Meisterbrief und Bachelor Professional: Gleichwertigkeit, DQR und Anerkennung erklärt

Ist der Meisterbrief einem Bachelorabschluss gleichwertig? Ja – hinsichtlich des Qualifikationsniveaus. Handwerksmeister und akademische Bachelorabschlüsse sind beide dem Niveau 6 des Deutschen Qualifikationsrahmens (DQR) zugeordnet. Trotzdem handelt es sich um unterschiedliche Abschlüsse mit jeweils eigenen Inhalten und beruflichen Berechtigungen.

Seit dem 1. Januar 2020 dürfen Handwerksmeisterinnen und Handwerksmeister zusätzlich die Bezeichnung Bachelor Professional im jeweiligen Handwerk führen. Damit soll die Bedeutung der beruflichen Aufstiegsfortbildung deutlicher sichtbar werden – auch im Vergleich zu akademischen Bildungswegen.

Wer bereits vor 2020 seine Meisterprüfung bestanden hat, ist von dieser Möglichkeit nicht ausgeschlossen. Auch ältere Meisterabschlüsse berechtigen zur entsprechenden Zusatzbezeichnung.

Doch was bedeutet der Bachelor Professional tatsächlich? Ist er ein akademischer Titel? Kann man damit studieren, einen Masterabschluss erwerben oder ein höheres Gehalt verlangen? Dieser Ratgeber erklärt die Rechtsgrundlagen, das DQR-Niveau 6, die korrekte Führung der Abschlussbezeichnung und die Unterschiede zum Hochschulabschluss.

Das Wichtigste vorweg: Der Meisterbrief ist dem akademischen Bachelor im Qualifikationsniveau gleichwertig, aber nicht gleichartig. Der Bachelor Professional ist eine gesetzlich geregelte berufliche Abschlussbezeichnung und kein akademischer Bachelorgrad.

Meisterbrief und Bachelor Professional: Das Wichtigste im Überblick

Beruflicher Abschluss Handwerksmeister / Handwerksmeisterin
Zusatzbezeichnung Bachelor Professional mit Angabe des Handwerks
Gesetzliche Grundlage § 51 Abs. 2 beziehungsweise § 51f HwO
Einführung 1. Januar 2020
DQR-Niveau 6 von 8
Vergleich zum Hochschul-Bachelor Gleichwertiges Anforderungsniveau, kein identischer Abschluss
Akademischer Grad? Nein
Auch für ältere Meisterabschlüsse? Ja
Hochschulzugang Grundsätzlich allgemeiner Hochschulzugang nach den geltenden Landesregelungen
Automatische Gehaltsgleichstellung? Nein
Automatischer Masterzugang? Nein

Der Bachelor Professional im Handwerk ist kein zusätzlicher Hochschulabschluss. Es handelt sich um eine weitere gesetzlich zulässige Bezeichnung für eine bereits durch die Meisterprüfung erworbene berufliche Qualifikation.

Was bedeutet Bachelor Professional im Handwerk?

Die Bezeichnung Bachelor Professional soll die hohe Qualifikation von Absolventinnen und Absolventen beruflicher Fortbildungen deutlicher sichtbar machen.

Traditionell steht der Meisterbrief für handwerkliche Fachkompetenz, die Fähigkeit zur Betriebsführung und die Qualifikation zur Ausbildung von Nachwuchskräften.

Mit dem Bachelor Professional wird zusätzlich das anspruchsvolle Niveau dieser beruflichen Fortbildung hervorgehoben.

Ersetzt der Bachelor Professional den Meistertitel?

Nein. Der traditionelle Meistertitel bleibt bestehen.

Handwerksmeister können weiterhin ihre bisherige Meisterbezeichnung führen.

Die Bezeichnung Bachelor Professional darf ergänzend verwendet werden. Es besteht grundsätzlich keine Verpflichtung, sie im Berufsalltag zu benutzen.

Warum wurde die Bezeichnung eingeführt?

Mit dem Berufsbildungsmodernisierungsgesetz wurden zum 1. Januar 2020 neue Abschlussbezeichnungen in der höheren beruflichen Bildung eingeführt beziehungsweise ermöglicht.

Sie sollen die Bedeutung beruflicher Fortbildungsqualifikationen verdeutlichen und ihre Vergleichbarkeit mit akademischen Bildungswegen besser sichtbar machen.

Der Meisterbrief selbst wurde dadurch nicht durch einen Hochschulabschluss ersetzt.

Welche gesetzliche Grundlage hat der Bachelor Professional?

Für Handwerksmeister ist insbesondere die Handwerksordnung maßgeblich.

§ 51 Absatz 2 Handwerksordnung

Nach § 51 Absatz 2 HwO dürfen Personen, die berechtigt sind, eine Meisterbezeichnung in einem zulassungspflichtigen Handwerk zu führen, zusätzlich die Bezeichnung Bachelor Professional unter Angabe des betreffenden Handwerks führen.

Voraussetzung ist die entsprechende Berechtigung zur Führung der Meisterbezeichnung.

§ 51f Handwerksordnung

Für Meisterprüfungen in zulassungsfreien Handwerken und handwerksähnlichen Gewerben ist § 51f HwO relevant.

Diese Vorschrift verweist auf die entsprechende Anwendung des § 51 Absatz 2 HwO.

Wer darf die Bezeichnung führen?

Im Handwerk sind das Personen, die nach den gesetzlichen Bestimmungen zur Führung der jeweiligen Meisterbezeichnung berechtigt sind.

Ein lediglich besuchter Meistervorbereitungslehrgang, ein abgeschlossenes Studium oder die Eintragung in die Handwerksrolle aufgrund einer anderen Qualifikation reichen dafür nicht automatisch aus.

Auch eine Ausübungsberechtigung oder Ausnahmebewilligung für einen Handwerksbetrieb ersetzt nicht die bestandene Meisterprüfung.

Was bedeutet DQR-Niveau 6 beim Meisterbrief?

Der Deutsche Qualifikationsrahmen (DQR) dient dazu, unterschiedliche berufliche und akademische Qualifikationen anhand ihres Kompetenz- und Anforderungsniveaus vergleichbar zu machen.

Er umfasst insgesamt acht Niveaus.

Die Meisterqualifikation im Handwerk ist dem DQR-Niveau 6 zugeordnet.

Welche Kompetenzen beschreibt Niveau 6?

Das sechste Niveau beschreibt anspruchsvolle Kompetenzen zur Planung, Bearbeitung und Bewertung umfassender fachlicher Aufgaben sowie zur eigenverantwortlichen Steuerung von Prozessen.

Damit verbunden sind unter anderem:

  • Vertiefte fachliche Kenntnisse
  • Selbstständige Lösung komplexer Probleme
  • Planung und Steuerung anspruchsvoller Arbeitsprozesse
  • Verantwortung für fachliche Ergebnisse
  • Bewertung unterschiedlicher Lösungswege
  • Verantwortung in beruflichen Arbeitszusammenhängen

Welche Abschlüsse liegen ebenfalls auf DQR-Niveau 6?

Zu den auf diesem Niveau eingeordneten Qualifikationsarten gehören beispielsweise:

  • Handwerksmeister
  • Staatlich geprüfte Techniker
  • Geprüfte Fachwirte, soweit entsprechend zugeordnet
  • Akademische Bachelorabschlüsse

Die unterschiedlichen Qualifikationen sind hinsichtlich ihres Anforderungsniveaus gleichwertig.

Ihre Inhalte und die rechtlichen Berechtigungen unterscheiden sich aber teilweise erheblich.

Was bedeutet der Europäische Qualifikationsrahmen?

Ergänzend zum DQR gibt es den Europäischen Qualifikationsrahmen (EQR).

Er unterstützt die länderübergreifende Verständlichkeit und Vergleichbarkeit beruflicher Qualifikationen.

Die Zuordnung zu DQR beziehungsweise EQR kann deshalb auch bei der Darstellung von Qualifikationen gegenüber ausländischen Arbeitgebern hilfreich sein.

Sie ersetzt jedoch kein förmliches Anerkennungsverfahren, wenn der Beruf oder die Tätigkeit im jeweiligen Land reglementiert ist.

Weitere Informationen bietet die offizielle Website des Deutschen Qualifikationsrahmens.

Meisterbrief und akademischer Bachelor: Wo liegen die Unterschiede?

Beide Qualifikationen liegen auf demselben DQR-Niveau. Trotzdem bestehen grundlegende Unterschiede.

Kriterium Meister / Bachelor Professional Akademischer Bachelor
Bildungsbereich Berufliche Fortbildung Hochschulbildung
DQR-Niveau 6 6
Erwerb Bestehen der Handwerksmeisterprüfung Erfolgreicher Abschluss eines Hochschulstudiums
Schwerpunkt Berufliche Fachkompetenz, Betriebsführung, Ausbildung Wissenschaftliche und anwendungsorientierte Kompetenzen des Studienfachs
Abschlussart Berufliche Fortbildungsqualifikation Akademischer Grad
Automatische Umwandlung Nein Nein
Berufliche Berechtigungen Je nach Handwerk und gesetzlichen Regelungen Je nach Studienabschluss und Berufsrecht
Masterzugang Nur bei besonderen hochschulrechtlichen Möglichkeiten Grundsätzlich typischer Zugangsweg, aber weitere Voraussetzungen möglich

Gleichwertig bedeutet nicht gleichartig. Die Zuordnung zu DQR-Niveau 6 belegt ein vergleichbares Anspruchsniveau, nicht dieselben Inhalte oder Rechte.

Wie darf man den Bachelor Professional richtig führen?

Die Handwerksordnung sieht die zusätzliche Bezeichnung unter Angabe des jeweiligen Handwerks vor.

Die genaue Formulierung sollte sich am Meisterprüfungszeugnis oder an einer von der zuständigen Handwerkskammer ausgestellten Bescheinigung orientieren.

Beispiele

Bei einem Elektrotechnikermeister kann die Zusatzbezeichnung beispielsweise lauten:

Bachelor Professional im Elektrotechniker-Handwerk

Bei einem Tischlermeister kann entsprechend die Bezeichnung Bachelor Professional im Tischler-Handwerk geführt werden.

Für andere Handwerke wird die jeweilige Handwerksbezeichnung verwendet.

Muss die englische Bezeichnung verwendet werden?

Nein. Es besteht keine allgemeine Pflicht, die zusätzliche Bezeichnung im Geschäftsverkehr zu nutzen.

Die traditionelle Meisterbezeichnung bleibt weiterhin zulässig.

Darf man einfach nur Bachelor schreiben?

Nein. Bachelor Professional und akademischer Bachelor sind unterschiedliche Qualifikationsbezeichnungen.

Die Formulierung Bachelor Professional sollte deshalb nicht auf Bachelor oder akademische Abschlussabkürzungen wie B.A., B.Sc. oder B.Eng. verkürzt werden.

Eine solche Darstellung könnte fälschlich den Eindruck erwecken, es liege ein Hochschulabschluss vor.

Kann man beide Bezeichnungen angeben?

Ja. Gerade bei Bewerbungen oder geschäftlichen Kontakten kann es sinnvoll sein, die traditionelle Meisterbezeichnung und die gesetzlich zulässige Zusatzbezeichnung gemeinsam aufzuführen.

Beispielsweise:

Elektrotechnikermeister
Bachelor Professional im Elektrotechniker-Handwerk

Dadurch bleibt auch für Personen, die mit dem Bachelor Professional noch nicht vertraut sind, der erworbene Meisterabschluss eindeutig erkennbar.

Gilt der Bachelor Professional auch für Meisterabschlüsse vor 2020?

Ja. Auch Handwerksmeister, die ihre Meisterprüfung vor dem 1. Januar 2020 bestanden haben, dürfen die entsprechende Zusatzbezeichnung führen.

Die gesetzliche Berechtigung ist nicht auf Absolventinnen und Absolventen neuerer Meisterprüfungen beschränkt.

Muss die Meisterprüfung wiederholt werden?

Nein. Es ist keine erneute Meisterprüfung erforderlich.

Der bereits erworbene Meisterabschluss bleibt bestehen.

Braucht man einen neuen Meisterbrief?

Für die gesetzliche Berechtigung zur Führung der Zusatzbezeichnung ist grundsätzlich kein neuer Meisterbrief erforderlich.

Wer die Bezeichnung zusätzlich schriftlich dokumentieren möchte, kann sich an die Handwerkskammer wenden, bei der die Meisterprüfung abgelegt wurde.

Kann man eine nachträgliche Bescheinigung erhalten?

Ja. Verschiedene Handwerkskammern stellen auf Antrag eine ergänzende Bescheinigung oder eine Zweitschrift des Meisterprüfungszeugnisses mit dem Zusatz Bachelor Professional aus.

Verfahren, Dokumentenart und Gebühren unterscheiden sich je nach Kammer.

Bachelor Professional nachträglich bescheinigen lassen

Wer bereits vor 2020 Meister geworden ist und die neue Bezeichnung auch auf einem offiziellen Dokument nachweisen möchte, sollte die frühere Prüfungs-Handwerkskammer kontaktieren.

Schritt 1: Prüfungszeugnis bereithalten

Benötigt werden in der Regel Angaben zur bestandenen Meisterprüfung, zum Handwerk und zum damaligen Prüfungsdatum.

Schritt 2: Zuständige Handwerkskammer kontaktieren

Erkundigen Sie sich nach einer Bescheinigung oder einer Zweitschrift des Meisterprüfungszeugnisses mit der Bachelor-Professional-Bezeichnung.

Schritt 3: Gebühren und Dokumentenart prüfen

Die Handwerkskammern unterscheiden zwischen Meisterprüfungszeugnis, zusätzlichen Bescheinigungen und dekorativen Schmuckmeisterbriefen.

Die neue Zusatzbezeichnung wird deshalb nicht zwangsläufig auf einem neu ausgestellten Schmuckmeisterbrief eingetragen.

Beispiel: Handwerkskammer Dresden

Die Handwerkskammer Dresden bietet ein Antragsformular für eine entsprechende Bescheinigung an.

In dem veröffentlichten Formular wird eine Gebühr von 30 Euro genannt.

Die Kammer weist außerdem darauf hin, dass die Bearbeitung bei älteren Prüfungen zusätzlichen Rechercheaufwand verursachen kann.

Weitere Informationen finden Sie bei der Handwerkskammer Dresden.

Beispiel: Handwerkskammer Düsseldorf

Auch die Handwerkskammer Düsseldorf informiert darüber, dass Meisterabsolventen vor dem 1. Januar 2020 auf Wunsch eine entsprechende Zweitschrift des Meisterprüfungszeugnisses erhalten können.

Weitere Informationen: Handwerkskammer Düsseldorf – Meisterprüfung und Bachelor Professional.

Die genannten Verfahren sind Beispiele. Maßgeblich sind die aktuell geltenden Regelungen der jeweiligen Handwerkskammer.

Wie wird der Meisterbrief in Deutschland und im Ausland anerkannt?

Anerkennung in Deutschland

Die Handwerksmeisterprüfung ist eine gesetzlich geregelte berufliche Fortbildungsqualifikation.

Der Meisterbrief besitzt insbesondere im Handwerk eine hohe berufliche Bedeutung. Je nach Handwerk ist er beispielsweise ein üblicher Qualifikationsnachweis für die Eintragung in die Handwerksrolle.

Die Zuordnung zum DQR-Niveau 6 macht die anspruchsvolle Qualifikation zusätzlich sichtbar.

Anerkennung innerhalb Europas

Der Europäische Qualifikationsrahmen unterstützt die Vergleichbarkeit von Qualifikationsniveaus zwischen verschiedenen europäischen Bildungssystemen.

Die Bezeichnung Bachelor Professional kann ergänzend bei der internationalen Darstellung des Abschlusses verwendet werden.

Eine automatische berufliche Anerkennung oder Zulassung zu jedem reglementierten Beruf in einem anderen Staat ergibt sich daraus jedoch nicht.

Was gilt bei einer Tätigkeit im Ausland?

Wer im Ausland arbeiten oder einen Handwerksbetrieb führen möchte, sollte prüfen:

  • Ob der gewünschte Beruf dort reglementiert ist
  • Welche Behörde zuständig ist
  • Ob eine formelle Anerkennung erforderlich ist
  • Welche Unterlagen vorgelegt werden müssen
  • Welche sprachlichen Anforderungen gelten

Meisterbrief, Prüfungszeugnis und gegebenenfalls zusätzliche Unterlagen können dabei wichtige Nachweise sein.

Kann man mit Meisterbrief und Bachelor Professional studieren?

Ja. Der Handwerksmeisterabschluss eröffnet nach den in Deutschland geltenden hochschulrechtlichen Regelungen grundsätzlich einen allgemeinen Hochschulzugang.

Die Grundlage bildet insbesondere der Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 6. März 2009 zum Hochschulzugang beruflich qualifizierter Bewerber.

Kann man ohne Abitur studieren?

Mit bestandener Handwerksmeisterprüfung ist der Zugang zu einem Hochschulstudium grundsätzlich auch ohne klassisches Abitur möglich.

Der Meisterbrief ist dabei selbst die relevante berufliche Hochschulzugangsqualifikation.

Die zusätzliche Bezeichnung Bachelor Professional ist dafür nicht erforderlich.

Kann man jedes Fach studieren?

Die Meisterqualifikation eröffnet grundsätzlich eine allgemeine und keine lediglich fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung.

Unabhängig davon müssen die jeweils geltenden Zulassungsbedingungen des Studiengangs erfüllt werden.

Dazu können beispielsweise Zulassungsbeschränkungen, Eignungsprüfungen oder zusätzliche fachliche beziehungsweise sprachliche Anforderungen gehören.

Werden Meisterqualifikationen auf das Studium angerechnet?

Beruflich erworbene Kenntnisse und Kompetenzen können unter den hochschulrechtlichen Voraussetzungen auf ein Studium angerechnet werden.

Die Anrechnung muss jedoch durch die zuständige Hochschule nach den geltenden Regelungen geprüft werden.

Ein automatischer Anspruch auf eine bestimmte Anzahl von Studienleistungspunkten ergibt sich nicht allein aus dem DQR-Niveau 6.

Weitere Informationen bietet die Kultusministerkonferenz zum Hochschulzugang beruflich Qualifizierter.

Kann man mit dem Bachelor Professional direkt einen Master machen?

Ein automatischer Zugang zu einem Masterstudiengang ergibt sich aus dem Bachelor Professional nicht.

Für die Aufnahme eines regulären Masterstudiums wird im Allgemeinen ein erster berufsqualifizierender Hochschulabschluss verlangt.

Die Zuordnung der Meisterqualifikation zu DQR-Niveau 6 ersetzt diese Zulassungsvoraussetzung nicht.

Gibt es Ausnahmen?

Unter bestimmten hochschulrechtlichen Regelungen können für besondere weiterbildende Studiengänge alternative Zugangswege bestehen.

Einige Regelungen ermöglichen beispielsweise einen Zugang über berufliche Qualifikationen, einschlägige Praxis und eine besondere Eignungs- oder Eingangsprüfung.

Diese Möglichkeiten hängen vom Bundesland, der Hochschule und dem Studiengang ab.

Warum bedeutet DQR-Niveau 6 keinen automatischen Masterzugang?

Der DQR beschreibt Qualifikationsniveaus, aber regelt selbst keine Studienzulassung.

Der Zugang zu Hochschulstudiengängen richtet sich nach dem jeweils geltenden Hochschulrecht.

Dass Meister und Bachelor dasselbe DQR-Niveau besitzen, bedeutet daher nicht, dass sämtliche hochschulrechtlichen Voraussetzungen identisch sind.

Verdient ein Bachelor Professional so viel wie ein akademischer Bachelor?

Die gemeinsame Einstufung auf DQR-Niveau 6 begründet keinen automatischen Anspruch auf dieselbe Vergütung.

Das gilt sowohl für Arbeitsverträge in der Privatwirtschaft als auch für tarifliche Eingruppierungen.

Welche Faktoren bestimmen das Gehalt?

  • Ausgeübte Tätigkeit
  • Fachliche Anforderungen der Stelle
  • Personal- und Budgetverantwortung
  • Branche
  • Berufserfahrung
  • Betriebsgröße
  • Region
  • Geltende Tarifverträge

Führt die neue Bezeichnung automatisch zu einer höheren Entgeltgruppe?

Nein. Die Einführung der Bachelor-Professional-Bezeichnung hat keine allgemeine tarifrechtliche Gleichstellung mit akademischen Bachelorabschlüssen bewirkt.

Entscheidend sind die jeweils geltenden Eingruppierungsregeln und die Anforderungen der tatsächlich ausgeübten Tätigkeit.

Kann die Bezeichnung trotzdem bei einer Bewerbung helfen?

Die ergänzende Abschlussbezeichnung kann die Bedeutung des Meisterabschlusses verdeutlichen, insbesondere wenn Ansprechpartner mit dem traditionellen deutschen Handwerksmeistersystem weniger vertraut sind.

Sie ersetzt aber nicht die Darstellung konkreter Fachkenntnisse, Berufserfahrung und Verantwortungsbereiche.

Weitere Informationen finden Sie in unserem Ratgeber Handwerksmeister Gehalt: Berufe und Verdienst im Vergleich.

Welche Bedeutung hat der Meisterbrief für die Selbstständigkeit?

Der Meisterbrief ist im Handwerk mehr als ein Qualifikationsnachweis für eine Bewerbung.

In zulassungspflichtigen Handwerken ist er ein üblicher Weg zur Eintragung in die Handwerksrolle.

Die gesetzlichen Voraussetzungen ergeben sich insbesondere aus der Handwerksordnung.

Eröffnet der Bachelor Professional neue handwerksrechtliche Befugnisse?

Die Zusatzbezeichnung schafft keine eigenständigen zusätzlichen Handwerksrolleneintragungsrechte.

Die entsprechenden Berechtigungen folgen aus dem Meisterabschluss und den handwerksrechtlichen Vorschriften.

Kann man auch ohne Meisterbrief selbstständig werden?

In verschiedenen Konstellationen ja.

Die Handwerksordnung kennt neben der Meisterprüfung weitere Möglichkeiten, beispielsweise bestimmte Ausübungsberechtigungen, Ausnahmebewilligungen und die Eintragung aufgrund anderer geeigneter Qualifikationen.

Diese Wege berechtigen jedoch nicht automatisch zur Führung der geschützten Meisterbezeichnung oder des darauf beruhenden Bachelor Professional.

Wie gibt man Meisterbrief und Bachelor Professional im Lebenslauf an?

Für Bewerbungen sollte die Qualifikation so dargestellt werden, dass der tatsächlich erworbene Abschluss eindeutig erkennbar bleibt.

Beispiel für den Abschnitt Weiterbildungen

Berufliche Aufstiegsfortbildung

Elektrotechnikermeister
Bachelor Professional im Elektrotechniker-Handwerk
Handwerkskammer, Abschlussjahr: 2026
DQR-/EQR-Niveau: 6

Diese Darstellung nennt sowohl die traditionelle Meisterqualifikation als auch die ergänzende gesetzliche Bezeichnung.

Wo gehört die Qualifikation im Lebenslauf hin?

Je nach Aufbau kann die Meisterprüfung unter Berufliche Weiterbildung, Fortbildungen oder Qualifikationen aufgeführt werden.

Bei umfangreicher Berufserfahrung können die konkreten beruflichen Stationen weiterhin den Schwerpunkt des Lebenslaufs bilden.

Sollte man Bachelor Professional als akademisches Studium angeben?

Nein. Die Meisterprüfung ist keine Hochschulausbildung.

Deshalb sollte der Abschluss im Lebenslauf nicht als akademischer Bachelor dargestellt werden.

Auch in Bewerbungsportalen sollte die tatsächlich erworbene Abschlussart angegeben werden.

Welche Schreibweise ist empfehlenswert?

Verwenden Sie die konkrete Handwerksbezeichnung entsprechend dem eigenen Meisterprüfungszeugnis oder der zuständigen Handwerkskammer.

Dadurch vermeiden Sie Verwechslungen mit akademischen Abschlüssen und machen die berufliche Qualifikation transparent.

Meister, Techniker und Fachwirt: Was bedeutet DQR-Niveau 6?

Der Meisterabschluss ist nicht die einzige berufliche Fortbildungsqualifikation auf DQR-Niveau 6.

Handwerksmeister

Der Handwerksmeister verbindet anspruchsvolle Fachpraxis mit fachtheoretischen, betriebswirtschaftlichen und ausbildungspädagogischen Anforderungen.

Staatlich geprüfter Techniker

Der staatlich geprüfte Techniker gehört ebenfalls zum DQR-Niveau 6.

Die Fachschulweiterbildung konzentriert sich je nach Fachrichtung stärker auf technische Planung, Konstruktion, Entwicklung und Projektarbeit.

Geprüfter Fachwirt

Auch entsprechend eingeordnete Fachwirtabschlüsse gehören zum DQR-Niveau 6.

Ihre inhaltlichen Schwerpunkte liegen je nach Abschluss beispielsweise in betriebswirtschaftlichen, kaufmännischen oder branchenspezifischen Aufgaben.

Welcher Abschluss ist höherwertig?

Eine pauschale Rangfolge lässt sich aus dem DQR nicht ableiten.

Die auf Niveau 6 eingeordneten Abschlüsse sind hinsichtlich ihres Anforderungsniveaus gleichwertig, unterscheiden sich aber in ihren fachlichen Schwerpunkten.

Für die Berufswahl ist deshalb das angestrebte Tätigkeitsfeld wichtiger als die gemeinsame DQR-Einstufung.

Einen ausführlichen Vergleich finden Sie in unserem Ratgeber Meister oder Techniker: Was lohnt sich?.

Häufige Fragen zu Meisterbrief und Bachelor Professional

Ist der Meisterbrief ein Bachelor Professional?

Handwerksmeister dürfen zusätzlich zur traditionellen Meisterbezeichnung den Bachelor Professional mit Angabe des jeweiligen Handwerks führen. Der Meisterabschluss bleibt bestehen und wird nicht in einen akademischen Bachelor umgewandelt.

Seit wann gibt es den Bachelor Professional im Handwerk?

Die entsprechende Zusatzbezeichnung darf seit dem 1. Januar 2020 geführt werden.

Ist der Bachelor Professional gleichwertig mit einem Bachelor?

Ja, hinsichtlich des Qualifikationsniveaus. Beide sind DQR-Niveau 6 zugeordnet. Es handelt sich jedoch um unterschiedliche Abschlüsse mit eigenen Inhalten und Berechtigungen.

Ist Bachelor Professional ein akademischer Titel?

Nein. Der Bachelor Professional im Handwerk ist eine gesetzlich geregelte berufliche Abschlussbezeichnung und kein akademischer Hochschulgrad.

Welches DQR-Niveau hat der Meisterbrief?

Die Meisterqualifikation im Handwerk ist dem DQR-Niveau 6 zugeordnet.

Kann ich den Bachelor Professional auch mit einem alten Meisterbrief führen?

Ja. Die entsprechende Zusatzbezeichnung darf auch von Handwerksmeistern geführt werden, die ihre Meisterprüfung vor dem 1. Januar 2020 bestanden haben.

Muss ich für den Bachelor Professional eine neue Prüfung ablegen?

Nein. Wer bereits zur Führung der entsprechenden Meisterbezeichnung berechtigt ist, benötigt keine zusätzliche Prüfung.

Brauche ich einen neuen Meisterbrief?

Für die rechtmäßige Führung der Zusatzbezeichnung grundsätzlich nicht. Eine ergänzende Bescheinigung oder Zweitschrift des Meisterprüfungszeugnisses kann bei der zuständigen Handwerkskammer angefragt werden.

Was kostet die nachträgliche Bescheinigung?

Die Gebühren unterscheiden sich je nach Handwerkskammer. Die Handwerkskammer Dresden nennt beispielsweise 30 Euro für die Ausstellung einer entsprechenden Bescheinigung.

Darf ich die Bezeichnung Bachelor Professional abkürzen?

Die gesetzlich vorgesehene Bezeichnung sollte korrekt und mit Angabe des Handwerks geführt werden. Akademische Gradabkürzungen wie B.A., B.Sc. oder B.Eng. dürfen nicht einfach an ihre Stelle gesetzt werden.

Kann ich mit dem Meisterbrief ohne Abitur studieren?

Ja. Die Meisterqualifikation eröffnet grundsätzlich den allgemeinen Hochschulzugang. Die jeweiligen Zulassungsbedingungen des Studiengangs müssen weiterhin erfüllt sein.

Kann ich mit Bachelor Professional direkt einen Master machen?

Ein automatischer Zugang zu einem Masterstudium besteht nicht. Unter besonderen hochschulrechtlichen Voraussetzungen kann ein Zugang zu einzelnen weiterbildenden Studiengängen möglich sein.

Bekomme ich mit Bachelor Professional ein höheres Gehalt?

Die Zusatzbezeichnung begründet keinen automatischen Anspruch auf eine Gehaltserhöhung oder eine bestimmte tarifliche Eingruppierung.

Ist der Meisterbrief einem Technikerabschluss gleichgestellt?

Beide Qualifikationsarten gehören zum DQR-Niveau 6. Sie sind damit gleichwertig im Anforderungsniveau, aber nicht inhaltlich identisch.

Darf ein Techniker den Meistertitel führen?

Ein Technikerabschluss allein berechtigt nicht zur Führung der geschützten Handwerksmeisterbezeichnung. Auch die jeweilige Bachelor-Professional-Bezeichnung richtet sich nach den für den tatsächlich erworbenen Abschluss geltenden Regelungen.

Wird der Bachelor Professional im Ausland anerkannt?

Die Bezeichnung und der Europäische Qualifikationsrahmen können die internationale Verständlichkeit verbessern. Ob eine formelle berufliche Anerkennung erforderlich ist, richtet sich nach den Vorschriften des jeweiligen Landes.

Ist der Bachelor Professional für Bewerbungen sinnvoll?

Die ergänzende Bezeichnung kann das Niveau der Meisterqualifikation verdeutlichen. Wichtig ist, dass der Lebenslauf den tatsächlichen Abschluss und die beruflichen Kompetenzen nachvollziehbar darstellt.

Fazit: Meisterbrief und Bachelor Professional gehören zusammen

Der Meisterbrief ist eine anspruchsvolle berufliche Fortbildungsqualifikation, die dem DQR-Niveau 6 zugeordnet ist.

Handwerksmeister dürfen zusätzlich die Bezeichnung Bachelor Professional mit Angabe ihres Handwerks führen. Diese Möglichkeit besteht auch für Personen, die ihre Meisterprüfung bereits vor 2020 bestanden haben.

Mit der Zusatzbezeichnung wird die Gleichwertigkeit des beruflichen Qualifikationsniveaus mit dem akademischen Bachelor hervorgehoben.

Die Unterschiede zwischen beruflicher und akademischer Bildung bleiben dennoch bestehen. Der Bachelor Professional ist kein Hochschulgrad und führt nicht automatisch zu einer akademischen Abschlussberechtigung, einer höheren tariflichen Eingruppierung oder einem Masterstudium.

Für Bewerbungen und geschäftliche Kontakte kann es sinnvoll sein, die traditionelle Meisterbezeichnung gemeinsam mit dem Bachelor Professional zu verwenden.

Entscheidend bleibt die tatsächlich erworbene Meisterqualifikation. Die zusätzliche Bezeichnung macht ihr Niveau sichtbarer, ohne ihre handwerkliche und berufliche Eigenständigkeit aufzugeben.

Eine Übersicht der einzelnen Meisterberufe finden Sie in unserem Handwerksmeister-Hub.

Ergänzend empfehlen wir unsere Ratgeber Meisterprüfung Teil 1 bis 4, Meister oder Techniker, Handwerksmeister Gehalt und Meisterschule berufsbegleitend.

Offizielle Quellen und weiterführende Informationen