Stipendium finden und bewerben 2026: Voraussetzungen, Auswahl und Tipps

Ein Stipendium kann das Studium oder eine berufliche Weiterbildung finanziell erheblich erleichtern. Doch viele Interessierte verzichten auf eine Bewerbung, weil sie glauben, Stipendien seien ausschließlich für Menschen mit einem perfekten Abitur oder außergewöhnlichen Begabungen vorgesehen.

Das stimmt so nicht. Zwar spielen schulische, akademische oder berufliche Leistungen bei vielen Förderprogrammen eine wichtige Rolle. Doch auch gesellschaftliches Engagement, Motivation, persönliche Lebensumstände und berufliche Erfahrungen können bei der Auswahl berücksichtigt werden.

In Deutschland gibt es zahlreiche Stipendienprogramme mit unterschiedlichen Voraussetzungen. Die eigentliche Herausforderung besteht darin, ein geeignetes Angebot zu finden und die eigenen Fähigkeiten in der Bewerbung überzeugend darzustellen.

Dieser Ratgeber zeigt, wie Sie 2026 ein Stipendium finden und sich erfolgreich bewerben können. Sie erfahren, welche Unterlagen benötigt werden, wie ein gutes Motivationsschreiben aufgebaut ist und worauf es beim Auswahlgespräch ankommt.

Das Wichtigste zur Stipendienbewerbung 2026

  • Keine perfekten Noten erforderlich: Viele Förderprogramme betrachten die gesamte Persönlichkeit und nicht ausschließlich Zeugnisnoten.
  • Verschiedene Zielgruppen: Stipendien richten sich unter anderem an Studierende, Auszubildende, Berufserfahrene und Promovierende.
  • 13 Begabtenförderungswerke: Die staatlich unterstützten Werke bieten finanzielle und ideelle Förderung.
  • Unterschiedliche Zugangswege: Je nach Programm sind Selbstbewerbungen, Vorschläge durch Schulen oder Hochschulen und besondere Auswahlverfahren vorgesehen.
  • Bewerbungsunterlagen: Häufig werden Lebenslauf, Motivationsschreiben, Leistungsnachweise und gegebenenfalls Empfehlungen verlangt.
  • Auswahlverfahren: Neben der schriftlichen Bewerbung können Gespräche, Seminare, Tests oder andere Auswahlstufen stattfinden.
  • Mehrfachbewerbung: Eine Bewerbung bei mehreren passenden Stipendiengebern ist nicht grundsätzlich ausgeschlossen.
  • Berufserfahrung: Auch für Menschen mit abgeschlossener Ausbildung und mehrjähriger Berufspraxis gibt es besondere Förderprogramme.

Stand: Oktober 2026. Bewerbungsfristen, Auswahlverfahren und Förderbedingungen unterscheiden sich je nach Stipendiengeber und können sich ändern.

Wer kann ein Stipendium bekommen?

Ein Stipendium ist eine finanzielle oder ideelle Förderung, mit der eine Bildungseinrichtung, Stiftung oder andere Organisation Menschen während ihrer Ausbildung, ihres Studiums oder ihrer beruflichen Entwicklung unterstützt.

Die Voraussetzungen unterscheiden sich erheblich. Manche Programme fördern vor allem überdurchschnittliche Leistungen. Andere berücksichtigen beispielsweise soziales Engagement, einen bestimmten beruflichen Werdegang oder besondere persönliche Herausforderungen.

Braucht man für ein Stipendium einen Einser-Durchschnitt?

Nein. Ein sehr guter Notendurchschnitt kann hilfreich sein, ist aber nicht bei sämtlichen Stipendienprogrammen Voraussetzung.

Die 13 staatlich unterstützten Begabtenförderungswerke weisen ausdrücklich darauf hin, dass nicht allein ein Einser-Schnitt entscheidend ist. Vielmehr wird das Gesamtbild der Bewerberinnen und Bewerber betrachtet.

Die Studienstiftung des deutschen Volkes berücksichtigt beispielsweise neben Leistungsfähigkeit auch Motivation, Interessen, gesellschaftliches Engagement und persönliche Eigenschaften.

Allerdings bedeutet dies nicht, dass schulische und akademische Leistungen unwichtig wären. Je nach Förderwerk gelten unterschiedliche Anforderungen an das bisherige Leistungsniveau und die erwartete Entwicklung.

Welche Eigenschaften sind bei Stipendiengebern gefragt?

Häufig spielen mehrere Faktoren eine Rolle:

  • gute oder überdurchschnittliche Leistungen in Schule, Ausbildung oder Studium,
  • Interesse und Begeisterung für das gewählte Fachgebiet,
  • Eigeninitiative und die Fähigkeit, Ziele selbstständig zu verfolgen,
  • ehrenamtliches, gesellschaftliches oder soziales Engagement,
  • Reflexionsfähigkeit und Bereitschaft zur persönlichen Weiterentwicklung,
  • besondere berufliche Leistungen,
  • die nachvollziehbare Motivation für das angestrebte Bildungsziel.

Nicht jedes Programm gewichtet diese Punkte gleich. Deshalb sollte die Bewerbung auf die tatsächlichen Auswahlkriterien des jeweiligen Stipendiengebers zugeschnitten sein.

Welche Stipendien gibt es in Deutschland?

In Deutschland bestehen unterschiedliche Programme für die akademische und berufliche Förderung.

Besonders relevant sind die staatlich unterstützten Begabtenförderungswerke, das Deutschlandstipendium sowie spezielle Programme für Menschen mit abgeschlossener Berufsausbildung.

Die 13 Begabtenförderungswerke

In Deutschland werden 13 Begabtenförderungswerke staatlich unterstützt. Sie fördern Studierende, Promovierende und im Rahmen entsprechender Angebote weitere Zielgruppen.

Zu diesen Förderwerken gehören:

  • Studienstiftung des deutschen Volkes
  • Friedrich-Ebert-Stiftung
  • Konrad-Adenauer-Stiftung
  • Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit
  • Hanns-Seidel-Stiftung
  • Heinrich-Böll-Stiftung
  • Rosa-Luxemburg-Stiftung
  • Hans-Böckler-Stiftung
  • Stiftung der Deutschen Wirtschaft
  • Cusanuswerk
  • Evangelisches Studienwerk Villigst
  • Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerk
  • Avicenna-Studienwerk

Die Werke besitzen unterschiedliche gesellschaftliche, politische, weltanschauliche, religiöse oder wirtschaftsbezogene Schwerpunkte.

Diese Unterschiede können für die Bewerbung relevant sein. Bewerber sollten deshalb prüfen, welche Ziele und Werte das jeweilige Werk vertritt und wie diese zu ihren eigenen Interessen und Überzeugungen passen.

Eine bestimmte religiöse Zugehörigkeit oder politische Einstellung ist allerdings nicht bei jedem Werk zwingend Voraussetzung. Maßgeblich sind die jeweiligen Aufnahmebedingungen.

Offizielle Übersicht: StipendiumPlus – Die 13 Begabtenförderungswerke.

Deutschlandstipendium

Das Deutschlandstipendium wird an teilnehmenden Hochschulen vergeben.

Es unterstützt leistungsstarke und engagierte Studierende und beträgt 2026 monatlich 300 Euro.

Die Bewerbungen werden über die jeweilige Hochschule organisiert. Auswahlkriterien und Bewerbungsfristen können sich daher unterscheiden.

Neben Studienleistungen können beispielsweise gesellschaftliches Engagement und besondere persönliche Umstände berücksichtigt werden.

Weitere Informationen: Offizielle Website zum Deutschlandstipendium.

Stipendien für Berufserfahrene

Auch Menschen, die bereits eine Berufsausbildung abgeschlossen haben und anschließend studieren möchten, können gefördert werden.

Ein wichtiges Beispiel ist das Aufstiegsstipendium der Stiftung Begabtenförderung berufliche Bildung (SBB).

Dieses Programm richtet sich an berufserfahrene Fachkräfte mit besonderen beruflichen Leistungen, die ein erstes Hochschulstudium aufnehmen möchten.

Für das Aufstiegsstipendium gibt es keine allgemeine Altersgrenze.

Daneben existiert das Weiterbildungsstipendium für besonders leistungsstarke junge Fachkräfte, das geeignete berufliche Weiterbildungen unterstützt.

Beide Förderprogramme unterscheiden sich in ihren Zielen und Voraussetzungen.

Wie findet man ein passendes Stipendium?

Die Suche nach einem geeigneten Stipendium sollte nicht ausschließlich bei den bekanntesten Förderwerken beginnen.

Auch kleinere Stiftungen, hochschuleigene Programme oder fachspezifische Förderangebote können interessant sein.

Ein sinnvoller erster Schritt ist die Überlegung, welche Merkmale für die eigene Bewerbung wichtig sind.

Schritt 1: Eigene Ausgangssituation bestimmen

Beantworten Sie zunächst folgende Fragen:

  • Beginne ich gerade ein Studium oder studiere ich bereits?
  • Welche Studienrichtung oder Weiterbildung strebe ich an?
  • Welche schulischen, akademischen oder beruflichen Leistungen kann ich nachweisen?
  • Engagiere ich mich ehrenamtlich oder gesellschaftlich?
  • Habe ich bereits eine Berufsausbildung abgeschlossen?
  • Welche persönlichen Erfahrungen oder Interessen prägen meinen Bildungsweg?
  • Welche Förderprogramme passen zu meinen Zielen?

Diese Fragen helfen, geeignete Stipendienprogramme systematisch einzugrenzen.

Schritt 2: Offizielle Stipendiendatenbanken nutzen

Für die Recherche eignen sich insbesondere die folgenden Anlaufstellen:

Anlaufstelle Besonderheit
StipendiumPlus Gemeinsame Übersicht der 13 staatlich unterstützten Begabtenförderungswerke
DAAD-Stipendiendatenbank Förderungen für internationale Studien-, Forschungs- und Auslandsaufenthalte sowie ausgewählte weitere Programme
Deutschlandstipendium Informationen zur Förderung an teilnehmenden Hochschulen
SBB Weiterbildungsstipendium und Aufstiegsstipendium für berufliche Bildungswege
Eigene Hochschule Hochschuleigene Stipendien, Deutschlandstipendium und weitere Förderangebote

Eine Datenbank liefert zunächst nur einen Überblick. Die aktuellen Bedingungen sollten immer direkt auf der Website des jeweiligen Stipendiengebers kontrolliert werden.

Bei der DAAD-Stipendiendatenbank ist insbesondere zu beachten, für welche Herkunftsländer, Studienphasen und Aufenthaltsarten die Angebote vorgesehen sind.

Schritt 3: Geeignete Stipendien vergleichen

Statt wahllos Bewerbungen zu verschicken, sollten Interessierte die gefundenen Programme anhand einheitlicher Kriterien vergleichen.

Besonders wichtig sind:

  • Zielgruppe und formale Voraussetzungen,
  • Auswahlkriterien,
  • Bewerbungsfrist,
  • erforderliche Unterlagen,
  • Höhe und Dauer der Förderung,
  • Art des Auswahlverfahrens,
  • mögliche Verpflichtungen während der Förderung.

Eine einfache Tabelle oder persönliche Bewerbungsübersicht kann helfen, Fristen und Anforderungen im Blick zu behalten.

Wie bewirbt man sich um ein Stipendium?

Der Bewerbungsablauf unterscheidet sich je nach Förderwerk.

Bei manchen Programmen ist eine direkte Online-Bewerbung vorgesehen. Andere nutzen ein Vorschlagsverfahren über Schulen, Hochschulen oder weitere berechtigte Institutionen.

Auch die benötigten Unterlagen sind nicht überall identisch.

Welche Bewerbungsunterlagen werden benötigt?

Häufig werden folgende Unterlagen verlangt:

  • Online-Bewerbungsformular,
  • tabellarischer oder ausführlicher Lebenslauf,
  • Motivationsschreiben oder persönliche Darstellung,
  • Schul-, Ausbildungs- und Studienzeugnisse,
  • gegebenenfalls Immatrikulationsbescheinigung,
  • Nachweise über ehrenamtliches Engagement,
  • Empfehlungsschreiben oder Gutachten, soweit gefordert,
  • weitere programmspezifische Unterlagen.

Nicht bei jedem Stipendium wird ein klassisches Motivationsschreiben verlangt. Manche Förderwerke nutzen stattdessen strukturierte Fragen innerhalb ihres Online-Bewerbungsportals.

Die Vorgaben des jeweiligen Bewerbungsverfahrens haben deshalb immer Vorrang.

Worauf kommt es bei der Bewerbung besonders an?

Eine gute Stipendienbewerbung sollte drei Fragen nachvollziehbar beantworten:

  1. Welche Fähigkeiten, Leistungen und Erfahrungen bringt die Person mit?
  2. Welche Ziele verfolgt sie mit ihrer Ausbildung oder ihrem Studium?
  3. Warum passt sie zum ausgewählten Förderprogramm?

Wichtig ist eine konkrete und glaubwürdige Darstellung.

Allgemeine Aussagen wie „Ich bin sehr motiviert und arbeite gerne im Team“ wirken wenig überzeugend, wenn sie nicht durch tatsächliche Erfahrungen belegt werden.

Besser ist es, an einem konkreten Beispiel zu erläutern, wo Eigeninitiative, Verantwortung oder Durchhaltevermögen gezeigt wurden.

Motivationsschreiben für ein Stipendium: Aufbau und Beispiel

Bei Förderprogrammen, die ein freies Motivationsschreiben verlangen, ist eine klare Struktur hilfreich.

Ein gutes Schreiben sollte nicht nur den Wunsch nach finanzieller Unterstützung ausdrücken, sondern die persönliche Entwicklung, die Motivation und die Verbindung zum Förderwerk erläutern.

So kann ein Motivationsschreiben aufgebaut sein

  1. Einleitung: Warum bewerbe ich mich um dieses Stipendium?
  2. Bildungsweg: Welche Erfahrungen und Leistungen prägen meinen bisherigen Weg?
  3. Motivation: Warum habe ich mich für das Studium beziehungsweise die Weiterbildung entschieden?
  4. Engagement: Wo übernehme ich Verantwortung oder setze mich für andere ein?
  5. Passung: Warum interessiert mich gerade dieses Förderwerk?
  6. Ziele: Wie möchte ich mich fachlich und persönlich weiterentwickeln?

Muster: Motivationsschreiben für eine Stipendienbewerbung

Das folgende Beispiel ist eine Orientierungshilfe. Die geschilderten Erfahrungen sind fiktiv und müssen bei einer tatsächlichen Bewerbung durch eigene Angaben ersetzt werden.

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich bewerbe mich um ein Stipendium Ihrer Stiftung, weil ich mein Studium der Betriebswirtschaftslehre nicht nur fachlich erfolgreich absolvieren, sondern mich auch darüber hinaus persönlich und gesellschaftlich weiterentwickeln möchte.

Schon während meiner kaufmännischen Berufsausbildung habe ich festgestellt, wie sehr mich betriebliche Zusammenhänge, wirtschaftliche Entscheidungen und die Zusammenarbeit unterschiedlicher Menschen interessieren. Nach meinem Ausbildungsabschluss konnte ich diese Kenntnisse im Berufsalltag vertiefen. Dabei ist der Wunsch entstanden, mich durch ein Studium weiterzuqualifizieren.

Neben meiner beruflichen Tätigkeit engagiere ich mich ehrenamtlich bei der Unterstützung junger Menschen in ihrer beruflichen Orientierung. Dabei habe ich gelernt, Verantwortung zu übernehmen, unterschiedliche Perspektiven zu berücksichtigen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln.

An Ihrer Stiftung interessieren mich insbesondere die Möglichkeiten des fachübergreifenden Austauschs und der persönlichen Weiterentwicklung. Ich möchte meine bisherigen Erfahrungen einbringen, zugleich neue Sichtweisen kennenlernen und mich aktiv an den angebotenen Veranstaltungen beteiligen.

Mein langfristiges Ziel ist es, wirtschaftliche Verantwortung mit einer nachhaltigen und mitarbeiterorientierten Unternehmensführung zu verbinden. Das Stipendium würde mich dabei unterstützen, mich intensiver auf mein Studium und meine weitere Entwicklung zu konzentrieren.

Über die Gelegenheit, meine Motivation in einem persönlichen Gespräch näher zu erläutern, würde ich mich freuen.

Mit freundlichen Grüßen

Vorname Nachname

Ein solches Schreiben sollte niemals unverändert übernommen werden. Die Auswahlkommission möchte die tatsächliche Persönlichkeit kennenlernen und keine austauschbaren Standardformulierungen lesen.

Außerdem sollten die Ziele und Angebote der betreffenden Stiftung konkret benannt werden, sofern das Bewerbungsverfahren dies vorsieht.

Lebenslauf für ein Stipendium: Was gehört hinein?

Viele Stipendiengeber verlangen einen tabellarischen Lebenslauf. Einzelne Förderwerke können außerdem eine ausführlichere persönliche Darstellung erwarten.

Ein tabellarischer Lebenslauf sollte übersichtlich und nachvollziehbar aufgebaut sein.

Wichtige Bestandteile

  • Persönliche Kontaktdaten,
  • Schulbildung und gegebenenfalls Hochschulbildung,
  • Berufsausbildung und Berufserfahrung,
  • Praktika und relevante Projekte,
  • ehrenamtliches Engagement,
  • besondere Leistungen und Auszeichnungen,
  • relevante Sprach- und Fachkenntnisse.

Bei Stipendienbewerbungen können ehrenamtliche Tätigkeiten und persönliche Projekte besonders relevant sein.

Wer beispielsweise eine Jugendgruppe begleitet, sich in einem Verein engagiert oder eigenständig ein Bildungsprojekt organisiert hat, sollte diese Erfahrungen konkret darstellen.

Auch berufliche Verantwortung kann ein wichtiger Bestandteil sein.

Was sollte man vermeiden?

Ein Lebenslauf sollte keine Leistungen enthalten, die nicht tatsächlich erbracht wurden.

Außerdem ist es nicht sinnvoll, jede einzelne Tätigkeit ausführlich zu beschreiben, wenn sie keinen Bezug zur Bewerbung besitzt.

Entscheidend ist eine klare Darstellung der Entwicklung und der relevanten Erfahrungen.

Empfehlungsschreiben und Gutachten: Was ist wichtig?

Einige Förderwerke verlangen Gutachten oder Empfehlungen durch Lehrkräfte, Hochschuldozenten oder andere dafür zugelassene Personen.

Solche Empfehlungen sollen helfen, die Fähigkeiten und Entwicklungsmöglichkeiten der Bewerber einzuschätzen.

Wichtig ist, dass die empfehlende Person die Bewerberin oder den Bewerber ausreichend gut kennt und konkrete Aussagen treffen kann.

Eine allgemeine Empfehlung ohne nachvollziehbare Beispiele ist meist weniger aussagekräftig als eine differenzierte Beurteilung.

Wer eine Empfehlung benötigt, sollte frühzeitig anfragen und genügend Zeit für die Erstellung einplanen.

Außerdem müssen die jeweiligen formalen Anforderungen des Förderwerks eingehalten werden.

Was passiert beim Auswahlgespräch?

Nach einer erfolgreichen schriftlichen Bewerbung können weitere Auswahlstufen folgen.

Dazu gehören je nach Förderwerk beispielsweise persönliche Gespräche, Auswahlseminare oder Tests.

Die Auswahlverfahren dienen dazu, die Bewerber über Zeugnisse und schriftliche Unterlagen hinaus kennenzulernen.

Typische Fragen im Auswahlgespräch

Folgende Fragen können zur Vorbereitung dienen:

  • Warum haben Sie sich für dieses Studium entschieden?
  • Welche Erfahrungen haben Sie besonders geprägt?
  • Warum bewerben Sie sich gerade bei unserem Förderwerk?
  • Was verstehen Sie unter gesellschaftlicher Verantwortung?
  • Welches Thema beschäftigt Sie aktuell besonders?
  • Wie gehen Sie mit Schwierigkeiten oder Misserfolgen um?
  • Welche beruflichen und persönlichen Ziele verfolgen Sie?
  • Welche Erfahrungen aus Ihrem Engagement möchten Sie einbringen?
  • Welche Meinungen vertreten Sie zu einem Thema und wie begründen Sie diese?

Diese Fragen sind keine offiziellen Prüfungsfragen eines bestimmten Stipendiengebers. Sie sollen lediglich bei der Vorbereitung auf mögliche Gesprächssituationen helfen.

Wie bereitet man sich sinnvoll vor?

Eine gute Vorbereitung besteht nicht darin, möglichst viele auswendig gelernte Antworten zu formulieren.

Stattdessen sollten Bewerber:

  • die eigenen Bewerbungsunterlagen noch einmal aufmerksam lesen,
  • sich mit dem Profil des Förderwerks vertraut machen,
  • über ihre bisherigen Erfahrungen und Ziele nachdenken,
  • aktuelle gesellschaftliche und fachliche Entwicklungen verfolgen,
  • eigene Positionen sachlich begründen können,
  • offen auf andere Sichtweisen reagieren.

Es ist grundsätzlich besser, eine Frage ehrlich und differenziert zu beantworten, als eine vermeintlich perfekte Antwort zu geben, die nicht zur eigenen Persönlichkeit passt.

Wie funktioniert die Bewerbung bei der Studienstiftung des deutschen Volkes?

Die Studienstiftung des deutschen Volkes bietet unterschiedliche Wege zur Aufnahme.

Ein häufiger Zugang erfolgt über Vorschläge durch Schulen, Hochschulen oder andere berechtigte Stellen.

Darüber hinaus können sich Studierende im ersten oder zweiten Fachsemester eines grundständigen Studiengangs unter den vorgesehenen Voraussetzungen selbst bewerben.

Selbstbewerbung mit Auswahltest

Bei diesem Verfahren können Studienanfängerinnen und Studienanfänger ohne vorherigen Vorschlag an einem Auswahltest teilnehmen.

Der Test umfasst Aufgabenbereiche wie:

  • Planen in Studium und Beruf,
  • Erkennen von Sprachstrukturen,
  • Interpretieren von Diagrammen und Tabellen,
  • Erschließen von Regeln.

Wer im Test zu den erfolgreichsten Teilnehmenden gehört und die weiteren Voraussetzungen erfüllt, kann zu einem Auswahlseminar eingeladen werden.

Für Studierende künstlerischer und gestalterischer Fachrichtungen gelten besondere Auswahlwege.

Die Anmeldung zum nächsten Auswahltest im Frühjahr 2027 soll nach Angaben der Studienstiftung voraussichtlich im Januar 2027 beginnen.

Weitere Informationen: Studienstiftung – Bewerbung und Auswahl.

Stipendium für Fachwirte und Berufserfahrene

Stipendien sind nicht ausschließlich für klassische Vollzeitstudierende interessant.

Auch Menschen, die bereits eine Berufsausbildung abgeschlossen haben und ihre berufliche Qualifikation erweitern möchten, können Fördermöglichkeiten nutzen.

Weiterbildungsstipendium für Fachwirt, Meister und Techniker

Das Weiterbildungsstipendium unterstützt besonders leistungsstarke junge Fachkräfte nach Abschluss ihrer Berufsausbildung.

Unter den gesetzlichen Fördervoraussetzungen können anspruchsvolle berufliche Weiterbildungen unterstützt werden, beispielsweise:

  • Wirtschaftsfachwirt,
  • Handelsfachwirt,
  • Industriefachwirt,
  • geeignete Meisterfortbildungen,
  • bestimmte Technikerfortbildungen.

Im Jahr 2026 stehen für förderfähige Maßnahmen insgesamt bis zu 9.135 Euro innerhalb des persönlichen Förderzeitraums zur Verfügung.

Das Programm sieht unter anderem besondere Anforderungen an die Ausbildungsleistungen und eine Altersgrenze bei der Aufnahme vor.

Informationen: SBB – Weiterbildungsstipendium.

Aufstiegsstipendium für ein Hochschulstudium

Das Aufstiegsstipendium richtet sich an berufserfahrene Fachkräfte, die nach einer erfolgreichen Berufsausbildung ein erstes Hochschulstudium aufnehmen möchten.

Zu den wesentlichen Voraussetzungen gehören:

  • abgeschlossene Berufsausbildung,
  • mindestens zwei Jahre anschließende Berufserfahrung,
  • besondere berufliche Leistungen,
  • die angestrebte Aufnahme eines geeigneten ersten Hochschulstudiums,
  • erfolgreiche Teilnahme am Auswahlverfahren.

Die Bewerbung ist grundsätzlich auch vor Studienbeginn möglich. Wer bereits studiert, kann sich unter den Programmvoraussetzungen während des ersten oder zweiten Studiensemesters bewerben.

Eine formale Altersgrenze besteht nicht.

Auswahlverfahren für das Aufstiegsstipendium

Das Verfahren umfasst drei Stufen:

  1. Online-Bewerbung mit Angaben zum bisherigen beruflichen Werdegang.
  2. Online-Kompetenz-Check und Nachweise.
  3. Persönliches Auswahlgespräch.

Für das Auswahlverfahren 2027/I ist die Online-Bewerbung vom 22. September bis 30. November 2026 möglich.

Interessierte sollten die jeweils aktuellen Termine direkt bei der SBB prüfen.

Informationen und Bewerbung: SBB – Bewerbung um das Aufstiegsstipendium.

Kann man sich bei mehreren Stiftungen gleichzeitig bewerben?

Ja, parallele Bewerbungen sind grundsätzlich möglich, soweit die jeweiligen Förderprogramme keine besonderen Ausschlussregeln vorsehen.

Es ist nicht notwendig, sich grundsätzlich auf eine einzige Stiftung zu beschränken.

Allerdings sollten die ausgewählten Programme tatsächlich zu den eigenen Voraussetzungen, Interessen und Zielen passen.

Wer sich bei mehreren Stiftungen bewirbt, sollte jede Bewerbung individuell vorbereiten und die jeweiligen Aufnahmebedingungen beachten.

Eine gleichzeitige finanzielle Förderung durch mehrere Programme kann dagegen ausgeschlossen oder an besondere Anrechnungsregeln gebunden sein.

Mehrere Bewerbungen sind deshalb nicht mit einer automatisch zulässigen mehrfachen Stipendienfinanzierung gleichzusetzen.

Häufige Fehler bei der Stipendienbewerbung

Eine Stipendienbewerbung kann an vermeidbaren Fehlern scheitern.

1. Unpassendes Förderwerk auswählen

Wer die Auswahlkriterien nicht ausreichend prüft, bewirbt sich möglicherweise bei einem Programm, dessen Voraussetzungen nicht erfüllt werden.

2. Allgemeine Motivationsschreiben verschicken

Ein Standardtext, der unverändert an zahlreiche Stiftungen gesendet wird, zeigt häufig nicht, warum die Bewerbung zum jeweiligen Förderwerk passt.

3. Engagement nur aufzählen

Es ist sinnvoller, konkrete Tätigkeiten, Verantwortung und persönliche Erfahrungen zu erläutern, als lediglich Mitgliedschaften aufzulisten.

4. Eigene Leistungen übertreiben

Angaben müssen zutreffend und nachvollziehbar sein. Unrichtige oder irreführende Angaben können zum Ausschluss führen.

5. Bewerbungsfristen versäumen

Viele Stipendienprogramme besitzen feste Termine oder Auswahlrunden. Verspätete Bewerbungen werden häufig nicht berücksichtigt.

6. Auswahlgespräche unterschätzen

Wer zu einem Auswahlgespräch eingeladen wird, sollte sich mit dem Förderwerk und den eigenen Bewerbungsangaben gründlich beschäftigen.

7. Auf eine einzige Bewerbung setzen

Da die Aufnahme nicht garantiert ist, kann es sinnvoll sein, mehrere geeignete Programme zu prüfen. Voraussetzung ist, dass die Bewerbungen sorgfältig und individuell erstellt werden.

Checkliste: So bereiten Sie Ihre Stipendienbewerbung vor

Die folgende Checkliste hilft dabei, keine wichtigen Schritte zu vergessen.

  • Geeignete Stipendienprogramme recherchieren.
  • Formale Voraussetzungen und Auswahlkriterien prüfen.
  • Bewerbungsfristen notieren.
  • Erforderliche Nachweise und Zeugnisse zusammentragen.
  • Lebenslauf aktualisieren.
  • Motivationsschreiben beziehungsweise persönliche Darstellung vorbereiten.
  • Gegebenenfalls Empfehlungsschreiben rechtzeitig anfordern.
  • Individuelle Fragen des Bewerbungsformulars beantworten.
  • Alle Angaben auf Richtigkeit und Vollständigkeit prüfen.
  • Bewerbung fristgerecht einreichen.
  • Auf Auswahlgespräch, Seminar oder Test vorbereiten.
  • Weitere Mitteilungen des Förderwerks regelmäßig prüfen.

Häufige Fragen zur Stipendienbewerbung

Kann man ein Stipendium ohne Einser-Abitur bekommen?

Ja. Viele Förderprogramme betrachten neben den Noten auch Engagement, Motivation, besondere Erfahrungen und persönliche Entwicklungsmöglichkeiten. Es gelten jedoch unterschiedliche Anforderungen.

Wie finde ich ein passendes Stipendium?

Eine gute Möglichkeit ist die Recherche über StipendiumPlus, die eigene Hochschule, die DAAD-Stipendiendatenbank oder spezielle Angebote wie das Aufstiegsstipendium der SBB.

Welche Unterlagen brauche ich für eine Stipendienbewerbung?

Häufig werden Lebenslauf, Zeugnisse, ein Motivationsschreiben und weitere Nachweise benötigt. Der tatsächliche Umfang richtet sich nach den Vorgaben des jeweiligen Förderwerks.

Was sollte im Motivationsschreiben stehen?

Das Schreiben sollte die persönliche Motivation, bisherige Erfahrungen, Bildungsziele und den Bezug zum Förderprogramm nachvollziehbar erläutern.

Kann ich mich bereits vor Studienbeginn bewerben?

Das ist bei einigen Programmen möglich. Andere Förderwerke setzen eine bereits bestehende Immatrikulation oder bestimmte Studienleistungen voraus.

Was passiert, wenn ich beim Auswahlgespräch eine Frage nicht beantworten kann?

Ein Auswahlgespräch dient dazu, die Person kennenzulernen. Es ist sinnvoll, offen mit Wissenslücken umzugehen und Gedanken nachvollziehbar zu erläutern, statt Antworten zu erfinden.

Kann ich mehrere Stipendien gleichzeitig beantragen?

Mehrere Bewerbungen sind grundsätzlich möglich, sofern keine programmspezifischen Einschränkungen bestehen. Die gleichzeitige Auszahlung mehrerer Stipendien kann jedoch ausgeschlossen oder eingeschränkt sein.

Gibt es Stipendien für Menschen mit Berufsausbildung?

Ja. Das Weiterbildungsstipendium und das Aufstiegsstipendium der SBB sind zwei wichtige Programme für berufliche Bildungswege.

Kann ich als Fachwirt ein Stipendium erhalten?

Unter bestimmten Voraussetzungen kann bereits die Fachwirt-Weiterbildung über das Weiterbildungsstipendium gefördert werden. Wer nach seiner beruflichen Qualifikation ein erstes Hochschulstudium plant, kann das Aufstiegsstipendium prüfen.

Was kostet eine Stipendienbewerbung?

Die Bewerbung bei den großen staatlich unterstützten Begabtenförderungswerken ist grundsätzlich nicht mit einer regulären Bewerbungsgebühr verbunden. Im Einzelfall können jedoch Kosten etwa für Anreise oder Unterlagen entstehen. Bei anderen Programmen sollten die Bedingungen gesondert geprüft werden.

Fazit: Eine gute Stipendienbewerbung beginnt mit der richtigen Auswahl

Ein Stipendium ist nicht ausschließlich Menschen mit perfekten Schul- oder Studiennoten vorbehalten.

Viele Förderwerke berücksichtigen neben fachlichen Leistungen auch gesellschaftliches Engagement, persönliche Motivation und den bisherigen Bildungsweg.

Entscheidend ist, ein geeignetes Förderprogramm zu finden und nachvollziehbar zu erklären, warum die eigene Entwicklung und die Ziele des Stipendiengebers zusammenpassen.

Ein sorgfältig vorbereitetes Motivationsschreiben, ein übersichtlicher Lebenslauf und eine gute Vorbereitung auf mögliche Auswahlgespräche können dabei helfen, die eigene Bewerbung überzeugend darzustellen.

Auch Menschen mit abgeschlossener Berufsausbildung und beruflicher Erfahrung sollten die Möglichkeiten der Begabtenförderung prüfen. Gerade für die Weiterbildung zum Fachwirt oder ein anschließendes Studium stehen besondere Programme zur Verfügung.

Wer darüber hinaus weitere Möglichkeiten der Finanzierung sucht, sollte auch BAföG, Aufstiegs-BAföG und andere passende Förderangebote berücksichtigen.

Offizielle Quellen und weiterführende Informationen

Redaktioneller Stand: 12. Oktober 2026. Die Auswahlverfahren und Förderbedingungen können sich verändern. Maßgeblich sind die jeweils aktuellen Angaben des zuständigen Stipendiengebers. Das dargestellte Motivationsschreiben ist ein fiktives Muster und keine Garantie für eine erfolgreiche Bewerbung.