiert ist und welche Prüfungen abgelegt werden müssen, richtet sich nach dem jeweiligen Landesrecht.
In diesem Ratgeber erfahren Sie, wie Sie staatlich geprüfter Betriebswirt werden, welche Fachschulen infrage kommen, welche Kosten entstehen und wie sich der Abschluss vom Geprüften Betriebswirt IHK und vom Betriebswirt VWA unterscheidet.
Staatlich geprüfter Betriebswirt: Das Wichtigste im Überblick
- Abschluss: Staatlich geprüfter Betriebswirt beziehungsweise staatlich geprüfte Betriebswirtin.
- Weitere Abschlussbezeichnung: Bachelor Professional in Wirtschaft, soweit landesrechtlich vorgesehen.
- Qualifikationsniveau: DQR 6.
- Bildungseinrichtung: Fachschule für Wirtschaft beziehungsweise entsprechende Fachakademie.
- Rechtsgrundlage: Landesrechtliche Fachschul- und Prüfungsregelungen.
- Voraussetzungen: In der Regel abgeschlossene einschlägige Berufsausbildung und Berufserfahrung.
- Dauer: Häufig zwei Jahre Vollzeit oder drei bis vier Jahre Teilzeit.
- Abschlussprüfung: Staatliche Fachschulprüfung nach den Vorgaben des Bundeslandes.
- Förderung: Aufstiegs-BAföG bei Erfüllung der gesetzlichen Voraussetzungen.
- Berufliche Perspektiven: Controlling, Rechnungswesen, Personalmanagement, Organisation, Marketing und kaufmännische Führungsaufgaben.
Was ist ein staatlich geprüfter Betriebswirt?
Ein staatlich geprüfter Betriebswirt verfügt über eine berufliche Weiterbildungsqualifikation auf Fachschulniveau. Die Ausbildung verbindet fundierte betriebswirtschaftliche Kenntnisse mit praktischen Fragestellungen aus Unternehmen und Organisationen.
Die Weiterbildung richtet sich in erster Linie an Berufstätige, die bereits kaufmännische Kenntnisse besitzen und diese erweitern möchten.
Im Mittelpunkt stehen die Planung, Organisation und Steuerung betrieblicher Abläufe. Dabei lernen die Teilnehmer, wirtschaftliche Entscheidungen zu beurteilen, Geschäftsprozesse zu analysieren und Lösungen für komplexere betriebliche Aufgaben zu entwickeln.
Zu den typischen Fachgebieten gehören:
- Betriebswirtschaftslehre und Unternehmensführung
- Rechnungswesen und Controlling
- Finanzierung und Investition
- Marketing und Vertrieb
- Personalwirtschaft
- Unternehmensorganisation
- Wirtschaftsrecht
- Projektmanagement
- Wirtschaftsmathematik und Statistik
Je nach Fachschule können zusätzliche Schwerpunkte angeboten werden, beispielsweise Logistik, Wirtschaftsinformatik, Digitalisierung oder Personalmanagement.
Der Abschluss ist branchenübergreifend verwendbar. Ob damit eine bestimmte Führungsposition erreicht werden kann, hängt allerdings auch von der bisherigen Berufserfahrung und den Anforderungen des Arbeitgebers ab.
Ist der staatlich geprüfte Betriebswirt ein anerkannter Abschluss?
Ja. Der staatlich geprüfte Betriebswirt ist ein landesrechtlich geregelter beruflicher Weiterbildungsabschluss.
Die Weiterbildung findet an einer Fachschule beziehungsweise einer entsprechend geregelten Bildungseinrichtung statt. Die Prüfung wird nach den jeweiligen staatlichen Vorschriften durchgeführt.
Im Unterschied zu privaten Betriebswirt-Zertifikaten handelt es sich damit um einen staatlich geregelten Fachschulabschluss.
Die Fachschulen orientieren sich an den gemeinsamen Rahmenvereinbarungen der Kultusministerkonferenz. Die konkrete Umsetzung erfolgt jedoch durch die Bundesländer.
Welches DQR-Niveau hat der Abschluss?
Der staatlich geprüfte Betriebswirt ist dem DQR-Niveau 6 zugeordnet.
Auf derselben Kompetenzniveaustufe befinden sich beispielsweise:
- Akademische Bachelorabschlüsse
- Bestimmte Fachwirtabschlüsse
- Meisterabschlüsse
- Weitere entsprechend eingeordnete berufliche Fortbildungsabschlüsse
Die gemeinsame Einstufung bedeutet, dass die Abschlüsse hinsichtlich des beschriebenen Kompetenzniveaus vergleichbar sind.
Sie bedeutet nicht, dass die Abschlüsse rechtlich identisch sind oder dieselben Berechtigungen vermitteln.
Bachelor Professional in Wirtschaft
Für staatlich geprüfte Betriebswirte ist unter den entsprechenden landesrechtlichen Regelungen die zusätzliche Abschlussbezeichnung Bachelor Professional in Wirtschaft vorgesehen.
Diese Bezeichnung verdeutlicht die Einordnung in die höhere berufliche Bildung.
Wichtig: Der Bachelor Professional in Wirtschaft ist kein akademischer Bachelor of Arts oder Bachelor of Science.
Auch die Voraussetzungen für weiterführende Hochschulstudiengänge ergeben sich nicht automatisch allein aus der Bezeichnung.
Welche Abschlussbezeichnung auf dem Zeugnis steht, richtet sich nach dem Bundesland und der für den Bildungsgang geltenden Prüfungsordnung.
Welche Voraussetzungen gelten für den staatlich geprüften Betriebswirt?
Die Aufnahmevoraussetzungen unterscheiden sich zwischen den Bundesländern.
Eine bundesweit unmittelbar geltende einheitliche Aufnahmeverordnung für sämtliche Fachschulen für Wirtschaft besteht nicht.
Typischerweise werden folgende Voraussetzungen verlangt:
- Ein bestimmter allgemeinbildender Schulabschluss
- Eine abgeschlossene einschlägige Berufsausbildung
- Eine entsprechende berufliche Tätigkeit beziehungsweise Berufserfahrung
Unter bestimmten Voraussetzungen können auch andere berufliche Bildungswege berücksichtigt werden.
Beispiel: Voraussetzungen in Schleswig-Holstein
In Schleswig-Holstein ist für die Fachschule der Fachrichtung Betriebswirtschaft grundsätzlich eine geeignete berufliche Vorbildung erforderlich.
Zu den wesentlichen Voraussetzungen gehören nach den landesrechtlichen Bestimmungen insbesondere:
- In der Regel der Mittlere Schulabschluss
- Eine abgeschlossene einschlägige Berufsausbildung
- Mindestens ein Jahr einschlägige Berufstätigkeit
Welche Alternativen anerkannt werden können und ob weitere Zugangswege bestehen, ergibt sich aus der jeweils geltenden Fachschulverordnung.
Interessenten sollten deshalb die Aufnahmebedingungen der gewünschten Fachschule direkt prüfen.
Staatlich geprüfter Betriebswirt ohne Abitur
Ein Abitur ist für die Weiterbildung zum staatlich geprüften Betriebswirt grundsätzlich nicht erforderlich.
Der reguläre Zugang erfolgt über berufliche Qualifikationen und Berufserfahrung.
Häufig reicht ein Mittlerer Schulabschluss in Verbindung mit einer geeigneten Berufsausbildung und entsprechender Berufspraxis aus.
Die genauen Voraussetzungen hängen vom jeweiligen Bundesland ab.
Staatlich geprüfter Betriebswirt ohne Ausbildung
Wer keine abgeschlossene einschlägige Berufsausbildung besitzt, erfüllt die regulären Aufnahmevoraussetzungen häufig nicht.
Einige Landesregelungen können jedoch alternative Zugangswege über längere einschlägige Berufstätigkeit oder gleichwertige Vorqualifikationen vorsehen.
Ein pauschaler Anspruch auf Aufnahme ohne Berufsausbildung besteht nicht.
Ob eine Aufnahme möglich ist, sollte individuell mit der Fachschule geklärt werden.
Welche Berufsausbildungen sind geeignet?
Besonders häufig kommen kaufmännische Ausbildungsberufe infrage.
Dazu zählen beispielsweise:
- Kaufmann beziehungsweise Kauffrau für Büromanagement
- Industriekaufmann beziehungsweise Industriekauffrau
- Kaufmann beziehungsweise Kauffrau im Einzelhandel
- Groß- und Außenhandelsmanagement
- Bankkaufmann beziehungsweise Bankkauffrau
- Weitere einschlägige kaufmännische Berufe
Ob eine bestimmte Ausbildung als einschlägig anerkannt wird, richtet sich nach den Anforderungen der Fachschule und der geltenden Landesverordnung.
Wo kann man staatlich geprüfter Betriebswirt werden?
Die Weiterbildung erfolgt grundsätzlich an einer Fachschule für Wirtschaft oder einer entsprechend landesrechtlich geregelten Bildungseinrichtung.
Fachschulen gehören zur beruflichen Weiterbildung und setzen üblicherweise bereits erworbene berufliche Kompetenzen voraus.
Je nach Bundesland werden die Bildungsgänge beispielsweise an Berufskollegs, berufsbildenden Schulen, Fachschulen oder Fachakademien angeboten.
Staatliche Fachschulen
Öffentliche Fachschulen bieten entsprechende Weiterbildungen nach den geltenden Landesvorschriften an.
Der Besuch kann abhängig vom Bundesland und der Schule schulgeldfrei sein.
Zusätzliche Kosten für Lernmittel, Prüfungen oder andere Leistungen können trotzdem entstehen.
Private Fachschulen
Auch private Bildungseinrichtungen können entsprechende Bildungsgänge anbieten, sofern sie die dafür erforderlichen staatlichen Voraussetzungen erfüllen.
Bei privaten Schulen sollten Interessenten besonders darauf achten, ob tatsächlich der landesrechtlich geregelte Abschluss Staatlich geprüfter Betriebswirt erworben wird.
Ein privates Zertifikat mit der Bezeichnung Betriebswirt ist nicht automatisch ein staatlicher Fachschulabschluss.
Aktuelle Fachschulen für Wirtschaft im Überblick
In Deutschland gibt es verschiedene Fachschulen, die Weiterbildungen zum staatlich geprüften Betriebswirt anbieten beziehungsweise entsprechende Bildungsgänge führen.
Die nachfolgenden Beispiele dienen der Orientierung. Ein veröffentlichter Bildungsgang bedeutet nicht automatisch, dass zu jedem gewünschten Termin eine neue Klasse beginnt.
Berufskolleg an der Lindenstraße in Köln
Das Berufskolleg an der Lindenstraße in Köln bietet eine Fachschule für Wirtschaft mit betriebswirtschaftlichen Weiterbildungsinhalten an.
Der berufsbegleitende Bildungsgang ist auf drei Jahre ausgelegt.
Nach den veröffentlichten Schulangaben kann ein Teil des Unterrichts im Distanzformat stattfinden.
Interessenten sollten direkt bei der Schule klären, welche Schwerpunkte angeboten werden, welche Aufnahmebedingungen gelten und wann der nächste Bildungsgang beginnt.
BBS „Eike von Repgow“ in Magdeburg
Die Berufsbildenden Schulen „Eike von Repgow“ in Magdeburg führen einen entsprechenden Fachschulbildungsgang.
Für den staatlich geprüften Betriebswirt sind nach den veröffentlichten Informationen unterschiedliche Unterrichtsmodelle vorgesehen.
- Vollzeit: In der Regel zwei Jahre
- Teilzeit: In der Regel vier Jahre
Im Rahmen der Weiterbildung können unter den landesrechtlichen Voraussetzungen weitere schulische Berechtigungen erworben werden.
Die aktuellen Bewerbungsbedingungen und den nächsten Kursbeginn sollten Interessenten bei der Schule erfragen.
Berufsbildende Schule Wissen
Auch die Berufsbildende Schule Wissen in Rheinland-Pfalz informiert über Weiterbildungsangebote im Bereich der Fachschule Wirtschaft.
Die Durchführung einzelner berufsbegleitender Bildungsgänge kann von der Nachfrage und ausreichenden Teilnehmerzahlen abhängen.
Vor einer Bewerbung sollte deshalb geklärt werden, ob aktuell eine neue Klasse vorgesehen ist.
Wie findet man eine geeignete Fachschule?
Bei der Suche nach einer passenden Fachschule sind folgende Punkte besonders wichtig:
- Ist die Schule staatlich oder staatlich anerkannt?
- Führt der Bildungsgang tatsächlich zum staatlich geprüften Betriebswirt?
- Welche Schwerpunkte werden angeboten?
- Ist ein Vollzeit- oder Teilzeitstudium möglich?
- Welche Aufnahmevoraussetzungen gelten?
- Wann beginnt der nächste Bildungsgang?
- Welche Kosten entstehen?
- Kann Aufstiegs-BAföG beantragt werden?
Für die Suche eignen sich außerdem die offiziellen Bildungsportale der jeweiligen Bundesländer und die Weiterbildungsdatenbanken der Bundesagentur für Arbeit.
Wie lange dauert die Weiterbildung zum staatlich geprüften Betriebswirt?
Die Weiterbildung umfasst bei den üblichen Fachschulmodellen einen mehrjährigen Unterrichtszeitraum.
Die genaue Organisation richtet sich nach dem Bundesland und der jeweiligen Fachschule.
Vollzeit
In Vollzeit dauert die Weiterbildung häufig zwei Jahre.
Der Unterricht findet in der Regel an mehreren Tagen pro Woche statt.
Diese Form kann sinnvoll sein, wenn Sie sich vollständig auf die Weiterbildung konzentrieren möchten.
Allerdings muss die Finanzierung des Lebensunterhalts während dieser Zeit berücksichtigt werden.
Teilzeit und berufsbegleitend
Berufsbegleitende Fachschulangebote dauern häufig drei bis vier Jahre.
Die Unterrichtszeiten können auf Abendstunden, bestimmte Wochentage oder andere Teilzeitmodelle verteilt sein.
Eine Teilzeitweiterbildung bietet die Möglichkeit, weiterhin berufstätig zu bleiben.
Dafür ist ein längerer Weiterbildungszeitraum einzuplanen.
Staatlich geprüfter Betriebswirt im Fernstudium?
Wer die Weiterbildung möglichst flexibel absolvieren möchte, sucht häufig nach einem Fernstudium zum staatlich geprüften Betriebswirt.
Hier ist eine genaue Unterscheidung notwendig.
Ein gewöhnlicher Fernlehrgang, der mit einem Betriebswirt-Zertifikat des Anbieters endet, führt nicht automatisch zum staatlich geprüften Betriebswirt.
Für den staatlichen Abschluss muss der Bildungsgang den einschlägigen landesrechtlichen Anforderungen entsprechen und die vorgeschriebene staatliche Prüfung ermöglichen.
Es können entsprechende Fernunterrichts-, Hybrid- oder Distanzunterrichtsmodelle existieren. Entscheidend ist jedoch die tatsächliche Abschlussberechtigung des konkreten Bildungsgangs.
Prüfen Sie deshalb vor einer Anmeldung ausdrücklich, ob der Abschluss „Staatlich geprüfter Betriebswirt“ und gegebenenfalls „Bachelor Professional in Wirtschaft“ erreicht wird.
Welche Inhalte umfasst die Fachschule für Wirtschaft?
Die Weiterbildung vermittelt vertiefte betriebswirtschaftliche Kompetenzen und kombiniert theoretische Kenntnisse mit berufsbezogenen Aufgabenstellungen.
Die konkreten Lernfelder unterscheiden sich nach Bundesland und Schwerpunkt.
Betriebswirtschaftslehre und Unternehmensführung
- Grundlagen der Unternehmensführung
- Betriebswirtschaftliche Zielsetzungen
- Unternehmensplanung
- Organisation und Steuerung betrieblicher Prozesse
- Strategische Unternehmensentscheidungen
- Wirtschaftliche Analyse von Geschäftsmodellen
Rechnungswesen und Controlling
- Finanzbuchhaltung
- Kosten- und Leistungsrechnung
- Bilanzierung und Jahresabschluss
- Controlling
- Betriebswirtschaftliche Kennzahlen
- Budgetplanung und Abweichungsanalysen
Finanzierung und Investition
- Finanzierungsformen
- Liquiditätsplanung
- Investitionsrechnungen
- Kapitalbedarf
- Wirtschaftlichkeitsrechnungen
- Beurteilung finanzieller Risiken
Marketing und Vertrieb
- Marktforschung
- Marketingstrategien
- Produkt- und Preispolitik
- Vertriebskanäle
- Kundenmanagement
- Digitales Marketing
Personalwirtschaft
- Personalbedarf und Personalplanung
- Personalgewinnung
- Personalführung
- Personalentwicklung
- Arbeitsrechtliche Grundlagen
- Betriebliche Kommunikation
Wirtschaftsrecht
- Bürgerliches Recht
- Vertragsrecht
- Handels- und Gesellschaftsrecht
- Arbeitsrecht
- Rechtliche Rahmenbedingungen von Unternehmen
Weitere Lernbereiche
Abhängig von der Fachschule können weitere Lernbereiche hinzukommen, beispielsweise:
- Volkswirtschaftslehre
- Wirtschaftsmathematik
- Statistik
- Wirtschaftsinformatik
- Digitalisierung
- Projektmanagement
- Fremdsprachen
- Kommunikation und Präsentation
Welche Schwerpunkte sind möglich?
Viele Fachschulen für Wirtschaft bieten unterschiedliche Schwerpunkte beziehungsweise Vertiefungen an.
Je nach Schule können beispielsweise folgende Themen gewählt werden:
- Absatzwirtschaft und Marketing
- Finanzwirtschaft und Controlling
- Personalwirtschaft
- Logistik
- Wirtschaftsinformatik
- Unternehmensführung
Nicht jede Fachschule bietet alle genannten Vertiefungen an.
Deshalb sollte der tatsächliche Lehrplan vor einer Anmeldung geprüft werden.
Wie läuft die Prüfung zum staatlich geprüften Betriebswirt ab?
Die Prüfung richtet sich nach der geltenden Fachschul- beziehungsweise Prüfungsverordnung des jeweiligen Bundeslandes.
Eine bundesweit einheitliche IHK-Prüfung zum staatlich geprüften Betriebswirt gibt es nicht.
Die Abschlussprüfung kann je nach Landesrecht aus schriftlichen, mündlichen und gegebenenfalls praktischen beziehungsweise projektbezogenen Prüfungsleistungen bestehen.
Auch die während der Weiterbildung erbrachten Leistungen können für den Abschluss relevant sein.
Schriftliche Prüfungen
Zu den Prüfungsinhalten können betriebswirtschaftliche Fragestellungen aus mehreren Lernbereichen gehören.
Beispielsweise müssen Teilnehmer wirtschaftliche Situationen analysieren, Berechnungen durchführen und geeignete Entscheidungen begründen.
Projektarbeit und Präsentation
In verschiedenen Fachschulbildungsgängen sind projektbezogene Aufgaben vorgesehen.
Die Teilnehmer bearbeiten dabei häufig eine betriebliche Problemstellung, erarbeiten Lösungsansätze und stellen ihre Ergebnisse vor.
Welche Bedeutung eine Projektarbeit für die Abschlussnote hat, richtet sich nach der jeweiligen Prüfungsordnung.
Wie schwer ist die Prüfung?
Die Anforderungen sind anspruchsvoll, insbesondere weil vorhandenes Berufswissen mit betriebswirtschaftlichen und organisatorischen Kenntnissen verbunden werden muss.
Wer sich regelmäßig mit den Unterrichtsinhalten beschäftigt, Übungsaufgaben bearbeitet und die praktische Anwendung trainiert, schafft gute Voraussetzungen für eine erfolgreiche Prüfung.
Eine allgemeingültige bundesweite Bestehensquote oder ein einheitlicher Schwierigkeitsgrad lässt sich nicht seriös angeben.
Was kostet die Weiterbildung zum staatlich geprüften Betriebswirt?
Die Kosten hängen maßgeblich davon ab, ob die Weiterbildung an einer öffentlichen oder privaten Fachschule absolviert wird.
Kosten an öffentlichen Fachschulen
Öffentliche Fachschulen können schulgeldfreie Weiterbildungsgänge anbieten.
Schulgeldfreiheit bedeutet jedoch nicht, dass die gesamte Weiterbildung kostenlos ist.
Es können zusätzliche Ausgaben entstehen für:
- Fachbücher und Lernmaterialien
- Arbeitsmittel und technische Ausstattung
- Fahrtkosten
- Gegebenenfalls Unterkunft
- Individuelle Prüfungskosten, soweit vorgesehen
- Lebenshaltungskosten bei Vollzeitunterricht
Kosten an privaten Fachschulen
Private Fachschulen können Lehrgangs- beziehungsweise Schulgebühren erheben.
Die Höhe unterscheidet sich nach Bildungseinrichtung, Unterrichtsform und Vertragslaufzeit.
Vor der Anmeldung sollten insbesondere der Gesamtpreis, zusätzliche Gebühren und die vertraglichen Kündigungsbedingungen geprüft werden.
Empfehlung: Vergleichen Sie nicht nur die monatlichen Kosten, sondern sämtliche Ausgaben über die gesamte Weiterbildungsdauer.
Aufstiegs-BAföG für staatlich geprüfte Betriebswirte
Der staatlich geprüfte Betriebswirt gehört zu den beruflichen Aufstiegsqualifikationen, für die unter den gesetzlichen Voraussetzungen eine Förderung nach dem Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetz infrage kommen kann.
Die Förderung ist abhängig von den persönlichen Voraussetzungen und der konkreten Weiterbildungsmaßnahme.
Förderung der Lehrgangs- und Prüfungsgebühren
Für förderfähige Lehrgangs- und Prüfungsgebühren ist grundsätzlich ein Zuschuss von 50 Prozent vorgesehen.
Für die verbleibenden förderfähigen Kosten kann ein Darlehen beantragt werden.
Bei bestandener Prüfung ist unter den gesetzlichen Voraussetzungen ein teilweiser Erlass des noch bestehenden Darlehens möglich.
Förderung des Lebensunterhalts
Bei einer förderfähigen Vollzeitweiterbildung können zusätzlich Leistungen zum Lebensunterhalt infrage kommen.
Die Höhe richtet sich nach den gesetzlichen Bestimmungen und den individuellen Verhältnissen.
Gerade bei einer zweijährigen Vollzeitweiterbildung sollte die Finanzierung des Lebensunterhalts frühzeitig geplant werden.
Ausführliche Informationen finden Sie auf der offiziellen Webseite Aufstiegs-BAföG.
Weitere Finanzierungsmöglichkeiten
Zusätzlich können je nach persönlicher Situation weitere Möglichkeiten bestehen:
- Unterstützung durch den Arbeitgeber
- Regionale Weiterbildungsprogramme
- Steuerliche Berücksichtigung beruflich veranlasster Weiterbildungskosten
- Stipendien oder andere individuelle Förderprogramme
Gehalt: Was verdient ein staatlich geprüfter Betriebswirt?
Das Gehalt hängt vor allem von der konkreten beruflichen Tätigkeit ab.
Der Abschluss allein bestimmt nicht, wie viel ein Absolvent verdient.
Wichtige Einflussfaktoren sind:
- Berufserfahrung
- Branche
- Unternehmensgröße
- Tarifbindung
- Region
- Fachliche Spezialisierung
- Personal- und Budgetverantwortung
Ein staatlich geprüfter Betriebswirt im Controlling kann beispielsweise ein anderes Gehalt erzielen als ein Beschäftigter im Einkauf, im Personalmanagement oder in der kaufmännischen Leitung.
Eine Weiterbildung kann die Chancen auf anspruchsvollere Tätigkeiten verbessern, führt aber nicht automatisch zu einer höheren tariflichen Eingruppierung.
Für eine realistische Gehaltseinschätzung empfiehlt es sich, die Entgeltdaten zur gewünschten Zielposition heranzuziehen.
Eine geeignete Informationsquelle ist der Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit.
Welche Karrierechancen bietet der Abschluss?
Die Weiterbildung vermittelt betriebswirtschaftliche Kenntnisse, die in vielen Unternehmensbereichen benötigt werden.
Mögliche Tätigkeitsfelder sind:
- Controlling und Finanzmanagement
- Unternehmensorganisation
- Rechnungswesen
- Personalmanagement
- Marketing und Vertrieb
- Einkauf und Logistik
- Projektmanagement
- Prozessmanagement
- Kaufmännische Betriebsleitung
Mit entsprechender Berufserfahrung und zusätzlichen persönlichen Kompetenzen sind auch Führungsaufgaben möglich.
Der staatlich geprüfte Betriebswirt kann außerdem eine Grundlage für weitere berufliche oder akademische Bildungswege darstellen.
Kann man nach dem staatlich geprüften Betriebswirt studieren?
Ein abgeschlossener beruflicher Fortbildungsweg kann unter den geltenden hochschulrechtlichen Vorschriften den Zugang zu einem Hochschulstudium eröffnen.
Die genauen Voraussetzungen unterscheiden sich jedoch zwischen den Bundesländern und Hochschulen.
Teilweise können außerdem bestimmte bereits erworbene Kompetenzen auf ein Hochschulstudium angerechnet werden.
Ein Anspruch auf eine pauschale Anerkennung bestimmter Semester besteht nicht.
Wer anschließend einen Bachelorabschluss erwerben möchte, sollte sich daher bei der gewünschten Hochschule zu Hochschulzugang und Anrechnungsmöglichkeiten beraten lassen.
Staatlich geprüfter Betriebswirt oder Geprüfter Betriebswirt IHK?
Beide Weiterbildungen vermitteln betriebswirtschaftliche Kompetenzen, unterscheiden sich aber erheblich hinsichtlich der Zugangsvoraussetzungen, Prüfungen und Qualifikationsniveaus.
Staatlich geprüfter Betriebswirt
- Landesrechtlich geregelter Fachschulabschluss
- DQR-Niveau 6
- Weiterbildung an einer Fachschule für Wirtschaft
- Häufig Zugang nach Berufsausbildung und Berufserfahrung
- Staatliche Fachschulprüfung
Geprüfter Betriebswirt IHK
- Bundesrechtlich geregelter Fortbildungsabschluss nach BBiG
- Zusatzbezeichnung Master Professional in Business Management
- DQR-Niveau 7
- In der Regel höhere berufliche Vorqualifikation erforderlich
- Prüfung bei der zuständigen Industrie- und Handelskammer
Der Geprüfte Betriebswirt IHK baut typischerweise auf einer weiterführenden beruflichen Fortbildung auf, beispielsweise einem geeigneten Fachwirt- oder Fachkaufmann-Abschluss.
Der staatlich geprüfte Betriebswirt kann dagegen häufig unmittelbar nach einer geeigneten Berufsausbildung und einschlägiger Berufstätigkeit begonnen werden.
Weitere Einzelheiten finden Sie in unserem Ratgeber zum Geprüften Betriebswirt nach BBiG sowie im Beitrag Betriebswirt: Abschlüsse und Weiterbildungsmöglichkeiten.
Staatlich geprüfter Betriebswirt oder Betriebswirt VWA?
Auch der Betriebswirt VWA ist vom staatlich geprüften Betriebswirt zu unterscheiden.
Der Betriebswirt VWA wird an einer Verwaltungs- und Wirtschafts-Akademie nach deren jeweiligen Studien- und Prüfungsregelungen erworben.
Es handelt sich grundsätzlich um eine nicht-formale berufliche Qualifikation und nicht um denselben landesrechtlich geregelten Fachschulabschluss.
Qualitätsgesicherte VWA-Studiengänge können nach den Vorgaben des VWA-Bundesverbandes dem DQR-Niveau 6 zugeordnet sein.
Diese Einstufung führt jedoch nicht dazu, dass der VWA-Abschluss rechtlich mit dem staatlich geprüften Betriebswirt identisch ist.
Mehr dazu erfahren Sie im Beitrag Betriebswirt VWA: Voraussetzungen, Kosten und Anerkennung.
Staatlich geprüfter Betriebswirt oder Bachelorstudium?
Ein Bachelorstudium an einer Hochschule und die Weiterbildung an einer Fachschule verfolgen unterschiedliche Bildungsziele.
Das Hochschulstudium vermittelt wissenschaftlich ausgerichtete Kenntnisse und endet mit einem akademischen Abschluss.
Die Fachschulweiterbildung ist dagegen stärker auf die berufliche Handlungskompetenz und die praktische Anwendung betriebswirtschaftlicher Methoden ausgerichtet.
Beide Abschlüsse können auf DQR-Niveau 6 eingeordnet sein.
Das bedeutet jedoch nicht, dass sie dieselben rechtlichen Berechtigungen vermitteln.
Welcher Weg besser geeignet ist, hängt insbesondere von der bisherigen Berufsausbildung und den persönlichen Karrierezielen ab.
Häufige Fragen zum staatlich geprüften Betriebswirt
Ist der staatlich geprüfte Betriebswirt noch aktuell?
Ja. Der Abschluss wird weiterhin an Fachschulen für Wirtschaft beziehungsweise entsprechenden landesrechtlich geregelten Bildungseinrichtungen angeboten.
Ist der staatlich geprüfte Betriebswirt ein staatlicher Abschluss?
Ja. Es handelt sich um einen landesrechtlich geregelten beruflichen Weiterbildungsabschluss, der durch eine staatliche Fachschulprüfung erworben wird.
Welches DQR-Niveau hat der staatlich geprüfte Betriebswirt?
Der Abschluss ist dem DQR-Niveau 6 zugeordnet.
Ist der staatlich geprüfte Betriebswirt ein Bachelor?
Nein. Die zusätzliche Abschlussbezeichnung Bachelor Professional in Wirtschaft kann nach Landesrecht vorgesehen sein, ist jedoch kein akademischer Bachelorgrad.
Kann ich die Weiterbildung ohne Abitur beginnen?
Ja. Ein Abitur ist normalerweise nicht erforderlich. Meist werden eine geeignete Berufsausbildung und einschlägige Berufspraxis vorausgesetzt.
Kann ich staatlich geprüfter Betriebswirt ohne Ausbildung werden?
Der reguläre Zugang setzt häufig eine abgeschlossene einschlägige Ausbildung voraus. Je nach Bundesland können andere berufliche Vorqualifikationen oder längere Berufserfahrung anerkannt werden.
Wie lange dauert die Weiterbildung?
Häufig zwei Jahre in Vollzeit oder drei bis vier Jahre in Teilzeit. Maßgeblich ist das jeweilige Fachschulangebot.
Kann ich die Weiterbildung berufsbegleitend machen?
Ja. Verschiedene Fachschulen bieten Teilzeitmodelle an, die mit einer Berufstätigkeit kombiniert werden können.
Kann ich den staatlich geprüften Betriebswirt online absolvieren?
Einzelne Fachschulen können Distanz- oder Hybridunterricht einsetzen. Entscheidend ist, ob der konkrete Bildungsgang tatsächlich zum landesrechtlich geregelten staatlichen Abschluss führt.
Was kostet die Weiterbildung?
Öffentliche Fachschulen können schulgeldfreie Weiterbildungen anbieten. Zusätzliche Ausgaben für Materialien, Fahrten und Lebenshaltung können dennoch entstehen. Private Fachschulen erheben gegebenenfalls Studiengebühren.
Gibt es Aufstiegs-BAföG?
Geeignete Fachschulweiterbildungen können bei Erfüllung der gesetzlichen Voraussetzungen durch Aufstiegs-BAföG gefördert werden.
Ist der Abschluss mit dem Betriebswirt IHK gleichwertig?
Die Abschlüsse sind unterschiedlich geregelt und liegen auf verschiedenen DQR-Niveaus. Der staatlich geprüfte Betriebswirt ist DQR 6 zugeordnet, der Geprüfte Betriebswirt nach BBiG DQR 7.
Kann ich mit dem Abschluss eine Führungsposition übernehmen?
Die Weiterbildung kann auf entsprechende Tätigkeiten vorbereiten. Ob eine Führungsposition erreicht wird, hängt zusätzlich von Berufserfahrung, individuellen Kompetenzen und den Stellenanforderungen ab.
Kann ich danach ein Hochschulstudium aufnehmen?
Unter den jeweiligen hochschulrechtlichen Voraussetzungen kann ein weiterführendes Hochschulstudium möglich sein. Zulassung und Anrechnung werden von der jeweiligen Hochschule geprüft.
Fazit: Für wen lohnt sich der staatlich geprüfte Betriebswirt?
Der staatlich geprüfte Betriebswirt ist eine interessante Aufstiegsweiterbildung für Menschen, die nach einer kaufmännischen Ausbildung und entsprechender Berufserfahrung ihre betriebswirtschaftlichen Kenntnisse erweitern möchten.
Der staatlich geregelte Fachschulabschluss auf DQR-Niveau 6 kann berufliche Entwicklungsmöglichkeiten in verschiedenen kaufmännischen Fach- und Führungsbereichen eröffnen.
Besonders interessant sind die berufsbegleitenden Unterrichtsmodelle sowie die Möglichkeit, an öffentlichen Fachschulen gegebenenfalls ohne Schulgeld zu lernen.
Vor einer Anmeldung sollten Sie vor allem drei Punkte prüfen: Welche Aufnahmevoraussetzungen gelten in Ihrem Bundesland? Führt der gewählte Bildungsgang tatsächlich zum staatlichen Abschluss? Und wie lassen sich Unterricht, Beruf und Finanzierung miteinander vereinbaren?
Wer diese Fragen frühzeitig klärt, kann den passenden Weiterbildungsweg auswählen.
Weitere Informationen zu anderen betriebswirtschaftlichen Abschlüssen finden Sie in unserem zentralen Betriebswirt-Ratgeber.
Quellen und weiterführende Informationen
- Kultusministerkonferenz – Berufliche Schulen und Fachschulen
- Deutscher Qualifikationsrahmen
- Land Schleswig-Holstein – Schulrecht und Fachschulregelungen
- Bundesagentur für Arbeit – BERUFENET
- Aufstiegs-BAföG – Offizielle Informationen
- Berufskolleg an der Lindenstraße Köln
- Berufsbildende Schule Wissen
Stand: Oktober 2026. Aufnahmevoraussetzungen, Abschlussbezeichnungen, Unterrichtsformen und Prüfungsregelungen können sich zwischen den Bundesländern unterscheiden. Maßgeblich sind die jeweils geltenden Landesvorschriften und die aktuellen Angaben der Fachschule.
