Hörakustikermeister werden: Voraussetzungen, Meisterschule, Kosten und Gehalt

Wer als Hörakustiker beruflich aufsteigen, eine Filiale leiten oder ein eigenes Hörakustikgeschäft eröffnen möchte, kann mit der Weiterbildung zum Hörakustikermeister den nächsten Karriereschritt gehen. Der Meisterabschluss verbindet audiologisches Fachwissen mit moderner Hörsystemtechnik, individueller Kundenversorgung und betriebswirtschaftlichen Kenntnissen.

Hörakustikermeisterinnen und Hörakustikermeister untersuchen das Hörvermögen im Rahmen ihrer beruflichen Befugnisse, passen Hörsysteme an und übernehmen Verantwortung für die fachgerechte Versorgung ihrer Kunden. Dabei arbeiten sie mit moderner Messtechnik, digital programmierbaren Hörgeräten und individuell gefertigten Ohrpassstücken.

Auch die zunehmende Digitalisierung der Hörsysteme, drahtlose Kommunikation, Fernanpassungen und spezialisierte Versorgungsangebote verändern den Berufsalltag. Die geltende Hörakustikermeisterverordnung berücksichtigt diese Entwicklungen und legt entsprechende Anforderungen an die Meisterprüfung fest.

Doch welche Voraussetzungen gelten für die Hörakustikermeisterprüfung? Wie lange dauert die Meisterschule, welche Kosten entstehen und welche Karriere- und Verdienstmöglichkeiten bietet der Abschluss? Dieser Ratgeber beantwortet die wichtigsten Fragen.

Hörakustikermeister: Das Wichtigste im Überblick

Abschluss Hörakustikermeister / Hörakustikermeisterin
Ältere Bezeichnung Hörgeräteakustikermeister
Zuständigkeit Handwerkskammer und zuständiger Meisterprüfungsausschuss
Abschlussstatus Bundesweit geregelter Meisterabschluss im zulassungspflichtigen Handwerk
Rechtsgrundlage Handwerksordnung und Hörakustikermeisterverordnung vom 17. Februar 2022
Meisterprüfung Vier selbstständige Prüfungsteile
Teil I Meisterprüfungsprojekt, Fachgespräch und Situationsaufgabe
Teil II Drei handlungsorientierte Prüfungsfelder
Zulassung In der Regel einschlägige Gesellenprüfung; weitere Zugangswege möglich
Unterrichtsformen Vollzeit, Teilzeit und hybride Unterrichtsmodelle
Dauer Beispielsweise rund zehn Monate in Vollzeit für alle vier Teile; berufsbegleitende Modelle abhängig vom Kursumfang
Kosten Bei recherchierten Angeboten 8.155 bis 15.950 Euro, abhängig von Unterrichtsform und enthaltenen Prüfungsteilen
Förderung Aufstiegs-BAföG und gegebenenfalls weitere Programme
DQR-Niveau Niveau 6
Berufliche Perspektiven Filialleitung, Betriebsführung, spezialisierte Hörversorgung, Ausbildung und Selbstständigkeit

Das Hörakustikerhandwerk gehört zu den zulassungspflichtigen Gewerben der Anlage A der Handwerksordnung.

Die fachpraktischen und fachtheoretischen Prüfungsanforderungen sind in der Hörakustikermeisterverordnung vom 17. Februar 2022 in der geltenden Fassung geregelt.

Die Verordnung ist am 1. August 2022 in Kraft getreten und hat die frühere Meisterprüfungsverordnung aus dem Jahr 1994 ersetzt.

Der Hörakustikermeister ist dem Niveau 6 des Deutschen Qualifikationsrahmens zugeordnet. Nach bestandener Meisterprüfung wird gemäß Handwerksordnung zusätzlich der entsprechende Fortbildungsabschluss Bachelor Professional im Hörakustiker-Handwerk erworben.

Dieser berufliche Abschluss liegt auf demselben DQR-Niveau wie ein akademischer Bachelorabschluss, ist jedoch kein Hochschulabschluss.

Welche Aufgaben hat ein Hörakustikermeister?

Hörakustikermeister übernehmen die fachliche, technische und wirtschaftliche Verantwortung für die Versorgung von Menschen mit Hörminderungen. Sie beraten Kunden, führen audiologische Messungen durch, wählen geeignete Hörsysteme aus und überprüfen deren Wirkung im individuellen Höralltag.

Je nach Unternehmensgröße stehen die praktische Hörsystemanpassung, spezialisierte Versorgungen oder die Leitung eines Hörakustikbetriebs im Mittelpunkt.

Hörmessungen und Audiometrie

Eine wichtige Aufgabe ist die Ermittlung und Bewertung audiologischer Kenndaten.

Zu den typischen Tätigkeiten gehören:

  • Aufnahme einer hörbezogenen Anamnese
  • Ermittlung der individuellen Höranforderungen
  • Durchführung von Ton- und Sprachaudiometrie
  • Erstellung und Auswertung von Audiogrammen
  • Durchführung geeigneter Hörtests
  • Ermittlung audiologischer Kenndaten
  • Erstellung individueller Hörprofile
  • Dokumentation und Beurteilung der Messergebnisse

Ergeben sich Hinweise auf eine medizinisch abklärungsbedürftige Erkrankung, müssen die Grenzen der beruflichen Befugnisse beachtet und erforderlichenfalls ärztliche Untersuchungen veranlasst werden.

Auswahl und Anpassung von Hörsystemen

Hörakustikermeister beraten Kunden zu geeigneten Hörsystemen und passen diese an die persönlichen Bedürfnisse an.

Dabei berücksichtigen sie unter anderem die Art und Ausprägung der Hörminderung, die Lebensgewohnheiten, die anatomischen Voraussetzungen und die gewünschte Bedienbarkeit.

Wichtige Aufgaben sind:

  • Auswahl geeigneter Hörgeräte und Hörsysteme
  • Digitale Programmierung und Feinabstimmung
  • Anpassung unterschiedlicher Hörsystembauformen
  • Durchführung von In-situ-Messungen
  • Prüfung der Hörsystemwirkung
  • Beratung zur Bedienung und Pflege
  • Organisation von Nachkontrollen
  • Technische Wartung und Reparatur

Herstellung individueller Ohrpassstücke

Ein weiterer Aufgabenbereich ist die Herstellung und Anpassung individueller Ohrpassstücke, sogenannter Otoplastiken.

Dabei werden die anatomischen Gegebenheiten des Ohres berücksichtigt. Je nach Verfahren können klassische Abformungen oder digitale Erfassungsmethoden eingesetzt werden.

Die fertigen Ohrpassstücke müssen hinsichtlich Sitz, Dichtigkeit, Tragekomfort und akustischer Eigenschaften kontrolliert werden.

Gehörschutz und Hörassistenzsysteme

Hörakustikermeister können sich auch auf individuellen Gehörschutz und zusätzliche Hörassistenzsysteme spezialisieren.

Typische Einsatzbereiche sind:

  • Individueller Gehörschutz für Beruf und Freizeit
  • Gehörschutzberatung bei Lärmbelastungen
  • Hörassistenzsysteme für Telefonie und Mediennutzung
  • Drahtlose Übertragungssysteme
  • Zusätzliche Lösungen für schwierige Hörsituationen
  • Beratung und Anpassung spezieller Hörversorgungen

Betriebsführung und Mitarbeiterleitung

Neben den audiologischen und technischen Aufgaben benötigen Hörakustikermeister fundierte kaufmännische Kenntnisse.

Zu den möglichen Tätigkeiten gehören:

  • Fachliche Leitung eines Hörakustikgeschäfts
  • Personalplanung und Mitarbeiterführung
  • Kundenberatung und Verkaufsorganisation
  • Warenwirtschaft und Lagerhaltung
  • Kalkulation und Abrechnung
  • Qualitätsmanagement
  • Organisation von Serviceleistungen
  • Marketing und Kundenbindung
  • Ausbildung von Nachwuchskräften
  • Investitionsplanung und betriebliche Entwicklung

Welche beruflichen Einsatzbereiche gibt es?

Hörakustikermeister arbeiten überwiegend in Hörakustikfachgeschäften, können aber auch bei Herstellern, spezialisierten Versorgungsanbietern oder in der beruflichen Weiterbildung tätig werden.

Klassische Hörgeräteversorgung

Im klassischen Hörakustikgeschäft gehören Hörmessung, Beratung, Auswahl, Anpassung und Nachbetreuung von Hörsystemen zum Kernbereich.

Meister übernehmen dort häufig besonders anspruchsvolle Versorgungen und die fachliche Leitung.

Pädakustik und Hörversorgung von Kindern

Die Versorgung von Kindern und Jugendlichen stellt besondere Anforderungen an Messmethoden, Technik und Beratung.

Hörakustikermeister können sich durch geeignete Zusatzqualifikationen auf pädakustische Aufgaben spezialisieren.

Hierbei ist eine enge Zusammenarbeit mit den zuständigen medizinischen und therapeutischen Fachkräften besonders wichtig.

Versorgung mit implantierbaren Hörsystemen

Auch die Anpassung und Betreuung von Sprachprozessoren und weiteren Komponenten implantierbarer Hörsysteme kann zu spezialisierten Tätigkeitsfeldern gehören.

Die Auswahl und medizinische Implantation solcher Systeme sind von der audiologischen Anpassung und technischen Nachsorge zu unterscheiden.

Für bestimmte Leistungen können zusätzliche Qualifikationen und besondere vertragliche Voraussetzungen erforderlich sein.

Individueller Gehörschutz

Ein weiteres Einsatzgebiet ist die Versorgung mit individuellem Gehörschutz, beispielsweise für Beschäftigte in lärmintensiven Berufen, Musiker oder andere besonders belastete Personengruppen.

Hier spielen geeignete Messverfahren, Dämpfungsanforderungen, Tragekomfort und die Beratung zur richtigen Anwendung eine wichtige Rolle.

Digitale und vernetzte Hörsysteme

Moderne Hörsysteme verfügen über digitale Signalverarbeitung, automatische Hörprogramme und teilweise direkte Verbindungen zu Smartphones oder anderen Geräten.

Hörakustikermeister müssen solche Funktionen verstehen, die technischen Möglichkeiten bewerten und Kunden bei der praktischen Nutzung unterstützen.

Welche Voraussetzungen gelten für die Hörakustikermeisterprüfung?

Die Zulassung zur Meisterprüfung richtet sich nach § 49 der Handwerksordnung.

Der klassische Zugangsweg ist eine erfolgreich abgeschlossene Gesellenprüfung im Hörakustikerhandwerk.

Auch eine entsprechende Gesellenprüfung in einem verwandten zulassungspflichtigen Handwerk oder eine gleichgestellte Abschlussprüfung kann zur Zulassung berechtigen.

Wie viel Berufserfahrung ist erforderlich?

Wer eine einschlägige Gesellenprüfung nach einer regulären mindestens dreijährigen Ausbildung bestanden hat, benötigt grundsätzlich keine zusätzlichen Gesellenjahre.

Bei bestimmten einschlägigen anerkannten Ausbildungsberufen mit einer vorgeschriebenen Ausbildungsdauer von weniger als drei Jahren kann mindestens ein Jahr einschlägige Berufstätigkeit erforderlich sein.

Zulassung mit einem anderen Berufsabschluss

Auch Personen mit einer anderen abgeschlossenen anerkannten Berufsausbildung können unter bestimmten Voraussetzungen zur Meisterprüfung zugelassen werden.

Hierfür kann eine mehrjährige einschlägige Tätigkeit im Hörakustikerhandwerk erforderlich sein. Nach der Handwerksordnung dürfen dafür grundsätzlich höchstens drei Jahre verlangt werden.

Weitere Zugangswege bestehen unter anderem bei bereits bestandenen anderen Meisterprüfungen oder gesetzlich anerkannten vergleichbaren Qualifikationen.

In bestimmten Fällen können einschlägige Fachschulzeiten berücksichtigt oder Ausnahmen zugelassen werden.

Ist der Besuch einer Meisterschule vorgeschrieben?

Nein. Ein Meistervorbereitungslehrgang ist grundsätzlich keine gesetzliche Zulassungsvoraussetzung.

Die Prüfung umfasst jedoch anspruchsvolle audiologische Messungen, praktische Hörsystemversorgungen und umfangreiche fachtheoretische Anforderungen.

Eine strukturierte Vorbereitung mit geeigneter Messtechnik und ausreichenden praktischen Übungen ist deshalb empfehlenswert.

Wichtig: Vor der Anmeldung sollte die zuständige Handwerkskammer die persönlichen Zulassungsvoraussetzungen bestätigen. Besonders bei fachfremden Berufsabschlüssen oder bereits absolvierten anderen Fortbildungsprüfungen ist eine individuelle Prüfung sinnvoll.

Wie läuft die Hörakustikermeisterprüfung ab?

Die Meisterprüfung besteht aus vier selbstständigen Teilen. Die fachpraktischen und fachtheoretischen Teile I und II richten sich nach der Hörakustikermeisterverordnung.

Teil I: Fachpraktische Meisterprüfung

Der erste Prüfungsteil umfasst:

  • Meisterprüfungsprojekt
  • Fachgespräch
  • Situationsaufgabe

Meisterprüfungsprojekt: Individuelle Hörsystemversorgung

Im Mittelpunkt des Meisterprüfungsprojekts steht ein vollständiger Kundenauftrag zur Versorgung mit Hörsystemen.

Der Prüfling muss die individuellen Anforderungen ermitteln, eine geeignete Versorgung planen und die notwendigen Mess-, Anpassungs-, Fertigungs- und Kontrollarbeiten durchführen.

Das Meisterprüfungsprojekt umfasst insbesondere:

  • Ermittlung der Kundenwünsche
  • Aufnahme und Bewertung der hörbezogenen Ausgangssituation
  • Planung der Hörsystemversorgung
  • Durchführung audiologischer Messungen
  • Beratung des Kunden
  • Auswahl geeigneter Hörsysteme
  • Fertigungs- und Anpasstätigkeiten
  • Kontrolle der Versorgungsergebnisse
  • Dokumentation der erbrachten Leistungen

Vor der Durchführung ist ein Umsetzungskonzept mit einer Schätzung des Zeit- und Materialbedarfs zu erstellen und dem Meisterprüfungsausschuss zur Freigabe vorzulegen.

Für die Bearbeitung des Meisterprüfungsprojekts stehen sechs Stunden zur Verfügung.

Bewertung des Meisterprüfungsprojekts

Die einzelnen Bestandteile werden folgendermaßen gewichtet:

  • Planung, Messung und Beratung: 30 Prozent
  • Fertigungs- und Anpasstätigkeiten: 60 Prozent
  • Kontrolle und Dokumentation: 10 Prozent

Fachgespräch

Im anschließenden Fachgespräch müssen die Prüflinge die fachlichen Zusammenhänge ihres Meisterprüfungsprojekts erläutern.

Sie sollen insbesondere die Auswahl der Hörsysteme, die angewandten Messverfahren und die getroffenen technischen sowie wirtschaftlichen Entscheidungen begründen.

Auch die Beratung des Kunden und die Bewertung möglicher alternativer Lösungen gehören zu den Anforderungen.

Das Fachgespräch soll höchstens 30 Minuten dauern.

Situationsaufgabe

Die Situationsaufgabe überprüft weitere praktische Fertigkeiten, die im Meisterprüfungsprojekt nicht ausreichend abgedeckt werden.

Sie umfasst zwei verpflichtende Aufgaben:

  • Kenndaten eines Hörsystems zur Qualitätssicherung ermitteln
  • Ein individuelles Hörprofil erstellen und audiologische Kenndaten ermitteln

Zusätzlich wählt der Meisterprüfungsausschuss zwei weitere Aufgaben aus den gesetzlich vorgesehenen Tätigkeitsbereichen aus.

Dazu gehören beispielsweise:

  • Hörsysteme programmieren und verifizieren
  • Aufgaben zur Tinnitusversorgung
  • Hörassistenzsysteme anpassen und überprüfen
  • Lärmmessung und Gehörschutzversorgung
  • Hörsystemtechnik in individuelle Ohrpassstücke einbauen
  • CROS- oder BiCROS-Messungen durchführen
  • Fehlfunktionen an Hörsystemen diagnostizieren und beheben
  • Messmittelüberwachung
  • Psychoakustische Messverfahren anwenden
  • In-situ-Messungen durchführen und bewerten
  • Digitale Erfassung von Ohrformen
  • Individuelle Otoplastiken herstellen

Für die Situationsaufgabe stehen drei Stunden zur Verfügung.

Die einzelnen Arbeiten werden separat bewertet. Aus ihren Bewertungen wird das arithmetische Mittel für die gesamte Situationsaufgabe gebildet.

Wie wird Teil I bewertet?

Meisterprüfungsprojekt und Fachgespräch werden zunächst im Verhältnis 3:1 gewichtet.

Das daraus gebildete Ergebnis wird anschließend mit der Situationsaufgabe im Verhältnis 2:1 zusammengeführt.

Für das Bestehen müssen das Meisterprüfungsprojekt, das Fachgespräch und die Situationsaufgabe jeweils mindestens 30 Punkte erreichen. Außerdem muss das Gesamtergebnis mindestens ausreichend sein.

Teil II: Fachtheoretische Meisterprüfung

Der zweite Prüfungsteil besteht aus drei handlungsorientierten Prüfungsfeldern.

1. Anforderungen von Kunden analysieren, Lösungen erarbeiten und anbieten

In diesem Prüfungsfeld müssen die Teilnehmer zeigen, dass sie individuelle Kundenanforderungen fachlich analysieren und geeignete Hörversorgungslösungen entwickeln können.

Wichtige Inhalte sind:

  • Ermittlung von Kundenbedürfnissen
  • Bewertung audiologischer Untersuchungsergebnisse
  • Entwicklung geeigneter Versorgungskonzepte
  • Auswahl von Hörsystemen und Zubehör
  • Beurteilung technischer Alternativen
  • Kundenberatung
  • Kalkulation und Angebotserstellung
  • Berücksichtigung rechtlicher und wirtschaftlicher Anforderungen

2. Leistungen erbringen, kontrollieren und übergeben

In diesem Handlungsfeld stehen die fachgerechte Durchführung und Qualitätskontrolle hörakustischer Dienstleistungen im Mittelpunkt.

Zu den Themen gehören:

  • Planung von Mess- und Anpassverfahren
  • Durchführung und Bewertung audiologischer Messungen
  • Versorgung mit Hörsystemen
  • Herstellung und Anpassung von Ohrpassstücken
  • Qualitätskontrolle
  • Dokumentation
  • Beratung und Einweisung von Kunden
  • Nachsorge und Serviceleistungen

3. Einen Hörakustikbetrieb führen und organisieren

Der dritte Prüfungsbereich behandelt die wirtschaftliche und organisatorische Führung eines Hörakustikbetriebs.

Wichtige Inhalte sind:

  • Unternehmenskennzahlen und Kostenrechnung
  • Personalführung und Personalentwicklung
  • Betriebsorganisation
  • Warenwirtschaft
  • Qualitätsmanagement
  • Datenschutz und Datensicherheit
  • Digitalisierung betrieblicher Prozesse
  • Arbeitsschutz
  • Nachhaltigkeit und Ressourceneffizienz
  • Investitionsplanung

Jedes der drei Handlungsfelder wird anhand mindestens einer schriftlichen fallbezogenen Aufgabe geprüft.

Für jedes Handlungsfeld stehen drei Stunden zur Verfügung. An einem Prüfungstag darf die Prüfungszeit sechs Stunden nicht überschreiten.

Teil III: Betriebswirtschaftliche, kaufmännische und rechtliche Kenntnisse

Teil III behandelt gewerkeübergreifende Kenntnisse zur wirtschaftlichen Führung eines Unternehmens.

Zu den Themen gehören:

  • Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens beurteilen
  • Betriebsgründung und Betriebsübernahme vorbereiten
  • Unternehmensstrategien entwickeln
  • Kostenrechnung und Kalkulation
  • Finanzierung und Investitionsplanung
  • Rechtliche Grundlagen

Teil IV: Berufs- und Arbeitspädagogik

Der vierte Prüfungsteil beschäftigt sich mit der Ausbildung von Nachwuchskräften.

Hierzu gehören die Planung der Ausbildung, die Auswahl von Auszubildenden, die Gestaltung von Lernprozessen sowie die Bewertung und Förderung von Ausbildungsleistungen.

Unter bestimmten Voraussetzungen können bereits erworbene gleichwertige Qualifikationen zur Befreiung von einzelnen Prüfungsteilen führen.

Welche Inhalte werden in der Hörakustikermeisterschule vermittelt?

Die Meistervorbereitung verbindet audiologische Kenntnisse mit Hörsystemtechnik, praktischen Messverfahren, Kundenberatung und betriebswirtschaftlichen Grundlagen.

Die genauen Unterrichtsinhalte hängen vom Bildungsanbieter und vom Umfang des Vorbereitungskurses ab.

Audiologie und Hördiagnostik

  • Anatomie und Physiologie des Ohres
  • Grundlagen der Akustik
  • Ton- und Sprachaudiometrie
  • Hörschwellenbestimmung
  • Psychoakustische Messverfahren
  • Audiogrammauswertung
  • Hörprofile und Kundenanforderungen
  • Beurteilung audiologischer Messergebnisse

Hörsystemtechnik und Anpassung

  • Aufbau und Funktion moderner Hörgeräte
  • Digitale Signalverarbeitung
  • Programmierung von Hörsystemen
  • Anpassverfahren
  • In-situ-Messungen
  • Überprüfung von Hörsystemeigenschaften
  • Drahtlose Kommunikation
  • Service und Fehlersuche
  • Qualitätssicherung

Otoplastik und Fertigung

  • Ohrabformung
  • Digitale Erfassung von Ohrformen
  • Werkstoffkunde
  • Herstellung individueller Ohrpassstücke
  • Bearbeitung und Oberflächengestaltung
  • Passformkontrolle
  • Akustische Eigenschaften unterschiedlicher Bauformen
  • Individueller Gehörschutz

Spezielle Versorgungsbereiche

  • Hörversorgung von Kindern und Jugendlichen
  • Tinnitusversorgung im hörakustischen Bereich
  • CROS- und BiCROS-Versorgung
  • Implantatbezogene technische Versorgung
  • Hörassistenzsysteme
  • Gehörschutz und Lärmmessung
  • Hörtraining und Nachbetreuung

Je nach Versorgungsbereich und konkreter Leistung können zusätzliche Qualifikationen und besondere rechtliche oder vertragliche Voraussetzungen erforderlich sein.

Betriebswirtschaft und Unternehmensführung

  • Kalkulation und Preisgestaltung
  • Warenwirtschaft
  • Personalführung
  • Marketing und Kundenbindung
  • Qualitätsmanagement
  • Sozialrechtliche und handwerksrechtliche Grundlagen
  • Datenschutz
  • Betriebsgründung und Betriebsübernahme

Digitalisierung in der Hörakustik

Moderne Hörsysteme werden zunehmend mithilfe digitaler Verfahren angepasst, überprüft und dokumentiert.

Je nach Technik ermöglichen digitale Systeme auch Fernanpassungen, die Verbindung mit Smartphones und weitere Funktionen zur Unterstützung des Hörens.

Hörakustikermeister müssen die technischen Möglichkeiten verstehen, geeignete Lösungen auswählen und Datenschutz sowie Kundensicherheit berücksichtigen.

Wie lange dauert die Weiterbildung zum Hörakustikermeister?

Die Dauer hängt von der Unterrichtsform und den enthaltenen Meisterprüfungsteilen ab.

Die Akademie für Hörakustik in Lübeck bietet beispielsweise sowohl vollständige Vollzeitkurse für die Teile I bis IV als auch verschiedene berufsbegleitende Vorbereitungskurse für die fachlichen Teile I und II an.

Meisterschule in Vollzeit

Ein ausgeschriebener Vollzeitkurs der Akademie für Hörakustik läuft vom 23. August 2027 bis zum 9. Juni 2028.

Der Lehrgang umfasst 1.313 Unterrichtseinheiten zu jeweils 45 Minuten und bereitet auf alle vier Meisterprüfungsteile vor.

Die Ausbildung dauert damit ungefähr zehn Monate.

Der Unterricht findet grundsätzlich an Werktagen statt. Die genauen Unterrichtszeiten und Prüfungstermine sind beim Anbieter angegeben.

Berufsbegleitende Meisterschule

Wer weiterhin berufstätig bleiben möchte, kann ein modulares oder hybrides Kursmodell nutzen.

Beispielsweise bietet die Akademie für Hörakustik folgende Kurse für die Teile I und II an:

  • Online/Lübeck vom 30. März bis zum 29. Oktober 2027
  • Lübeck Hybrid vom 12. Juli 2027 bis zum 25. Februar 2028
  • Würzburg/Lübeck Hybrid vom 20. Mai 2027 bis zum 18. Februar 2028

Die berufsbegleitenden Kurse umfassen bei diesen Angeboten jeweils 362 Unterrichtseinheiten.

Zusätzliche Prüfungsvorbereitungen für die Teile III und IV können erforderlich sein.

Kann man den Hörakustikermeister online machen?

Es gibt Lehrgänge, die digitalen Theorieunterricht mit praktischen Präsenzphasen verbinden.

Die fachpraktische Meisterprüfung verlangt allerdings umfangreiche Messungen, Hörsystemanpassungen und Arbeiten mit geeigneter technischer Ausstattung.

Deshalb ist ein vollständig digitaler Unterricht ohne praktische Übungen keine gleichwertige Vorbereitung auf alle fachpraktischen Prüfungsanforderungen.

Wer einen Onlinekurs auswählt, sollte insbesondere klären, wo die praktischen Übungen stattfinden und auf welche Prüfungsteile der Kurs vorbereitet.

Was kostet die Hörakustikermeisterschule?

Die Kosten unterscheiden sich je nach Bildungsanbieter, Unterrichtsform und enthaltenen Prüfungsteilen.

Neben den Lehrgangsgebühren können Prüfungsgebühren, Lernmittel, Fahrtkosten und Unterkunftskosten entstehen.

Aktuelle Kostenbeispiele für Hörakustikermeisterkurse

Lehrgang Enthaltene Teile Kursgebühr
Akademie für Hörakustik, Online/Lübeck I und II 8.155 €
Akademie für Hörakustik, Lübeck Hybrid I und II 8.515 €
Akademie für Hörakustik, Würzburg/Lübeck Hybrid I und II 8.750 €
Akademie für Hörakustik, Lübeck Vollzeit I bis IV 15.950 €

Stand der Recherche: Oktober 2026. Die genannten Gebühren stammen aus veröffentlichten Kursangeboten für 2027 und 2028. Sie sind keine bundesweit einheitlichen Preise. Die Unterrichtsformen und enthaltenen Prüfungsteile unterscheiden sich.

Was kosten die Prüfungsteile III und IV zusätzlich?

Wer einen Kurs besucht, der nur auf die fachlichen Teile I und II vorbereitet, muss gegebenenfalls die Vorbereitung auf die Teile III und IV gesondert organisieren.

Die Akademie für Hörakustik bietet beispielsweise einen Intensivkurs für die Teile III und IV vom 1. März bis zum 13. Mai 2027 an.

Dieser umfasst 150 Unterrichtseinheiten und kostet laut Ausschreibung 2.160 Euro.

Die Kursgebühren für die Teile I und II und einen solchen Zusatzkurs können deshalb zusammen beispielsweise rund 10.300 bis 10.900 Euro betragen. Die konkreten Gesamtkosten hängen von den gewählten Kursen ab.

Welche weiteren Kosten können entstehen?

  • Prüfungsgebühren der Handwerkskammer
  • Fachbücher und Lernmaterialien
  • Fahrtkosten zu Präsenzveranstaltungen
  • Unterkunft und Verpflegung
  • Gegebenenfalls zusätzliche Prüfungsvorbereitung
  • Möglicher Verdienstausfall bei Vollzeitunterricht

Die Akademie für Hörakustik stellt nach den veröffentlichten Angaben bei ihren berufsbegleitenden Fachkursen wesentliche Messgeräte zur Verfügung. Auch bestimmte Verbrauchsmaterialien und Probandenhonorare sind dort in der Kursgebühr enthalten.

Tipp: Entscheidend sind die Gesamtkosten bis zum Meisterbrief. Vergleichen Sie deshalb immer, welche Prüfungsteile im Kurs enthalten sind, welche praktische Ausstattung bereitgestellt wird und ob Prüfungsgebühren, Fahrtkosten oder Unterkunft zusätzlich bezahlt werden müssen.

Welche Hörakustikermeisterschulen gibt es?

Die Meistervorbereitung ist im Hörakustikerhandwerk stark spezialisiert. Eine wichtige bundesweite Bildungseinrichtung ist die Akademie für Hörakustik in Lübeck.

Sie bietet unterschiedliche Unterrichtsmodelle und Kursorte an. Dadurch können Interessenten zwischen einem vollständigen Vollzeitkurs und berufsbegleitenden Vorbereitungslehrgängen wählen.

Akademie für Hörakustik in Lübeck: Vollzeitkurs

Die Akademie für Hörakustik bietet in Lübeck einen Vollzeitkurs für die Meisterprüfungsteile I bis IV an.

Ein ausgeschriebener Kurs läuft vom 23. August 2027 bis zum 9. Juni 2028.

Der Lehrgang umfasst 1.313 Unterrichtseinheiten und kostet 15.950 Euro.

Der Unterricht bereitet auf alle vier Meisterprüfungsteile vor und umfasst sowohl umfangreiche fachtheoretische als auch praktische Inhalte.

Der Anbieter nennt für diesen Kurs maximal 36 Teilnehmer.

Vollzeit-Meisterkurs der Akademie für Hörakustik ansehen

Akademie für Hörakustik: Hybridkurs in Lübeck

Wer eine berufsbegleitende Unterrichtsform bevorzugt, kann den Hybridkurs für die Teile I und II prüfen.

Ein Kurs ist vom 12. Juli 2027 bis zum 25. Februar 2028 ausgeschrieben.

Er umfasst 362 Unterrichtseinheiten und kostet 8.515 Euro.

Die theoretischen und praktischen Unterrichtsphasen verteilen sich auf verschiedene Module.

Nach den veröffentlichten Angaben werden Messgeräte, Verbrauchsmaterialien und Probandenhonorare für die Übungen bereitgestellt.

Hybrid-Meisterkurs in Lübeck ansehen

Akademie für Hörakustik: Online/Lübeck

Ein weiteres Kursmodell kombiniert digitale Unterrichtsphasen mit praktischen Unterrichtsblöcken in Lübeck.

Ein ausgeschriebener Kurs läuft vom 30. März bis zum 29. Oktober 2027.

Die Kursgebühr beträgt 8.155 Euro bei 362 Unterrichtseinheiten.

Dieser Lehrgang bereitet auf die Teile I und II vor.

Die praktische Ausbildung findet nicht ausschließlich online statt. Für bestimmte Unterrichtsabschnitte ist die Teilnahme an Präsenzveranstaltungen erforderlich.

Meistervorbereitung Online/Lübeck ansehen

Akademie für Hörakustik: Würzburg/Lübeck

Die Akademie für Hörakustik bietet außerdem einen Hybridkurs mit Unterricht am Standort Würzburg und praktischen Anteilen in Lübeck an.

Ein veröffentlichter Lehrgang läuft vom 20. Mai 2027 bis zum 18. Februar 2028.

Die Gebühr beträgt 8.750 Euro für 362 Unterrichtseinheiten.

Der Theorieunterricht wird teilweise online durchgeführt. Weitere Module finden in Präsenz statt.

Hybrid-Meistervorbereitung Würzburg/Lübeck ansehen

Vorbereitung auf die Teile III und IV

Die Akademie für Hörakustik bietet zusätzlich Vorbereitungskurse auf die gewerkeübergreifenden Teile III und IV an.

Ein ausgeschriebener Intensivkurs läuft vom 1. März bis zum 13. Mai 2027 und umfasst 150 Unterrichtseinheiten.

Die veröffentlichte Kursgebühr beträgt 2.160 Euro.

Unterrichtsinhalte sind insbesondere Wirtschaft, Recht und Berufs- und Arbeitspädagogik.

Vorbereitungskurs Teile III und IV ansehen

Hinweis: Die dargestellten Kursmodelle werden neutral vorgestellt. Es handelt sich nicht um bezahlte Empfehlungen. Die Angebote stammen überwiegend von derselben Bildungseinrichtung und sind deshalb keine voneinander unabhängigen Meisterschulen. Termine, Gebühren und freie Plätze können sich ändern.

Welche Förderung gibt es für angehende Hörakustikermeister?

Die Weiterbildung zum Hörakustikermeister kann unter den gesetzlichen Voraussetzungen durch das Aufstiegs-BAföG gefördert werden.

Es unterstützt geeignete berufliche Aufstiegsfortbildungen und kann sowohl für Vollzeit- als auch für Teilzeitmaßnahmen beantragt werden.

Förderung der Lehrgangs- und Prüfungsgebühren

Nach den im Oktober 2026 geltenden gesetzlichen Regelungen können Lehrgangs- und Prüfungsgebühren bis zu einem förderfähigen Gesamtbetrag von 15.000 Euro berücksichtigt werden.

Die Förderung umfasst:

  • 50 Prozent Zuschuss zu den förderfähigen Lehrgangs- und Prüfungsgebühren
  • Die Möglichkeit eines KfW-Darlehens für den verbleibenden Betrag
  • Einen möglichen teilweisen Darlehenserlass nach erfolgreich bestandener Fortbildungsprüfung

Beispielrechnung zum Aufstiegs-BAföG

Bei förderfähigen Lehrgangs- und Prüfungsgebühren von 12.000 Euro ergibt sich folgende vereinfachte Rechnung:

  • Förderfähige Gesamtkosten: 12.000 Euro
  • Zuschuss in Höhe von 50 Prozent: 6.000 Euro
  • Mögliches KfW-Darlehen: 6.000 Euro
  • Möglicher Darlehenserlass nach bestandener Prüfung: 3.000 Euro

Wird das Darlehen vollständig in Anspruch genommen und werden sämtliche gesetzlichen Voraussetzungen für den Erlass erfüllt, verbleiben in diesem Beispiel 3.000 Euro zurückzuzahlen.

Die tatsächliche Förderung hängt vom individuellen Bewilligungsbescheid und den persönlichen Voraussetzungen ab.

Besonderheit bei teureren Meisterkursen

Bei einer Lehrgangsgebühr von beispielsweise 15.950 Euro liegt bereits die Kursgebühr über dem derzeit förderfähigen Höchstbetrag von 15.000 Euro für Lehrgangs- und Prüfungsgebühren.

Der darüber hinausgehende Betrag wird durch diesen Maßnahmebeitrag nicht zusätzlich gefördert.

Deshalb sollten Interessenten vor der Anmeldung prüfen, welche Gesamtkosten anerkannt werden und welche Beträge sie selbst finanzieren müssen.

Unterhaltsförderung bei Vollzeitmaßnahmen

Wer eine geeignete Vollzeitmaßnahme absolviert, kann unter den gesetzlichen Voraussetzungen zusätzliche Leistungen zum Lebensunterhalt beantragen.

Die konkrete Höhe hängt von den persönlichen finanziellen Verhältnissen und den gesetzlichen Bestimmungen ab.

Weitere Fördermöglichkeiten

Je nach Bundesland können zusätzliche Programme wie Meisterprämien oder Meisterboni bestehen.

Auch Arbeitgeberzuschüsse, geeignete Stipendien oder die steuerliche Berücksichtigung beruflich veranlasster Weiterbildungskosten können im Einzelfall relevant sein.

Weitere Informationen finden Sie im offiziellen Informationsportal zum Aufstiegs-BAföG.

Wie viel verdient ein Hörakustikermeister?

Das Gehalt als Hörakustikermeister hängt unter anderem von der Region, der Berufserfahrung, der Unternehmensgröße und der tatsächlich übernommenen Verantwortung ab.

Ein Meister mit Verantwortung für mehrere Filialen kann ein anderes Einkommen erzielen als ein Meister, der hauptsächlich in der Kundenversorgung tätig ist.

Was sagt der Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit?

Der Entgeltatlas weist für die Berufsgruppe der Aufsichtskräfte in der Medizin-, Orthopädie- und Rehatechnik einen mittleren Bruttomonatsverdienst von 4.421 Euro aus.

Das untere Quartil liegt bei 3.733 Euro, das obere Quartil bei 5.354 Euro brutto monatlich.

Diese Berufsgruppe umfasst neben Hörakustikermeistern auch Augenoptikermeister, Zahntechnikermeister, Orthopädietechnikermeister und weitere verwandte Aufsichtstätigkeiten.

Der Wert ist deshalb eine Orientierung für entsprechend qualifizierte Führungspositionen, aber kein ausschließlich für Hörakustikermeister ermittelter Durchschnittsverdienst.

Zum Vergleich: Für die Berufsgruppe der Hörakustiker-Fachkräfte nennt der Entgeltatlas einen Median von 3.102 Euro brutto monatlich.

Auch daraus lässt sich kein garantierter Gehaltszuwachs durch den Meisterabschluss ableiten. Entscheidend ist insbesondere die spätere Tätigkeit.

Die Entgeltdaten beziehen sich auf sozialversicherungspflichtige Vollzeitbeschäftigte und stellen keine verbindlichen Gehaltszusagen dar.

Quelle: Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit – Aufsichtskräfte in der Medizin-, Orthopädie- und Rehatechnik.

Welche Faktoren beeinflussen das Gehalt?

  • Berufserfahrung
  • Filial- und Personalverantwortung
  • Unternehmensgröße
  • Regionale Arbeitsmarktsituation
  • Spezialisierung auf besondere Hörversorgungen
  • Zusätzliche Qualifikationen
  • Tarifliche oder individuelle Vergütungsvereinbarungen
  • Angestelltenverhältnis oder Selbstständigkeit

Bei selbstständigen Hörakustikermeistern hängt das persönliche Einkommen vom wirtschaftlichen Erfolg des Betriebs ab.

Umsatz, Unternehmensgewinn und persönlich verfügbares Einkommen dürfen dabei nicht gleichgesetzt werden.

Kann man sich als Hörakustikermeister selbstständig machen?

Für viele Fachkräfte ist die Möglichkeit, ein eigenes Hörakustikgeschäft zu führen, ein wichtiger Grund für die Meisterprüfung.

Das Hörakustikerhandwerk gehört zu den zulassungspflichtigen Handwerken der Anlage A der Handwerksordnung.

Für den selbstständigen Betrieb eines entsprechenden stehenden Handwerksgewerbes ist grundsätzlich eine Eintragung in die Handwerksrolle erforderlich.

Der Meisterabschluss ist dafür ein üblicher Qualifikationsnachweis. Daneben sieht die Handwerksordnung weitere gesetzlich geregelte Eintragungsmöglichkeiten vor.

Was braucht man für ein eigenes Hörakustikgeschäft?

  • Erstellung eines Businessplans
  • Standortanalyse und Zielgruppenbestimmung
  • Finanzierung der Geschäfts- und Werkstattausstattung
  • Anschaffung audiologischer Messgeräte
  • Einrichtung geeigneter Mess- und Beratungsräume
  • Hörsysteme, Zubehör und Warenwirtschaft
  • Personalplanung und fachliche Qualifikationen
  • Datenschutz und Dokumentationsprozesse
  • Qualitätsmanagement
  • Marketing und Kundengewinnung
  • Liquiditätsplanung und Kostenkontrolle

Besonderheiten bei der Versorgung gesetzlich Versicherter

Ein Hörakustikbetrieb muss bei der Versorgung gesetzlich Versicherter die einschlägigen sozialrechtlichen und vertraglichen Anforderungen beachten.

Je nach Art der Leistung können insbesondere Voraussetzungen nach dem Hilfsmittelrecht, Präqualifizierung und entsprechende Versorgungsverträge relevant sein.

Die Eintragung in die Handwerksrolle allein ersetzt nicht automatisch sämtliche Voraussetzungen für die Abrechnung von Hilfsmitteln mit gesetzlichen Krankenkassen.

Vor der Gründung sollte deshalb geklärt werden, welche Nachweise, technischen Ausstattungen und Verträge für das geplante Geschäftsmodell erforderlich sind.

Welche Karrierechancen bietet der Hörakustikermeister?

Der Meisterabschluss eröffnet verschiedene berufliche Perspektiven im Hörakustikerhandwerk.

Filialleitung

Hörakustikermeister können eine Filiale fachlich und organisatorisch leiten.

Zu den Aufgaben gehören Kundenversorgung, Personalplanung, Qualitätsmanagement und die wirtschaftliche Steuerung des Betriebs.

Technische Betriebsleitung

Eine weitere Möglichkeit ist die Übernahme der fachlichen Verantwortung in einem Hörakustikunternehmen.

Dabei stehen die Qualität der Versorgung, die Organisation von Mess- und Anpassprozessen und die Einhaltung rechtlicher Anforderungen im Mittelpunkt.

Spezialisierung auf Pädakustik

Die Hörversorgung von Kindern und Jugendlichen erfordert besondere Fachkenntnisse.

Durch geeignete Fortbildungen können sich Hörakustikermeister auf diesen Bereich spezialisieren.

Implantatbezogene Hörversorgung

Eine weitere Spezialisierung ist die technische Anpassung und Betreuung bestimmter implantierbarer Hörsysteme und ihrer externen Komponenten.

Hierfür können besondere Qualifikationen und die Zusammenarbeit mit spezialisierten medizinischen Einrichtungen erforderlich sein.

Hörsystementwicklung und technische Schulung

Auch bei Herstellern von Hörsystemen können sich berufliche Möglichkeiten ergeben.

Typische Aufgaben sind technische Schulungen, Produktberatung, Anwendungsunterstützung und die Vermittlung neuer Technologien an Hörakustikbetriebe.

Ausbildung und Weiterbildung

Mit dem Meisterabschluss können Fachkräfte im Rahmen der gesetzlichen Anforderungen Auszubildende betreuen und ausbilden.

Auch Tätigkeiten in der beruflichen Weiterbildung kommen infrage.

Weiterbildung zum Betriebswirt nach der Handwerksordnung

Wer stärker kaufmännische und strategische Aufgaben übernehmen möchte, kann eine Fortbildung zum Geprüften Betriebswirt nach der Handwerksordnung in Betracht ziehen.

Diese vertieft insbesondere Unternehmensführung, Finanzierung, Organisation und Personalmanagement.

Studium nach dem Meisterabschluss

Der Meisterabschluss kann den Zugang zu einem Hochschulstudium ohne klassisches Abitur eröffnen.

Die konkreten Voraussetzungen richten sich nach dem Hochschulrecht des jeweiligen Bundeslandes.

Passende Studienrichtungen können beispielsweise Hörakustik, Audiologie, Medizintechnik oder Betriebswirtschaft sein.

Hörakustikermeister oder Augenoptikermeister: Wo liegen die Unterschiede?

Hörakustikermeister und Augenoptikermeister gehören beide zum Gesundheitshandwerk. Sie sind jedoch eigenständige Meisterabschlüsse mit unterschiedlichen fachlichen Aufgaben.

Kriterium Hörakustikermeister Augenoptikermeister
Handwerk Hörakustikerhandwerk Augenoptikerhandwerk
Fachlicher Schwerpunkt Hören, Audiometrie, Hörsystemversorgung Sehen, Refraktion, Brillen und Kontaktlinsen
Typische Produkte Hörgeräte, Otoplastiken, Hörassistenzsysteme Brillen, Brillengläser, Kontaktlinsen
Meisterprüfungsprojekt Individuelle Hörsystemversorgung Kontaktlinsenversorgung nach geltender Verordnung
DQR-Niveau 6 6

Beide Qualifikationen können zu fachlichen Leitungsaufgaben und zur Selbstständigkeit im jeweiligen Handwerk führen.

Entscheidend sind der bisherige Ausbildungsberuf und das angestrebte Tätigkeitsfeld.

Weitere Informationen finden Sie in unserem Ratgeber zum Augenoptikermeister.

Häufige Fragen zum Hörakustikermeister

Wie lange dauert es, Hörakustikermeister zu werden?

Die Dauer hängt vom Anbieter und den enthaltenen Prüfungsteilen ab. Ein vollständiger Vollzeitkurs kann beispielsweise rund zehn Monate dauern. Berufsbegleitende Kurse für die Teile I und II verteilen sich häufig auf mehrere Monate und müssen gegebenenfalls durch die Vorbereitung auf die Teile III und IV ergänzt werden.

Was kostet die Hörakustikermeisterschule?

Bei den recherchierten Kursen liegen die Gebühren für die Teile I und II zwischen rund 8.155 und 8.750 Euro. Ein ausgeschriebener vollständiger Vollzeitkurs für alle vier Teile kostet 15.950 Euro. Zusätzliche Prüfungs-, Fahrt- und Unterkunftskosten können entstehen.

Ist Hörgeräteakustikermeister dasselbe wie Hörakustikermeister?

Hörgeräteakustikermeister ist die ältere Bezeichnung für den Meisterabschluss im heutigen Hörakustikerhandwerk. Die aktuelle offizielle Abschlussbezeichnung lautet Hörakustikermeister.

Braucht man Berufserfahrung für die Meisterprüfung?

Mit einer einschlägigen Gesellenprüfung nach einer regulären mindestens dreijährigen Berufsausbildung sind grundsätzlich keine zusätzlichen Gesellenjahre vorgeschrieben. Bei anderen Berufsabschlüssen können weitere Voraussetzungen gelten.

Kann man den Hörakustikermeister berufsbegleitend machen?

Ja. Es werden berufsbegleitende und hybride Vorbereitungskurse angeboten, die digitalen Theorieunterricht mit praktischen Präsenzveranstaltungen verbinden.

Welche Meisterprüfungsverordnung gilt?

Für die fachlichen Prüfungsteile gilt die Hörakustikermeisterverordnung vom 17. Februar 2022 in der geltenden Fassung. Sie ist am 1. August 2022 in Kraft getreten.

Ist der Hörakustikermeister ein Bachelor Professional?

Ja. Mit der bestandenen Meisterprüfung wird gemäß Handwerksordnung zusätzlich der entsprechende berufliche Fortbildungsabschluss Bachelor Professional erworben.

Die Qualifikation ist dem DQR-Niveau 6 zugeordnet, stellt aber keinen akademischen Hochschulabschluss dar.

Was wird in der praktischen Meisterprüfung verlangt?

Teil I umfasst ein Meisterprüfungsprojekt zur individuellen Hörsystemversorgung, ein darauf bezogenes Fachgespräch und eine Situationsaufgabe mit audiologischen und technischen Aufgaben.

Darf ein Hörakustikermeister Hörkrankheiten diagnostizieren?

Hörakustikermeister führen im Rahmen ihrer beruflichen Befugnisse audiologische Untersuchungen durch und beurteilen die Ergebnisse für die Hörsystemversorgung.

Die medizinische Diagnose und Behandlung von Erkrankungen des Ohres und Hörsystems gehören grundsätzlich zur ärztlichen Zuständigkeit. Auffällige Befunde können eine HNO-ärztliche Abklärung erforderlich machen.

Braucht man einen Meisterbrief für ein eigenes Hörakustikgeschäft?

Für den selbstständigen Betrieb eines zulassungspflichtigen Hörakustikerhandwerks ist grundsätzlich eine Eintragung in die Handwerksrolle erforderlich.

Der Meisterbrief ist ein üblicher Qualifikationsnachweis. Daneben bestehen weitere gesetzlich geregelte Eintragungsmöglichkeiten.

Wie viel verdient ein Hörakustikermeister?

Das Einkommen hängt insbesondere von Berufserfahrung, Region und Führungsverantwortung ab. Der Entgeltatlas nennt für eine breitere Gruppe von Meister- und Aufsichtstätigkeiten in der Medizin-, Orthopädie- und Rehatechnik einen Median von 4.421 Euro brutto monatlich. Dieser Wert ist kein ausschließlich für Hörakustikermeister ermittelter Durchschnitt.

Wird die Meisterschule gefördert?

Ja. Geeignete Meistervorbereitungslehrgänge können unter den gesetzlichen Voraussetzungen durch das Aufstiegs-BAföG gefördert werden.

Lohnt sich die Weiterbildung zum Hörakustikermeister?

Der Meisterabschluss kann sich besonders für Fachkräfte lohnen, die Führungsverantwortung übernehmen, einen eigenen Betrieb führen oder sich auf anspruchsvolle Hörversorgungen spezialisieren möchten.

Ob sich die Weiterbildung wirtschaftlich rechnet, hängt von den Gesamtkosten, Fördermöglichkeiten und späteren beruflichen Perspektiven ab.

Fazit: Hörakustikermeister als nächster Karriereschritt

Die Weiterbildung zum Hörakustikermeister bietet Fachkräften des Hörakustikerhandwerks zahlreiche Möglichkeiten zur beruflichen Weiterentwicklung.

Der Meisterabschluss verbindet audiologisches Fachwissen, moderne Hörsystemtechnik und praktische Kundenversorgung mit Betriebsführung und Mitarbeiterleitung.

Besonders interessant ist die Qualifikation für Beschäftigte, die langfristig ein eigenes Hörakustikgeschäft eröffnen, eine Filiale leiten oder sich auf spezielle Versorgungsbereiche konzentrieren möchten.

Die geltende Meisterprüfungsverordnung berücksichtigt dabei moderne Hörsysteme, digitale Technologien und anspruchsvolle audiologische und technische Versorgungsaufgaben.

Vor der Anmeldung sollten Interessierte die persönlichen Zulassungsvoraussetzungen, den Umfang des Vorbereitungskurses, die vollständigen Kosten und mögliche Förderleistungen prüfen.

Wer im Hörakustikerhandwerk mehr Verantwortung übernehmen möchte, schafft mit dem Meisterabschluss eine wichtige Grundlage für den nächsten beruflichen Schritt.

Weitere Informationen finden Sie in unserem Überblick über die Handwerksmeister und im verwandten Ratgeber zum Augenoptikermeister.

Offizielle Quellen und weiterführende Informationen