Die Wertanalyse ist eine systematische Methode zur Verbesserung von Produkten, Dienstleistungen und Prozessen.
Dabei steht nicht nur die Frage im Mittelpunkt:
„Wie können wir Kosten senken?“
Wichtiger ist:
„Welche Funktionen werden wirklich benötigt – und mit welchem Aufwand können wir diese sinnvoll erfüllen?“
Die Wertanalyse verbindet deshalb drei zentrale Größen:
Funktion → Nutzen → Kosten beziehungsweise Ressourceneinsatz
Ziel ist es, den Wert eines Produkts, einer Dienstleistung oder eines Prozesses zu erhöhen.
Was versteht man unter einer Wertanalyse?
Bei einer Wertanalyse wird ein Produkt oder Prozess nicht nur nach seinen Bauteilen oder einzelnen Arbeitsschritten betrachtet.
Stattdessen wird gefragt:
- Welche Funktionen erfüllt das Untersuchungsobjekt?
- Welche Funktionen sind für den Kunden oder Anwender wichtig?
- Welche Kosten entstehen durch diese Funktionen?
- Wo entstehen unnötig hohe Kosten?
- Kann dieselbe Funktion wirtschaftlicher oder besser erfüllt werden?
Die Wertanalyse ist damit eine funktionsorientierte Verbesserungsmethode.
Sie kann beispielsweise eingesetzt werden, wenn
- Produkte zu teuer werden,
- Wettbewerbsdruck steigt,
- Prozesse ineffizient sind,
- neue Lösungen entwickelt werden sollen oder
- Kosten gesenkt werden müssen, ohne notwendige Funktionen zu verschlechtern.
Was bedeutet „Wert“ bei der Wertanalyse?
Der Wertbegriff geht über den reinen Verkaufspreis hinaus.
Als vereinfachtes Denkmodell kann man sagen:
Wert = Nutzen beziehungsweise Funktion ÷ Aufwand beziehungsweise Ressourcen
Wichtig ist:
Das ist keine allgemein verbindliche mathematische Berechnungsformel.
Der Nutzen eines Produkts lässt sich schließlich nicht immer eindeutig in Zahlen ausdrücken.
Auch Eigenschaften wie
- Sicherheit,
- Bedienkomfort,
- Zuverlässigkeit,
- Gestaltung,
- Prestige oder
- Nachhaltigkeit
können den wahrgenommenen Wert beeinflussen.
Das Denkmodell soll vor allem verdeutlichen:
Ein Wert steigt, wenn eine gewünschte Funktion mit geringerem Aufwand erfüllt wird oder bei gleichem Aufwand ein höherer Nutzen entsteht.
Eine reine Kostensenkung ist deshalb nicht automatisch eine Wertsteigerung.
Warum stehen Funktionen im Mittelpunkt?
Ein Kunde kauft meist nicht ein bestimmtes Bauteil, sondern den Nutzen, den ein Produkt bietet.
Beispiel:
Bei einem Regenschirm interessiert den Kunden nicht in erster Linie das Gestänge.
Die entscheidende Funktion lautet:
„Person vor Regen schützen.“
Die Wertanalyse fragt deshalb zuerst:
Welche Funktion muss erfüllt werden?
Erst anschließend wird untersucht, welche technische oder organisatorische Lösung dafür geeignet ist.
Funktionen einfach formulieren
Funktionen werden möglichst knapp beschrieben.
Eine häufig verwendete Form ist:
Verb + Substantiv
Beispiele:
- Wasser fördern
- Daten speichern
- Bauteil schützen
- Raum beleuchten
- Kunden informieren
- Temperatur regeln
Der Vorteil:
Man löst sich gedanklich von der bisherigen Lösung.
Statt zu fragen:
„Wie verbessern wir dieses Bauteil?“
fragt man:
„Wie können wir diese Funktion besser erfüllen?“
Dadurch entstehen leichter alternative Lösungsansätze.
Welche Funktionsarten gibt es?
Funktionen können nach unterschiedlichen Gesichtspunkten unterschieden werden.
Hauptfunktion
Die Hauptfunktion beschreibt den grundlegenden Zweck eines Produkts oder Prozesses.
Beispiel bei einer Pumpe:
Wasser fördern
Nebenfunktion
Eine Nebenfunktion unterstützt die Hauptfunktion.
Beispiele:
- Gerät befestigen
- Geräusch reduzieren
- Bedienung ermöglichen
Gebrauchsfunktion
Die Gebrauchsfunktion beschreibt den praktischen oder technischen Nutzen.
Beispiele:
- Uhr zeigt die Zeit
- Stuhl ermöglicht Sitzen
- Smartphone ermöglicht Kommunikation
Geltungsfunktion
Die Geltungsfunktion beschreibt beispielsweise ästhetische, soziale oder emotionale Wirkungen.
Dazu gehören:
- Design
- Prestige
- Markenwirkung
- Erscheinungsbild
Wichtig ist:
Diese Kategorien schließen sich nicht gegenseitig aus.
Eine Funktion kann beispielsweise zugleich Hauptfunktion und Gebrauchsfunktion sein.
Die Begriffe beschreiben unterschiedliche Merkmale derselben Funktion.
Wie läuft eine Wertanalyse ab?
Für Einsteiger lässt sich die Wertanalyse in sechs größere Phasen gliedern.
Diese Darstellung ist bewusst vereinfacht und nicht als wortgetreue Wiedergabe des vollständigen VDI-Arbeitsplans zu verstehen.
1. Vorbereitung
Zunächst werden Untersuchungsobjekt, Ziele, Rahmenbedingungen, beteiligte Personen und benötigte Informationen festgelegt.
2. Analyse
Nun werden Ist-Zustand, Kundenanforderungen, bestehende Funktionen sowie technische und organisatorische Rahmenbedingungen untersucht.
3. Funktionenkosten bestimmen
Den einzelnen Funktionen werden Kosten oder Ressourcen zugeordnet.
Dadurch wird sichtbar,
- welche Funktionen besonders teuer sind,
- wo ein Missverhältnis zwischen Nutzen und Aufwand besteht und
- wo Verbesserungspotenziale liegen.
4. Ideen entwickeln
Für auffällige Funktionen werden alternative Lösungen gesucht.
Hier können beispielsweise kreative Methoden wie Brainstorming eingesetzt werden.
5. Lösungen bewerten
Die entwickelten Alternativen werden miteinander verglichen.
Dabei können Kriterien sein:
- Nutzen
- Kosten
- Qualität
- technische Machbarkeit
- Risiken
- Umsetzungsaufwand
6. Umsetzung und Kontrolle
Die ausgewählte Lösung wird umgesetzt.
Anschließend wird geprüft:
- Wurden die Ziele erreicht?
- Funktionieren die notwendigen Funktionen weiterhin?
- Sind die erwarteten Einsparungen eingetreten?
- Sind neue Probleme entstanden?
Praxisbeispiel: Wertanalyse einer Verpackung
Ein Unternehmen verkauft ein technisches Produkt in einer aufwendigen Verpackung.
Die Verpackung besteht unter anderem aus:
- stabilem Karton
- Kunststoffeinlage
- mehreren Schutzteilen
- hochwertigem Druck
Die Verpackungskosten sind deutlich gestiegen.
Funktionen der Verpackung
Das Team bestimmt unter anderem folgende Funktionen:
- Produkt schützen
- Produkt präsentieren
- Informationen vermitteln
Anschließend werden die Kosten diesen Funktionen zugeordnet.
Beispiel für eine Funktionenkostenanalyse
| Funktion | Bisher | Neu |
|---|---|---|
| Produkt schützen | 1,80 € | 1,60 € |
| Produkt präsentieren | 1,20 € | 0,80 € |
| Informationen vermitteln | 0,50 € | 0,50 € |
| Gesamt | 3,50 € | 2,90 € |
Die neue Verpackung spart damit:
3,50 € – 2,90 € = 0,60 € je Verpackung
Die Kostenreduzierung beträgt:
0,60 € ÷ 3,50 € × 100 ≈ 17,1 %
Fiktives Lehrbeispiel: Voraussetzung ist, dass die notwendigen Funktionen nachweislich weiterhin erfüllt werden.
Wenn die neue Verpackung beispielsweise das Produkt schlechter schützt, wäre die reine Kostensenkung kein erfolgreicher Wertanalyse-Schritt.
Das Beispiel zeigt deshalb den eigentlichen Gedanken:
Nicht Kosten streichen, sondern Funktionen wirtschaftlicher erfüllen.
Was sind Funktionenkosten?
Funktionenkosten zeigen, welcher Kostenanteil auf eine bestimmte Funktion entfällt.
Eine klassische Kostenrechnung könnte zunächst lediglich zeigen:
Die Verpackung kostet 3,50 Euro.
Die Funktionenkostenanalyse fragt dagegen:
- Wie viel kostet der Produktschutz?
- Wie viel kostet die Präsentation?
- Wie viel kostet die Informationsfunktion?
Dadurch lässt sich wesentlich gezielter untersuchen, wo Verbesserungen möglich sind.
Welche Methoden können die Wertanalyse unterstützen?
| Methode | Einsatz |
|---|---|
| Funktionsanalyse | benötigte Funktionen bestimmen |
| Funktionenkostenanalyse | Kosten den Funktionen zuordnen |
| Brainstorming | alternative Lösungen entwickeln |
| Morphologischer Kasten | Lösungsvarianten systematisch kombinieren |
| Nutzwertanalyse | Alternativen anhand mehrerer Kriterien vergleichen |
| Kostenvergleich | wirtschaftliche Auswirkungen prüfen |
| Pareto-Analyse | besonders wichtige Kostentreiber erkennen |
Besonders wichtig sind dabei die Funktionsanalyse und Funktionenkostenanalyse.
Die anderen Methoden können je nach Problem ergänzend eingesetzt werden.
Warum wird Wertanalyse häufig im Team durchgeführt?
Die Wertanalyse profitiert von unterschiedlichen Fachkenntnissen.
Deshalb arbeiten häufig Mitarbeiter aus mehreren Bereichen zusammen.
Beispiele:
- Entwicklung
- Produktion
- Einkauf
- Vertrieb
- Qualitätsmanagement
- Controlling
Ein Entwickler kennt beispielsweise technische Zusammenhänge.
Der Einkauf kennt Preise und Lieferanten.
Der Vertrieb kennt Kundenanforderungen.
Durch diese unterschiedlichen Perspektiven entstehen häufig bessere Lösungen.
Wertanalyse und reine Kostensenkung
| Reine Kostensenkung | Wertanalyse |
|---|---|
| Kosten stehen im Mittelpunkt | Funktionen und Kosten werden gemeinsam betrachtet |
| Qualität oder Nutzen können sinken | notwendige Funktionen sollen erhalten bleiben |
| bestehende Lösung wird günstiger gemacht | auch neue Lösungen werden gesucht |
| häufig kurzfristiger Fokus | systematische Betrachtung |
Die Kernfrage der Wertanalyse lautet deshalb nicht:
„Was können wir streichen?“
Sondern:
„Wie können wir die benötigte Funktion wirtschaftlicher erfüllen?“
Wertanalyse und KVP
Wertanalyse und kontinuierlicher Verbesserungsprozess (KVP) verfolgen beide das Ziel, betriebliche Leistungen zu verbessern.
Der Schwerpunkt ist jedoch unterschiedlich.
| Wertanalyse | KVP |
|---|---|
| gezielte strukturierte Untersuchung | kontinuierliche Verbesserung |
| Fokus auf Funktionen und Kosten | Fokus auf laufende Prozessverbesserungen |
| häufig projektorientiert | häufig dauerhaft im Arbeitsalltag |
| Funktionsanalyse zentral | viele kleine Verbesserungen möglich |
Beide Methoden können sich ergänzen.
Ein KVP kann beispielsweise zeigen, dass ein Produkt oder Prozess grundlegend untersucht werden sollte.
Dann kann eine Wertanalyse sinnvoll sein.
Welche Vorteile bietet die Wertanalyse?
Eine Wertanalyse kann unter anderem helfen,
- Kosten zu reduzieren,
- Kundennutzen zu erhöhen,
- unnötige Funktionen zu erkennen,
- Produkte zu vereinfachen,
- Prozesse zu verbessern,
- Innovationen anzuregen,
- Materialverbrauch zu reduzieren,
- Abteilungen besser miteinander zu vernetzen.
Welche Probleme können auftreten?
Typische Schwierigkeiten sind:
- zu starke Konzentration auf Kostensenkung,
- Kundenanforderungen werden falsch eingeschätzt,
- Funktionen werden unklar beschrieben,
- vorhandene Lösungen werden vorschnell verteidigt,
- wichtige Daten fehlen,
- Ideen werden zu früh verworfen,
- die Umsetzung wird nicht konsequent verfolgt.
Gerade in der Ideenphase sollte nicht sofort jede neue Lösung mit „Das geht nicht.“ abgelehnt werden.
Zunächst werden Möglichkeiten gesammelt. Erst anschließend erfolgt die Bewertung.
Beispiel für eine Prüfungsaufgabe
Ein Unternehmen produziert einen Werkzeugkoffer.
Die Produktionskosten sind gestiegen.
Welche Vorgehensweise entspricht am ehesten dem Gedanken der Wertanalyse?
A: Alle Materialien pauschal durch billigere Materialien ersetzen.
B: Zunächst die Funktionen des Werkzeugkoffers bestimmen und anschließend untersuchen, welche Kosten durch die einzelnen Funktionen entstehen.
C: Den Verkaufspreis erhöhen.
D: Personal abbauen.
Richtig ist:
B
Denn die Wertanalyse untersucht zunächst Funktionen und Funktionenkosten, bevor Verbesserungsalternativen entwickelt werden.
Wertanalyse für die Fachwirt-Prüfung
Für die Prüfung reicht als Kernschema:
Objekt festlegen → Funktionen analysieren → Funktionenkosten bestimmen → Ideen entwickeln → Lösungen bewerten → umsetzen und kontrollieren
Besonders wichtig sind:
- Funktionen stehen im Mittelpunkt.
- Kosten werden Funktionen zugeordnet.
- Kundenanforderungen müssen berücksichtigt werden.
- notwendige Funktionen sollen erhalten bleiben.
- alternative Lösungen werden systematisch entwickelt.
- Teamarbeit verbindet unterschiedliche Fachkenntnisse.
Typische Prüfungsfehler
Wertanalyse nur als Kostensenkung verstehen
Das Ziel ist ein besseres Verhältnis zwischen Funktion beziehungsweise Nutzen und Ressourceneinsatz.
Verkaufspreis mit Wert gleichsetzen
Der Wertbegriff der Wertanalyse ist nicht identisch mit dem Marktpreis.
Funktion und Lösung verwechseln
„Wasser fördern“ ist eine Funktion.
„Elektropumpe einsetzen“ ist bereits eine mögliche Lösung.
Funktionsarten als Gegensätze verstehen
Haupt-/Nebenfunktion und Gebrauchs-/Geltungsfunktion beschreiben unterschiedliche Merkmale und können sich überschneiden.
Kontrolle vergessen
Eine Verbesserung muss nach der Umsetzung daraufhin geprüft werden, ob die notwendigen Funktionen tatsächlich weiterhin erfüllt werden.
Kleiner Selbsttest
Frage 1: Was ist das zentrale Ziel einer Wertanalyse?
Lösung:
Notwendige Funktionen beziehungsweise Nutzen mit möglichst wirtschaftlichem Ressourceneinsatz zu erfüllen.
Frage 2: Was sind Funktionenkosten?
Lösung:
Kosten, die einzelnen Funktionen eines Produkts, einer Dienstleistung oder eines Prozesses zugeordnet werden.
Frage 3: Warum ist die vereinfachte Wertformel keine exakte Berechnungsformel?
Lösung:
Weil Nutzen nicht immer eindeutig messbar ist. Auch qualitative Faktoren wie Sicherheit, Komfort oder Gestaltung können eine Rolle spielen.
Frage 4: Kann eine Hauptfunktion gleichzeitig eine Gebrauchsfunktion sein?
Lösung:
Ja. Die Begriffe beschreiben unterschiedliche Merkmale einer Funktion.
Frage 5: Warum ist reine Kostensenkung nicht automatisch Wertanalyse?
Lösung:
Weil eine Kostensenkung den Nutzen oder notwendige Funktionen verschlechtern kann. Die Wertanalyse betrachtet Funktionen und Kosten gemeinsam.
Wertanalyse einfach erklärt
Die Wertanalyse fragt:
Welche Funktion brauchen wir – und wie können wir sie möglichst wirtschaftlich erfüllen?
Der typische Ablauf lautet:
Funktion verstehen → Kosten zuordnen → Verbesserungspotenzial erkennen → Alternativen entwickeln → beste Lösung auswählen
Dadurch können Kosten reduziert werden, ohne notwendige Funktionen aus dem Blick zu verlieren.
Häufige Fragen zur Wertanalyse
Was ist eine Wertanalyse?
Die Wertanalyse ist eine systematische Methode zur Verbesserung von Produkten, Dienstleistungen und Prozessen. Dabei werden Funktionen, Nutzen und Kosten gemeinsam betrachtet.
Was ist eine Funktion?
Eine Funktion beschreibt, welche Aufgabe oder Wirkung ein Produkt, Bauteil oder Prozess erfüllen soll.
Was sind Funktionenkosten?
Funktionenkosten zeigen, welcher Kostenanteil durch eine bestimmte Funktion verursacht wird.
Ist Wertanalyse nur Kostensenkung?
Nein. Ziel ist es, notwendige Funktionen wirtschaftlicher zu erfüllen und den Wert insgesamt zu verbessern.
Was ist der Unterschied zwischen Wertanalyse und KVP?
Die Wertanalyse untersucht gezielt Funktionen und Kosten eines Untersuchungsobjekts. KVP beschreibt einen fortlaufenden Verbesserungsprozess im Arbeitsalltag.
