Fachwirt Versicherungen & Finanzen: Heute Bachelor Professional (IHK)

Der frühere Geprüfte Fachwirt für Versicherungen und Finanzen ist 2026 nur noch im Rahmen von Übergangsregelungen relevant. Seit dem 1. Januar 2025 gilt der neue bundesweit geregelte Abschluss Bachelor Professional in Versicherungen und Finanzanlagen.

Damit hat sich nicht nur die Abschlussbezeichnung geändert. Auch Zulassung, Prüfungsstruktur und Inhalte wurden grundlegend modernisiert. Themen wie Digitalisierung, Nachhaltigkeit, Transformation und Leadership spielen heute eine deutlich größere Rolle.

Kurzüberblick:

  • alter Abschluss: Geprüfter Fachwirt für Versicherungen und Finanzen
  • neuer Abschluss: Bachelor Professional in Versicherungen und Finanzanlagen
  • neue Verordnung gültig seit 1. Januar 2025
  • Altprüfung auf Antrag bei Anmeldung bis 31. Dezember 2026 noch möglich
  • begonnene Altverfahren können bis 31. Dezember 2028 abgeschlossen werden
  • neue Prüfung: zwei große Prüfungsbereiche plus Praxistransferarbeit, Präsentation und Fachgespräch
  • AEVO vollständig integriert

Gibt es den Fachwirt für Versicherungen und Finanzen noch?

Der frühere Fachwirt für Versicherungen und Finanzen wurde rechtlich durch den neuen Abschluss Bachelor Professional in Versicherungen und Finanzanlagen abgelöst.

Die neue bundesweite Fortbildungsprüfungsverordnung gilt seit dem 1. Januar 2025. Der Bachelor Professional ist ein öffentlich-rechtlicher beruflicher Fortbildungsabschluss. Er ist kein akademischer Bachelorgrad.

Welche Übergangsregeln gelten 2026?

Für Personen, die bereits nach der alten Verordnung geprüft werden oder noch 2026 eine Altprüfung anstreben, gelten Übergangsregeln.

Stichtag Bedeutung
1. Januar 2025 Inkrafttreten der neuen Verordnung zum Bachelor Professional
31. Dezember 2026 Bei Anmeldung bis zu diesem Datum muss die zuständige Stelle auf Antrag noch nach alter Fachwirt-Verordnung prüfen
31. Dezember 2028 Begonnene Prüfungsverfahren nach alter Verordnung müssen grundsätzlich bis dahin abgeschlossen sein

Wichtig: Die gesetzliche Übergangsmöglichkeit bedeutet nicht automatisch, dass jede IHK noch regulär neue Prüfungstermine nach altem Recht anbietet. Wer 2026 noch die alte Fachwirt-Prüfung ablegen möchte, sollte das unmittelbar mit der zuständigen IHK klären.

Alter und neuer Abschluss im Vergleich

Bisheriger Abschluss Neuer Abschluss
Geprüfter Fachwirt für Versicherungen und Finanzen Bachelor Professional in Versicherungen und Finanzanlagen
Verordnung von 2008 Verordnung von 2024, gültig seit 2025
alte Prüfungsstruktur zwei neue Prüfungsbereiche
klassische fachliche Schwerpunkte Kundenbedarfsfelder, Kernprozesse, Transformation und Leadership
nur noch im Rahmen der Übergangsregeln regulärer aktueller Fortbildungsabschluss

Für wen eignet sich der Bachelor Professional?

Die Weiterbildung richtet sich insbesondere an Beschäftigte aus der Versicherungs- und Finanzanlagenbranche, die anspruchsvollere Fach- und Führungsaufgaben übernehmen möchten.

Typische Zielgruppen sind beispielsweise:

  • Kaufleute für Versicherungen und Finanzanlagen,
  • Versicherungsfachkräfte,
  • Beschäftigte aus Vertrieb und Kundenmanagement,
  • Mitarbeitende aus Produkt- und Schadenmanagement,
  • Fachkräfte aus Prozess- und Projektmanagement,
  • angehende Team- und Gruppenleitungen.

Zulassung nach der neuen Verordnung

Die neue Verordnung eröffnet mehrere Zugangswege.

Zugang zusätzliche Berufspraxis
Kaufmann/Kauffrau für Versicherungen und Finanzanlagen keine zusätzliche Berufspraxis erforderlich
anderer anerkannter Ausbildungs- oder Gesellenberuf mindestens 1 Jahr
Hochschulabschluss mindestens 1 Jahr
Sachkundeprüfung Versicherungsvermittlung nach § 34d GewO mindestens 2 Jahre
mindestens 90 ECTS aus einem Studium mindestens 2 Jahre
ohne entsprechenden Abschluss mindestens 5 Jahre

Die Berufspraxis muss bei den entsprechenden Zugangswegen einen wesentlichen Bezug zu den Aufgaben des neuen Abschlusses haben.

Zusätzlich gibt es eine Öffnungsklausel für Personen, die auf andere Weise eine vergleichbare berufliche Handlungsfähigkeit nachweisen können.

Über die konkrete Prüfungszulassung entscheidet die zuständige IHK. Diese sollte vor einer verbindlichen Lehrgangsanmeldung geklärt werden.

Wie ist die neue Prüfung aufgebaut?

Prüfungsteil 1: Kundenbedarfsfelder

Im ersten großen Prüfungsteil wird eines von zwei Kundenbedarfsfeldern gewählt:

  • Vorsorge
  • Sach- und Vermögensschutz für Gewerbekunden

Die schriftliche Prüfung dauert 270 Minuten.

Prüfungsteil 2: Kernprozesse, Steuerung und Zusammenarbeit

Der zweite große Prüfungsteil umfasst:

  • Kernprozesse gestalten
  • Steuerung, Zusammenarbeit und Leadership

Die schriftliche Prüfung dauert 300 Minuten.

Praxisbezogene Prüfung

Zum zweiten Prüfungsteil gehört zusätzlich eine praxisbezogene Prüfung mit drei Bestandteilen:

  • Praxistransferarbeit
  • Präsentation
  • Fachgespräch

Praxistransferarbeit

Die Praxistransferarbeit umfasst in der Regel 4 bis 6 Textseiten. Darin wird eine betriebliche Aufgabe aus der Versicherungswirtschaft analysiert, eine Lösung entwickelt und deren Umsetzbarkeit bewertet.

Ein mögliches Beispiel wäre die Optimierung eines digitalen Schadenbearbeitungsprozesses: Wo entstehen Verzögerungen? Welche digitalen Schritte lassen sich verbessern? Welche Auswirkungen hat die vorgeschlagene Lösung auf Kunden, Mitarbeitende und Kosten?

Die Arbeit muss spätestens am Tag der letzten schriftlichen Prüfung eingereicht werden.

Präsentation und Fachgespräch

  • Präsentation: maximal 20 Minuten
  • Fachgespräch: maximal 30 Minuten

Damit prüft der neue Abschluss deutlich stärker als früher, ob Wissen auf reale betriebliche Situationen übertragen werden kann.

Wie werden die Prüfungsleistungen gewichtet?

Prüfungsbestandteil Gewichtung
Praxistransferarbeit innerhalb der praxisbezogenen Prüfung 25 %
Präsentation innerhalb der praxisbezogenen Prüfung 25 %
Fachgespräch innerhalb der praxisbezogenen Prüfung 50 %
schriftliche Prüfung im Bereich Kernprozesse, Steuerung und Zusammenarbeit 40 % des Prüfungsteils
praxisbezogene Prüfung 60 % des Prüfungsteils

Für die Gesamtnote werden die beiden großen Prüfungsteile unterschiedlich gewichtet:

  • Kundenbedarfsfelder: 30 %
  • Kernprozesse, Steuerung und Zusammenarbeit: 70 %

AEVO: Ausbildereignung vollständig enthalten

Ein besonderer Vorteil des neuen Abschlusses ist die vollständig integrierte Ausbildereignung.

Mit bestandener Prüfung gelten auch die berufs- und arbeitspädagogischen Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten nach der Ausbilder-Eignungsverordnung als nachgewiesen. Ein entsprechendes AEVO-Zeugnis wird ausgestellt.

Das ist mehr als die bei vielen anderen Fachwirt-Abschlüssen übliche Befreiung vom schriftlichen Teil der AEVO-Prüfung.

Davon unberührt bleiben weitere betriebliche Voraussetzungen, die für eine konkrete Tätigkeit als Ausbilder erfüllt sein müssen.

Welche Inhalte werden heute geprüft?

Kundenmanagement

Hier geht es unter anderem um bedarfsgerechte Kundenlösungen, Beratungsprozesse, Vorsorge, Gewerbekunden und Schaden- beziehungsweise Leistungsfälle.

Produktmanagement

Dazu gehören Produktentwicklung, Marktanforderungen, Wirtschaftlichkeit und die Berücksichtigung regulatorischer und nachhaltigkeitsbezogener Anforderungen.

Schaden- und Leistungsmanagement

Schadenprozesse, Servicequalität, Kundenkommunikation und Prozessoptimierung bilden einen wichtigen Teil der betrieblichen Praxis.

Transformation und Digitalisierung

Die neue Verordnung berücksichtigt ausdrücklich digitale und technologische Entwicklungen, neue Vertriebswege, Prozessveränderungen und digitale Arbeitsformen.

Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeitsaspekte spielen unter anderem bei Produktentwicklung, Kundenmanagement, Schadenmanagement, Projektentscheidungen und Unternehmenssteuerung eine Rolle.

Leadership und Zusammenarbeit

Weitere Themen sind:

  • Führung,
  • Personalentwicklung,
  • moderne Arbeitsformen,
  • Projektmanagement,
  • Personalmarketing,
  • Ausbildung.

Dauer 2026: unterschiedliche Lehrgangsmodelle

Eine gesetzlich vorgeschriebene Lehrgangsdauer gibt es nicht.

Aktuelle BWV-Angebote zeigen, wie unterschiedlich die Modelle aufgebaut sein können.

Anbieterbeispiel Dauer / Umfang
BWV Berlin ca. 420 Stunden
BWV Hamburg Intensiv ca. 12 Monate

Andere berufsbegleitende Modelle laufen über einen längeren Zeitraum.

Kosten 2026

Die Lehrgangskosten unterscheiden sich je nach Anbieter und Modell.

Anbieterbeispiel 2026 Lehrgangsgebühr
BWV Berlin 4.250 Euro
BWV Hamburg Intensiv 4.400 Euro

Hinzu kommen die Prüfungsgebühren der zuständigen IHK sowie gegebenenfalls weitere Kosten für Lernmaterial oder Fahrten.

Die Preise sind konkrete Anbieterbeispiele für 2026 und keine bundesweit einheitlichen Gebühren.

Digitalisierung und moderne Versicherungswirtschaft

Die Versicherungsbranche verändert sich stark durch Digitalisierung und Automatisierung.

In der Praxis spielen beispielsweise folgende Themen eine zunehmende Rolle:

  • digitale Kundenportale,
  • automatisierte Schadenbearbeitung,
  • KI-gestützte Prozesse,
  • digitale Vertriebswege,
  • CRM-Systeme,
  • Data Analytics,
  • RegTech,
  • digitale Produktentwicklung.

Diese Entwicklungen sind Teil der modernen Versicherungswirtschaft und werden im neuen Abschluss stärker berücksichtigt als in der alten Fachwirt-Struktur.

Karriere und Tätigkeitsfelder

Der Bachelor Professional ist auf anspruchsvollere Fach- und Führungsfunktionen in Versicherungsunternehmen und Vertriebsorganisationen ausgerichtet.

Mögliche Tätigkeitsfelder sind beispielsweise:

  • Kundenmanagement,
  • Produktmanagement,
  • Schaden- und Leistungsmanagement,
  • Vertrieb und Vertriebssteuerung,
  • Projektmanagement,
  • Prozessmanagement,
  • Transformation und Digitalisierung,
  • Team- oder Gruppenleitung,
  • Personalentwicklung,
  • Ausbildungskoordination.

Eine bestimmte Führungsposition oder ein festes Gehaltsniveau ist mit dem Abschluss nicht automatisch verbunden. Entscheidend sind Berufserfahrung, Unternehmen, Verantwortungsumfang und konkrete Funktion.

Bachelor Professional Versicherungen oder Fachwirt Finanzberatung?

Bachelor Professional Versicherungen & Finanzanlagen Fachwirt Finanzberatung
Versicherungswirtschaft Finanz- und Vorsorgeberatung
Produkt-, Kunden- und Schadenmanagement Privat- und Geschäftskundenberatung
Transformation, Leadership und Projekte Finanzanlagen, Finanzierung und Vorsorge
Versicherungsunternehmen und Vertrieb breiter Finanzdienstleistungsbereich

Wer stärker in Finanzberatung, Vermögensanlagen, Finanzierung und Vorsorge arbeiten möchte, sollte den Fachwirt für Finanzberatung (IHK) vergleichen.

Weitere Alternativen

Bankfachwirt

Für Beschäftigte in Banken und Sparkassen mit Schwerpunkt auf Bankwirtschaft und Kreditgeschäft ist der Bankfachwirt (IHK) die passendere Spezialisierung.

Wirtschaftsfachwirt

Wer eine breitere betriebswirtschaftliche Weiterbildung ohne speziellen Branchenfokus sucht, kann den Wirtschaftsfachwirt (IHK) vergleichen.

Wer noch grundsätzlich verschiedene Weiterbildungswege prüfen möchte, findet unter Weiterbildung finden weitere Orientierung.

Fazit: Alter Fachwirt in der Übergangsphase, neuer Bachelor Professional ist der reguläre Weg

Der frühere Fachwirt für Versicherungen und Finanzen ist 2026 nur noch im Rahmen der gesetzlichen Übergangsregeln relevant.

Der reguläre aktuelle Abschluss lautet Bachelor Professional in Versicherungen und Finanzanlagen. Die neue Fortbildung ist stärker auf moderne Kundenbedarfsfelder, Kernprozesse, Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Leadership ausgerichtet.

Wer noch nach alter Fachwirt-Verordnung geprüft werden möchte, sollte wegen der Frist zum 31. Dezember 2026 frühzeitig die zuständige IHK kontaktieren.

Weitere Fachwirt-Richtungen findest du in Fachwirt A–Z sowie auf unserer zentralen Seite Fachwirt: Fachrichtungen, Weiterbildung, Prüfung & Karriere.