Fertigungstypen und Fertigungsorganisation: Einzel-, Serien-, Sorten- und Massenfertigung einfach erklärt

Ein individuell gebautes Schiff wird anders produziert als eine Standardschraube, die millionenfach hergestellt wird.

Auch ein Unternehmen mit vielen kleinen Produktserien organisiert seine Fertigung anders als ein Betrieb mit stark standardisierter Massenproduktion.

Für das Verständnis der Produktion müssen deshalb zwei unterschiedliche Fragen getrennt werden:

  1. Wie viel und wie häufig wird produziert?
  2. Wie sind Arbeitsplätze und Abläufe organisiert?

Fertigungstypen

Wie viel und wie häufig wird produziert?

  1. Einzelfertigung
  2. Serienfertigung
  3. Sortenfertigung
  4. Massenfertigung

Fertigungsorganisation

Wie sind Arbeitsplätze und Abläufe organisiert?

  1. Werkstattfertigung
  2. Reihenfertigung
  3. Fließfertigung
  4. Gruppen-/Inselfertigung

Beide Ebenen lassen sich miteinander kombinieren, beispielsweise Serienfertigung mit Fließfertigung.

Die Begriffe werden in Lehrbüchern nicht immer völlig einheitlich verwendet. Für diesen Artikel gilt bewusst:

Fertigungstyp = Produktionsmenge und Wiederholungsgrad

Fertigungsorganisation = räumliche und zeitliche Gestaltung des Produktionsablaufs

Was sind Fertigungstypen?

Fertigungstypen beschreiben, in welcher Menge und mit welchem Wiederholungsgrad Produkte hergestellt werden.

Fertigungstypen im Überblick

Fertigungstyp Kennzeichen Typisches Beispiel
Einzelfertigung einzelne beziehungsweise individuell gefertigte Produkte Spezialmaschine
Serienfertigung begrenzte Anzahl gleichartiger Produkte innerhalb einer Serie 20.000 Geräte eines Modells
Sortenfertigung verschiedene Sorten eines verwandten Grundprodukts Papier mit unterschiedlichem Flächengewicht
Massenfertigung sehr große beziehungsweise dauerhaft produzierte Menge eines gleichartigen Produkts Standardschraube

Einzelfertigung

Bei der Einzelfertigung wird ein Produkt einmalig oder nur in sehr geringer Stückzahl hergestellt.

Typische Merkmale sind geringe Stückzahl, geringer Wiederholungsgrad, hohe Flexibilität, häufig wechselnde Arbeitsabläufe und vergleichsweise hoher Planungsaufwand.

Beispiele sind Spezialmaschinen, Schiffe, Sonderanlagen oder individuell gefertigte Möbelstücke.

Serienfertigung

Bei der Serienfertigung wird eine begrenzte Anzahl gleichartiger Erzeugnisse hergestellt. Diese Menge bildet eine Serie.

Beispiel: 20.000 Geräte Modell A, anschließend 15.000 Geräte Modell B.

Typisch sind begrenzte Fertigungslose, gleichartige Produkte innerhalb einer Serie und mögliche Produktionsumstellungen zwischen den Serien.

Klein-, Mittel- und Großserie

Je nach Umfang kann beispielsweise zwischen Klein-, Mittel- und Großserie unterschieden werden. Allgemeingültige Stückzahlgrenzen für alle Branchen gibt es nicht.

Sortenfertigung

Bei der Sortenfertigung werden verschiedene Sorten eines verwandten Grundprodukts hergestellt.

Sie unterscheiden sich in bestimmten Eigenschaften, werden aber häufig mit ähnlichen Ausgangsstoffen und ähnlichen Produktionsverfahren gefertigt.

Beispiele sind Papier mit unterschiedlichen Flächengewichten, verschiedene Stahlsorten, Mehltypen oder Biersorten.

Serienfertigung und Sortenfertigung unterscheiden

Merkmal Serienfertigung Sortenfertigung
Kennzeichen begrenzte Fertigungslose gleichartiger Produkte verschiedene Sorten eines Grundprodukts
Beispiel 20.000 Geräte Modell A, danach 15.000 Modell B Papier mit 80, 100 und 120 g/m²
Schwerpunkt Seriengröße und Wiederholungsfertigung Unterschiede in Eigenschaften des Grundprodukts
Umstellung zwischen Serien möglich zwischen Sorten möglich

In der Praxis können sich beide Merkmale überschneiden. Ein Papierhersteller kann unterschiedliche Papiersorten herstellen und jede Sorte wiederum in begrenzten Produktionslosen fertigen.

Massenfertigung

Bei der Massenfertigung wird ein gleichartiges Produkt über einen langen Zeitraum in sehr großer Menge hergestellt.

Typisch sind hohe Wiederholung, starke Standardisierung, geringe Produktvielfalt und häufig ein hoher Automatisierungsgrad.

Variantenfertigung

In modernen Produktionssystemen werden häufig viele Varianten eines Grundprodukts hergestellt, beispielsweise ein Fahrzeugmodell mit verschiedenen Motorisierungen, Farben und Ausstattungspaketen.

Je nach Lehrsystem wird Variantenfertigung als eigener Fertigungstyp oder als besondere Ausprägung der Serienfertigung behandelt.

Fertigungstypen im Vergleich

Merkmal Einzelfertigung Serienfertigung Sortenfertigung Massenfertigung
Stückzahl sehr gering begrenzt je Sorte unterschiedlich sehr hoch
Wiederholungsgrad gering hoch innerhalb der Serie hoch sehr hoch
Produktähnlichkeit individuell innerhalb der Serie gleichartig verwandte Sorten sehr hoch
Flexibilität hoch mittel mittel eher gering
Standardisierung eher gering hoch hoch sehr hoch

Was ist die Fertigungsorganisation?

Der Fertigungstyp sagt noch nicht, wie Maschinen, Arbeitsplätze und Materialfluss organisiert sind. Diese Frage beantwortet die Fertigungsorganisation.

Werkstattfertigung

Bei der Werkstattfertigung werden gleichartige Maschinen beziehungsweise Arbeitsplätze räumlich zusammengefasst, beispielsweise Dreherei, Fräserei, Bohrerei und Lackiererei.

Das Produkt bewegt sich entsprechend seines Arbeitsplans von Werkstatt zu Werkstatt.

Mögliche Vorteile sind hohe Flexibilität und vielseitige Nutzung der Maschinen. Nachteile können längere Transportwege, höherer Steuerungsaufwand und längere Durchlaufzeiten sein.

Reihenfertigung

Bei der Reihenfertigung werden Arbeitsplätze entsprechend der Bearbeitungsreihenfolge angeordnet.

Reihenfertigung

Sägen → Bohren → Puffer möglich → Lackieren → Puffer möglich → Verpacken

Die Arbeitsplätze folgen dem Materialfluss. Eine feste zeitliche Kopplung ist nicht zwingend erforderlich.

Fließfertigung

Bei der Fließfertigung sind die Arbeitsplätze ebenfalls nach der Bearbeitungsfolge angeordnet. Zusätzlich besteht eine stärkere zeitliche Abstimmung beziehungsweise Kopplung.

Getaktete Fließfertigung

Sägen → Bohren → Lackieren → Verpacken

Gemeinsamer Takt: beispielsweise 2 Minuten

Die Stationen sind zusätzlich zeitlich aufeinander abgestimmt.

Wichtig: Nicht jede Fließfertigung muss starr getaktet sein. Es gibt auch kontinuierliche Fließprozesse oder andere Formen zeitlicher Kopplung.

Reihen- und Fließfertigung vergleichen

Merkmal Reihenfertigung Fließfertigung
Anordnung nach Bearbeitungsfolge nach Bearbeitungsfolge
Puffer möglich je nach System begrenzt beziehungsweise möglich
zeitliche Kopplung nicht zwingend stärker ausgeprägt
Takt nicht zwingend bei getakteter Fließfertigung vorhanden

Engpass in einer Produktionslinie

Station Bearbeitungszeit je Stück Rechnerische Leistung
Sägen 1,0 Minute 60 Stück/h
Bohren 1,5 Minuten 40 Stück/h
Lackieren 2,5 Minuten 24 Stück/h
Verpacken 1,2 Minuten 50 Stück/h

Die rechnerische Leistung pro Stunde kann vereinfacht berechnet werden mit:

Leistung pro Stunde = 60 / Bearbeitungszeit in Minuten

Für das Lackieren gilt:

60 / 2,5 = 24 Stück pro Stunde

Sägen
60
Stück/h
Bohren
40
Stück/h
Lackieren
24
Stück/h
Engpass
Verpacken
50
Stück/h

Im vereinfachten Beispiel beträgt der maximale Durchsatz der Linie 24 Stück pro Stunde, sofern jede Station nur einmal vorhanden ist, alle Produkte alle Stationen durchlaufen und keine weiteren Einschränkungen berücksichtigt werden.

Fließfertigung ist nicht automatisch störungsfrei

Engpässe, Maschinenausfälle, unterschiedliche Bearbeitungszeiten, Qualitätsprobleme oder Materialmangel können den gesamten Ablauf beeinflussen.

Gruppen- und Inselfertigung

Bei der Gruppenfertigung werden unterschiedliche Maschinen und Arbeitsplätze zu Fertigungsgruppen zusammengefasst. Sie bearbeiten beispielsweise bestimmte Produktfamilien.

Die Inselfertigung kann als besonders weitgehende Form einer solchen Gruppenbildung verstanden werden.

Eine Fertigungsinsel kann beispielsweise Drehmaschine, Bohrmaschine, Montageplatz und Prüfplatz enthalten. Ein Team bearbeitet dort eine Bauteilfamilie möglichst vollständig.

Unterschied zur Werkstattfertigung

Werkstattfertigung: Maschinen werden nach ihrer Funktion zusammengefasst.

Inselfertigung: unterschiedliche Maschinen werden nach Produkt beziehungsweise Produktfamilie zusammengefasst.

Flexible Fertigungssysteme

Flexible Fertigungssysteme verbinden häufig automatisierte Maschinen, CNC-Technik, Materialtransport, Lagertechnik und Produktionssteuerung.

Sie bilden nicht einfach einen fünften klassischen Fertigungstyp, sondern beschreiben eine technische und organisatorische Gestaltung der Fertigung.

Fertigungstyp und Fertigungsorganisation kombinieren

Ein Fertigungstyp schreibt nicht zwingend eine bestimmte Organisationsform vor.

  • Einzelfertigung: häufig Werkstattfertigung
  • Kleinserie: Werkstatt- oder Gruppenfertigung möglich
  • größere Serien: häufig Reihen-, Insel- oder Fließfertigung
  • Massenfertigung: häufig stark standardisierte Fließfertigung

Beispiel: Fertigungstyp und Organisation gemeinsam bestimmen

Ein Unternehmen fertigt 5.000 baugleiche Maschinenbauteile. Wenn die 5.000 Stück eine begrenzte Serie bilden, liegt eine Serienfertigung nahe.

Die Arbeitsplätze sind angeordnet als Sägen → Bohren → Fräsen → Prüfen. Damit liegt organisatorisch zunächst eine Reihenfertigung nahe. Bei zusätzlicher zeitlicher Kopplung kann eine Fließfertigung vorliegen.

Zusammenhang mit der Kapazität

Die Fertigungsorganisation beeinflusst unmittelbar Kapazität, Auslastung und Engpässe.

Im Beispiel 60 → 40 → 24 → 50 Stück/h bestimmt der Engpass mit 24 Stück/h die vereinfachte Gesamtleistung.

Zusammenhang mit der Ablaufplanung

Die Ablaufplanung beantwortet, wann welcher Auftrag an welcher Ressource bearbeitet wird.

Bei Werkstattfertigung kann sie besonders anspruchsvoll sein, weil unterschiedliche Produkte unterschiedliche Wege durch die Produktion nehmen.

Zusammenhang mit dem Arbeitsplan

Der Arbeitsplan enthält beispielsweise Arbeitsgänge, Bearbeitungsreihenfolge, Maschinen, Rüstzeiten und Bearbeitungszeiten.

Was beeinflusst die Wahl der Fertigungsorganisation?

  • Stückzahl,
  • Produktvielfalt,
  • Bearbeitungsreihenfolge,
  • Auftragsstruktur,
  • Automatisierungsgrad,
  • Investitionskosten,
  • Fläche,
  • gewünschte Flexibilität.

Zielkonflikt Flexibilität und Wirtschaftlichkeit

Eine flexible Fertigung ermöglicht viele unterschiedliche Produkte, kann aber mit höherem Steuerungsaufwand und höheren Stückkosten verbunden sein.

Eine stark standardisierte Fertigung kann hohe Produktivität und niedrige Stückkosten ermöglichen, ist dafür häufig weniger flexibel.

Es gibt nicht die eine beste Fertigungsform.

Fertigungstypen für die Fachwirt-Prüfung

Einzelfertigung: einzelne beziehungsweise individuelle Produkte.

Serienfertigung: begrenzte Fertigungslose gleichartiger Produkte.

Sortenfertigung: verschiedene Sorten eines verwandten Grundprodukts.

Massenfertigung: sehr große beziehungsweise dauerhaft produzierte Menge eines gleichartigen Produkts.

Werkstattfertigung: gleichartige Betriebsmittel nach Funktionen zusammengefasst.

Reihenfertigung: Arbeitsplätze nach Bearbeitungsfolge angeordnet.

Fließfertigung: Bearbeitungsfolge plus stärkere zeitliche Kopplung.

Gruppen-/Inselfertigung: unterschiedliche Betriebsmittel für bestimmte Produktfamilien zusammengefasst.

Typische Prüfungsfehler

  • Fertigungstyp und Fertigungsorganisation gleichsetzen,
  • Serien- und Sortenfertigung zu stark vereinfachen,
  • Reihen- und Fließfertigung gleichsetzen,
  • Fließfertigung immer als getaktet darstellen,
  • Fließfertigung als störungsfrei ansehen,
  • Massenfertigung automatisch als beste Lösung ansehen,
  • jede Serienfertigung mit Fließfertigung gleichsetzen.

Kleiner Selbsttest

Frage 1: Welche vier klassischen Fertigungstypen werden häufig unterschieden?

Lösung: Einzel-, Serien-, Sorten- und Massenfertigung.

Frage 2: Was unterscheidet Fertigungstyp und Fertigungsorganisation?

Lösung: Der Fertigungstyp beschreibt Produktionsmenge und Wiederholung. Die Fertigungsorganisation beschreibt die Anordnung und zeitliche Gestaltung der Produktionsmittel.

Frage 3: Ein Unternehmen fertigt 5.000 baugleiche Teile als begrenzte Serie. Welcher Fertigungstyp liegt nahe?

Lösung: Serienfertigung.

Frage 4: Dieselben 5.000 Teile durchlaufen Arbeitsplätze, die nach der Bearbeitungsreihenfolge angeordnet sind. Welche Fertigungsorganisation liegt nahe?

Lösung: Reihenfertigung. Bei zusätzlicher zeitlicher Kopplung kann eine Fließfertigung vorliegen.

Frage 5: Was unterscheidet Serien- und Sortenfertigung?

Lösung: Serienfertigung arbeitet mit begrenzten Fertigungslosen gleichartiger Produkte. Sortenfertigung stellt verschiedene Sorten eines verwandten Grundprodukts her.

Frage 6: Welche Station ist der Engpass bei 60, 40, 24 und 50 Stück pro Stunde?

Lösung: Die Station mit 24 Stück pro Stunde.

Frage 7: Was unterscheidet Werkstatt- und Inselfertigung?

Lösung: Bei Werkstattfertigung werden Maschinen nach Funktionen zusammengefasst. Bei Inselfertigung werden unterschiedliche Maschinen für bestimmte Produktfamilien zusammengefasst.

Frage 8: Muss jede Fließfertigung getaktet sein?

Lösung: Nein. Eine feste Taktzeit ist ein typisches Merkmal getakteter Fließfertigung, aber nicht zwingend jeder Fließfertigung.

Fertigungstypen einfach erklärt

Die zentrale Frage bei Fertigungstypen lautet: Wie viel und wie häufig wird produziert?

Die klassischen Fertigungstypen sind Einzelfertigung, Serienfertigung, Sortenfertigung und Massenfertigung.

Davon getrennt wird die Fertigungsorganisation betrachtet. Hier lautet die Frage: Wie sind Arbeitsplätze und Abläufe organisiert?

Fertigungstyp beschreibt Produktionsmenge und Wiederholung.

Fertigungsorganisation beschreibt räumlichen und zeitlichen Produktionsablauf.

Häufige Fragen zu Fertigungstypen

Was sind Fertigungstypen?

Fertigungstypen beschreiben, in welcher Menge und mit welchem Wiederholungsgrad Produkte hergestellt werden.

Welche klassischen Fertigungstypen gibt es?

Einzel-, Serien-, Sorten- und Massenfertigung.

Was ist Einzelfertigung?

Ein Produkt wird einmalig beziehungsweise individuell hergestellt.

Was ist Serienfertigung?

Eine begrenzte Anzahl gleichartiger Produkte wird innerhalb einer Serie gefertigt.

Was ist Sortenfertigung?

Es werden unterschiedliche Sorten eines verwandten Grundprodukts hergestellt.

Was ist Massenfertigung?

Ein gleichartiges Produkt wird über einen längeren Zeitraum in sehr großer Menge gefertigt.

Ist Werkstattfertigung ein Fertigungstyp?

In der hier verwendeten Systematik nein. Werkstattfertigung beschreibt die Fertigungsorganisation.

Was ist Werkstattfertigung?

Gleichartige Maschinen werden nach ihrer Funktion räumlich zusammengefasst.

Was ist Reihenfertigung?

Arbeitsplätze werden entsprechend der Bearbeitungsreihenfolge angeordnet.

Was ist Fließfertigung?

Arbeitsplätze sind nach der Bearbeitungsfolge angeordnet und zusätzlich stärker zeitlich miteinander gekoppelt.

Muss Fließfertigung immer getaktet sein?

Nein. Eine feste Taktzeit ist typisch für getaktete Fließfertigung, aber nicht zwingend für jede Fließfertigung.

Was ist Inselfertigung?

Unterschiedliche Maschinen werden für eine bestimmte Produktfamilie räumlich und organisatorisch zusammengefasst.

Welche Fertigungsform ist die beste?

Das hängt unter anderem von Stückzahl, Produktvielfalt, Bearbeitungsfolge, Investitionskosten und gewünschter Flexibilität ab.